Erziehung

Wieder eine Absage: Kinderhaus Rheinberg sucht weiter Träger

Der Kindergarten Kinderhaus ist wegen hoher Personalkosten in den roten Zahlen. Die evangelische Gemeinde Rheinberg als Träger hat ihre Rücklagen aber fast vollständig aufgebraucht – und sucht deswegen einen neuen Träger.

Der Kindergarten Kinderhaus ist wegen hoher Personalkosten in den roten Zahlen. Die evangelische Gemeinde Rheinberg als Träger hat ihre Rücklagen aber fast vollständig aufgebraucht – und sucht deswegen einen neuen Träger.

Foto: Peggy Mendel

Rheinberg.   Erziehungsverein will den Kindergarten der ev. Gemeinde Rheinberg nur übernehmen, wenn sie das Defizit abdeckt. Das liegt bei 70.000 Euro.

Die Suche nach einem neuen Betreiber für das Kinderhaus, dem Kindergarten der evangelischen Kirche Rheinberg an der Fossastraße, geht weiter. Dabei wähnte man sich schon am Ziel – bis der als beste Lösung erscheinende Neukirchener Erziehungsverein im Januar kurzfristig absagte, wie Pfarrer Udo Otten im Jugendhilfeausschuss erzählte.

„Wir haben jedes Jahr durch den Betrieb des Kindergartens ein Defizit von 70.000 Euro“, sagte er am Donnerstag zur NRZ. Das gehe seit einer Gesetzumstellung des Landes mit dem sogenannten Kibiz so. Das Kibiz sorge dafür, dass Kindergärten nicht mehr auskömmlich finanziert seien. „Bei Kindergärten mit viel jungem Personal geht das, bei erfahrenem Personal, das eine qualitative Erziehung gewährleistet, eben nicht. Im Kibiz ist ein strukturelles Defizit eingeplant für tarifgebundene Kindergärten. Das Land spart auf Kosten der Träger!“

Für die evangelische Gemeinde Rheinberg als Träger des Kinderhauses sei seit 2013 ein Defizit von fast 600.000 Euro aufgelaufen. Otten: „So viel haben wir aus unserem Rücklagen entnehmen müssen. In diesem Jahr könnten wir noch etwas aus den Rücklagen entnehmen, aber dann sind sie aufgebraucht.“ Und eigentlich seien die Rücklagen auch für andere Aufgaben der Gemeinden vorgesehen, nicht nur für den Kindergarten.

Mitarbeiter nach Tarif bezahlen

Bei den Verhandlungen mit anderen Trägern in evangelischer Tradition habe er immer darauf geachtet, dass auch die Mitarbeiter nach Tarif bezahlen. Aber das habe nicht geklappt – die Verhandlungspartner wollten die Defizitabdeckung garantiert haben. „Wenn wir auf den Kosten sitzen bleiben, könnten wir den Kindergarten auch weiter selbst betreiben,“ Aber das Geld dafür sei eben nicht mehr da. „Ich habe keine Idee mehr – zum allerersten Mal in meinem Leben.“

Und was passiert jetzt? Sozialdezernentin Rosemarie Kaltenbach hofft darauf, dass sich noch ein Träger für das Kinderhaus finden wird. Sollte das nicht der Fall sein, sollte die evangelische Gemeinde Rheinberg die Trägerschaft nicht mehr ausüben, gebe es „eine gesetzliche Nachfolge – dann fällt die Trägerschaft an das Jugendamt“, also an die Stadt.

Unterdessen könnte es in der Kinderbetreuung im Stadtteil Orsoy eine Neuerung geben, wie Kaltenbach in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses mitteilte. Mit der evangelischen Kirchengemeinde Orsoy sei man im Gespräch über eine Kooperation. „Das könnte in Richtung der Zusammenlegung von deren Kindergarten mit dem städtischen gehen, um dann einen neuen, gemeinsamen zu bauen“, so Kaltenbach gestern zur NRZ. Dafür müsse man noch mit dem Land reden und auch den Bebauungsplan ändern.

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