Trauer

Xanten: Jana Hellekamps erstellt Erinnerungen zum Festhalten

Jana Hellekamps aus Xanten näht Stofftiere aus der Kleidung Verstorbener.

Jana Hellekamps aus Xanten näht Stofftiere aus der Kleidung Verstorbener.

Foto: Jasmin Ohneszeit

Xanten.   Jana Hellekamps näht aus persönlichen Kleidungsstücken Stofftiere für Trauernde. Die Anfragen kommen schon länger nicht mehr nur aus Xanten.

Mit langen Schlappohren und einem Lächeln im Gesicht sitzt der Hase in Jana Hellekamps’ Atelier. Daneben gesellen sich weitere Tiere: Elefanten, Kängurus, Affen. Auch sie lächeln. „Der Hase gehört zu den Lieblingstieren meiner Kunden. Es vergeht eigentlich keine Woche, in der ich ihn nicht anfertige“, erzählt Hellekamps. Der kleine Hase ist aber viel mehr als nur ein gewöhnliches Kuscheltier aus Baumwolle oder Plüsch. Die Xantenerin näht Stofftiere als Trostspender für Menschen, die einen Angehörigen verloren haben.

Die Tiere bestehen dabei aus Kleidungsstücken der Verstorbenen und der Hinterbliebenen. „Das Schwierigste in einem Trauerfall ist das Loslassen. Mit den Kuscheltieren wollte ich eine Erinnerung zum Begreifen schaffen“, sagt Hellekamps. Kuscheltiere aus Kleidung eignen sich dabei besonders gut: Sie symbolisieren die Verbindung und Vertrautheit zwischen den Menschen, unterbewusst sei der Geruch auch nach mehreren Wäschen noch wahrnehmbar.

Das erste Stofftier nähte sie für ihren Bruder Rocco, der nach dem Tod des Vaters in eine schwere Lebenskrise fiel. „,Hast du nicht noch etwas von Papa?’, fragte mich mein Bruder. Mir fiel ein, dass ich noch einen Pulli unseres Vaters und eine Hose habe, die wir als Kinder getragen haben. Daraus habe ich den ersten ,Roccofanten’ genäht.“ Der Elefant ist heute zu ihrem Markenzeichen und Namensgeber geworden. Hellekamps erkrankte in der Vergangenheit ebenfalls schwer. Die studierte Psychologin musste ihre eigene lerntherapeutische Praxis aufgeben. Seit knapp zwei Jahren näht sie hauptberuflich die Tröster aus Stoff. Dass sich daraus einmal ein Geschäftsmodell entwickelt, hatte sie selbst nicht gedacht. „Zunächst wollte ich nur Kuscheltiere für schöne Anlässe nähen, für Geburten oder Hochzeiten. Nach vier Wochen war aber der erste Trauerfall schon da. Heute sind 90 Prozent meiner Aufträge Trauerfälle.“

Die nächsten Kisten mit Kleidung und einigen Fotos von Verstorbenen, die auf die Tiere aufgenäht werden sollen, stehen schon im Regal der Xantenerin. Die vierfache Mutter ist also täglich mit dem Tod anderer Menschen konfrontiert. Häufig näht sie Stofftiere für Eltern, deren Kinder verstorben sind. „Die Schicksale ergreifen einen auch emotional, aber umso schöner ist es für mich, zu wissen, dass ich für den Trauernden eine Stütze sein kann und mit dem Kuscheltier helfe, eine Erinnerung zu geben.“

Einige Kunden hätten konkrete Vorstellungen, bei anderen ergebe sich im intensiven Gespräch, welches Stofftier am besten geeignet sei, so Hellekamps. Da sind es Eigenschaften, die den Verstorbenen ausgemacht haben, das Sternzeichen oder andere markante Dinge. Wer allerdings Schnittmuster und Schablonen sucht, wird diese im Atelier der Xantenerin nicht finden. Jedes Stofftier ist ganz individuell angefertigt und gleicht keinem Artgenossen. Vorlagen gibt es nicht. Für ein Tier benötigt sie ein bis zwei Tage. Dabei sind jeder Schnitt und jede Naht echte Handarbeit.

Jana Hellekamps‘ Kunden kommen nicht nur aus Xanten und der näheren Umgebung. Sie hat auch Aufträge aus Dänemark, Österreich und der Schweiz. Die bisher weiteste Anfrage kam aus Argentinien und auch die hat sie umgesetzt. Eine afrikanische Künstlerin ist mittlerweile ebenfalls im Besitz eines Trösters. „Sie nahm immer Kleidung ihrer verstorbenen Mutter mit und jetzt hat sie ein Stofftier statt der ganzen Anziehsachen im Gepäck“, weiß Hellekamps. Egal ob Hase oder Affe, kleines oder großes Stofftier, ein Detail darf bei keinem der Tröster fehlen: Jedem Kuscheltier näht Hellekamps am Schluss ein kleines rotes Herz auf. „Damit es auf seiner Reise symbolisch weiterleben kann“, sagt sie.

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