Kultur

Wer war eigentlich noch nicht in der Rheinberger Stadthalle?

Rheinbergs frühere Kulturbürochefin Vera Thuleweit in einer der Stadthallengarderoben – 36 Jahre Veranstaltungen finden ihren Niederschlag auch in jeder Menge Ankündigungsplakaten in den Räumen rund um die Halle.  

Rheinbergs frühere Kulturbürochefin Vera Thuleweit in einer der Stadthallengarderoben – 36 Jahre Veranstaltungen finden ihren Niederschlag auch in jeder Menge Ankündigungsplakaten in den Räumen rund um die Halle.  

Foto: Wolfgang Krause

Rheinberg.   BAP, Grönemeyer, Müller-Westernhagen, Barclay James Harvest, Supercharge, Curt Cress, Blues-Partys, dazu Kabarett – und auch noch Ratssitzungen.

Will man Menschen, die Rheinberg nicht kennen, etwas Lustiges über die Stadt erzählen, kann man getrost von einem Alleinstellungsmerkmal berichten: Im Ratssaal hängt eine Discokugel. Das liegt natürlich nicht daran, dass es bei solchen Gelegenheiten zuweilen hoch her geht, die eine oder andere Sitzung durchaus komödiantische und – ob nun freiwillig oder nicht, lassen wir einmal dahingestellt – durchaus kabarettartige Momente hat oder dass ab und an, wenn die Zügel durch den Bürgermeister nicht straff angezogen sind, mancher Ratsherr bildlich gesprochen dem Sitzungsleiter auf der Nase herumtanzt, sondern hat alleine damit zu tun, dass es in dem Raum, der ja nur zuweilen Politik über sich ergehen lassen muss, eben auch Discoveranstaltungen gibt – weil er ja eigentlich Stadthalle ist. Aber so manches Mal hätte es eine Ratssitzung auch verdient, dass bunte Lichter aufflammen und die Discokugel ihre Spiegelungen auf die Teilnehmer wirft.

Wesentlich öfter als schnöde Ratssitzungen jedoch gibt es eben Termine, in denen die Kugel auch richtig zum Einsatz kommt. In den 36 Jahren des Bestehens der Stadthalle waren es „circa 1400 Veranstaltungen“, schätzt Vera Thuleweit – und die muss es wissen, war sie doch seit 1981 verantwortlich für den Bereich Kultur und damit auch für die Vermarktung der Stadthalle.

Natürlich kommen in einer solch langen Zeit viele Highlights vor. Und deswegen muss Thuleweit auch ein wenig nachdenken, um die herausragenden nennen zu können. Aber haften geblieben ist zum Beispiel Herbert Grönemeyer. „Es gab kein Konzert, bei dem mehr Zuschauer kamen – 1500 Leute, stehend.“ 150 Karten hatte sie noch zurückgehalten, die sie aus einem Fenster des Stadthauses heraus verkaufte. „Da wurde über mehrere Reihen von Menschen hinweg Geld zu mir gereicht, die Karten gingen genauso zurück.“ Glück dabei: Nachdem Grönemeyer für die Stadthalle gebucht war, kam sein Album „Bochum“ heraus. Bessere Werbung konnte man sich nicht denken.

Westernhagen nach seiner schwierigen Phase

Marius Müller-Westernhagen, 1987 Gast in der Halle, hatte „gerade das Comeback nach seiner schwierigen Phase“, so Thuleweit. „Und hier in Rheinberg war es das erfolgreichste Konzert, das bestbesuchte seiner Tour.“ Für BAP musste sie einen Kuhhandel mit dem Agenten eingehen, der unbedingt auch eine irische Truppe auftreten lassen wollte.

Und so konnte BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken seinen auch in einem Buch nachzulesenden Satz über die Rheinberger Stadthalle sagen: „Hier sieht es aus wie in der Muppetshow“ – in Anspielung auf die dort in einer Loge auftretenden Figuren Waldorf und Statler, die alle Auftritte sarkastisch kommentieren. Dennoch: „Die Stadthalle wurde von allen Künstlern hoch gelobt, weil sie nicht zu groß, nicht zu klein ist und eine gute Akustik hat“, so Thuleweit.

Ihren großen Traum, einmal Bruce Springsteen zu verpflichten, konnte sie nicht verwirklichen. Aber im Ernst: Springsteen in Rheinberg wäre dann doch ein paar Nummern zu groß gewesen für das Städtchen am Rhein. Dennoch konnten durch geschickte Kooperationen nicht nur namhafte Künstler, sondern auch große Produktionen geholt werden. Da gab es dann die Zusammenarbeit mit Agenturen, die einen Teil des finanziellen Risikos abnahmen, während das Kulturbüro vor Ort für die Vermarktung sorgte, die so eben sinnvoller gesteuert werden konnte. Thuleweit: „Da sind wir besser als die Agenturen.“ Als sie das zum ersten Mal anbot, waren die Partner zunächts skeptisch. „Aber es hat geklappt. Das Programm zu machen ist das Eine, die Vermarktung eben das Andere.“

Programm und Publikum verändern sich

In den gut drei Jahrzehnten des Bestehens der Stadthalle hat sich nicht nur das Programm gewandelt, sondern auch das Publikum. „Es gibt Menschen, die haben schon seit über 30 Jahren ein Abonnement, die seit 1981 dabei sind. Die muss man natürlich auch immer noch begeistern“, so Thuleweit. Aber das jüngere Publikum wolle eben andere Angebote. „Da geht Comedy oder Kabarett, da gehen Frauenstücke.“Aber auch das Hitler-Stück „Er ist wieder da“ sei angesagt, selbst wenn „es nicht alle zufriedenstellt. In einer Kleinstadt muss man natürlich auch etwas haben, woran sich die Besucher reiben können“. Wichtig sei auch, dass die Preise moderat gestaltet seien. Thuleweit: „Wir sind immer vergleichsweise günstiger gewesen als andere Städte. Man darf sich nicht für nur eine Veranstaltung krummlegen müssen. Wichtiger ist eine volle Halle bei günstigen Preisen als eine leere bei höheren Preisen!“

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