Lebensräume

Wohnen in Alpen: Umbau, Abriss oder Neubau?

Das Areal um das Feuerwehrgerätehaus ist in der Diskussion.

Das Areal um das Feuerwehrgerätehaus ist in der Diskussion.

Foto: Markus Weißenfels / Funke FotoPool

Die Alpener Grünen luden zum Tischgespräch. Es ging um bezahlbaren Wohnraum. Das alte Feuerwehrgerätehaus sorgt für Diskussionsbedarf

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Alpen. Der Tisch war gedeckt. Nach und nach trudelten die Gäste ein. Peter Nienhaus, Fraktions- und Ortsverbandssprecher der Grünen in Alpen, begrüßte sie. Es war eine lockere Atmosphäre, die da am Donnerstagabend in seinem Garten herrschte, dennoch waren die Gesprächsthemen ernst. Die Partei lud zum ersten „Grünen Tischgespräch“ ein. „Wir wollen wissen, was die Bürger zu bestimmten Themen sagen und denken. Ein lockerer Rahmen macht die Situation einfacher“, erklärt Nienhaus. Thema des Abends: Bezahlbares Wohnen in Alpen.

Der Mietwohnungsmarkt in der Gemeinde sei angespannt, der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum groß. Besonders junge Paare und Familien suchten oft vergeblich nach adäquaten Wohnungen. „Viele Investoren haben in Alpen schön und edel gebaut. Im unteren Preissegment haben wir aber nichts mehr“, erklärt Ratsmitglied Ursula Arens. Die Grünen möchten, dass diese jungen Menschen im Ort bleiben können. Gerade jetzt habe man die Möglichkeit bei der Umgestaltung des Willy-Brandt-Areals und bei der Ausweisung neuer Wohngebiete (Alpen-Ost-Erweiterung) bezahlbaren Wohnraum als Kriterium im Investorenwettbewerb beziehungsweise in den Bebauungsplänen zu verankern.

Sie haben nicht das Geld

Gegenüber der neuen Feuerwehrwache an der Von-Dornik-Straße soll zum Teil bezahlbarer Wohnraum entstehen, so die Forderung der Grünen. „Wir haben in Ortkernnähe sonst keine großen Bebauungsflächen mehr“, erläutert Ratsmitglied Willi Schellen. Für die anerkannten Flüchtlinge müsse man ebenfalls Wohnraum schaffen. „Sie gehen zum Teil arbeiten, haben aber nicht das Geld, um sich eine teure Wohnung zu nehmen. Die Gemeinde ist dazu verpflichtet, Wohnraum zu schaffen – auch für finanziell schwächere Menschen“, ergänzt Arens.

Dort, wo derzeit noch das alte Feuerwehrgerätehaus steht, könnte ein Gebäudekomplex mit Vollsortimenter, Drogeriemarkt und Wohnungen entstehen. Die Grünen fordern bei solch einem Neubau 30 Prozent der Wohnungen als bezahlbaren Wohnraum auszuweisen. Als bezahlbarer Wohnraum gilt ein Quadratmeterpreis von sieben Euro. Nach dem aktuellen Mietspiegel kostet der Quadratmeter Wohnfläche in Alpen 9,21 Euro. Die Anwohner des Willy-Brandt-Platz-Areals haben aber ein ganz anderes Problem: Sie wollen vor ihrer Haustür keinen großen Gebäudekomplex.

Sehr zentral

„Uns ist es egal, ob die Klinker grau oder braun sind. Es ist die Höhe, die uns erschreckt und die zunehmende Lautstärke, die durch einen Supermarkt entsteht“, sagt Anwohner Stefan Krause. Nach dem jetzigen Bebauungsplan dürfte ein Neubau nur so hoch gebaut werden, wie die Feuerwehrwache derzeit ist.

„Für das was da aber geplant ist, wird der Bebauungsplan wohl geändert“, mutmaßt er. Elke Krause ist gegen den Abriss des Gerätehauses. „Das Gebäude könnte man retten und sicherlich noch sinnvoll nutzen“, sagt sie. „Und auch der Platz sollte erhalten bleiben. Er ist sehr zentral. Der Tanz in den Mai, das Schützenfest wird da gefeiert, die Bäume stehen da.“

Die Hoffnung einer Umnutzung nahm Nienhaus ihr schnell. „Eine Umnutzung ist aufgrund der Auflagen schwierig. Man müsste es quasi vollkommen sanieren und das wäre richtig kostenintensiv.“ Er ist sich sicher: Abriss und Neubau kommen. Jetzt müsse man versuchen, die Kriterien, wie gebaut werden soll, festzulegen.

„Wir haben die Möglichkeit Vorgaben im Bebauungsplan festzulegen, die der Investor dann berücksichtigen muss“, so Nienhaus. Ob sich die Mehrheit des Rates allerdings dafür ausspricht, die Bauhöhe nicht zu verändern, ist fraglich. Trotz unterschiedlicher Meinungen: Die Beteiligten waren sich nach dem zweistündigen Austausch einig. Dieses Gesprächsformat ist genau das richtige, um Bürger und Politik zueinander zu bringen.

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