Natur

Xanten sucht nach einer Lösung für die Krähenplage

Auch dieser Baum am Europakreisel ist von Krähen besetzt.

Foto: möw

Auch dieser Baum am Europakreisel ist von Krähen besetzt. Foto: möw

Klaus Horstmann ist Fachdienstleister für Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei beim Kreis. Im Planungsausschuss mahnte er zu Geduld in Sachen Krähen.

Xanten. Lästig und penetrant gehören vermutlich noch zu den eher harmlosen Charakterisierungen, mit denen die Saatkrähen bedacht werden. Klaus Horstmann nennt sie auch schon mal ungeliebt, ja sogar „schwarze Teufel“. Aber er muss sie, so will es EU-Recht, schützen, denn Horstmann ist Fachdienstleister für Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei beim Kreis Wesel. In dieser Funktion behält er die Populationen im Auge, kennt auch die Klagen und Sorgen von Anwohnern in den Städten. Eine wichtige Erkenntnis aus den letzten Jahren: Trotz aller Furore, die die Vögel derzeit machen, ist der Bestand in Xanten nicht weiter angewachsen. Aber die Saatkrähen haben sich räumlich neu orientiert. Sie zieht es vornehmlich auf die Bäume der Innenstadt.

Die Kreise Wesel und Kleve gehören am Niederrhein zu den Regionen mit der stärksten Konzentration an Revieren für die Saatkrähen. Xanten weist mit Rheinberg und Wesel einen besonders hohen Bestand auf. Vor 40 Jahren, als sie noch gejagt werden durften, lag die Population NRW-weit unter 2000 Paaren, heute hat sich diese Zahl etwa versechsfacht. Immerhin hat ihre Zahl für Xanten in den letzten vier Jahren etwas abgenommen und ist von 583 auf 482 Brutpaare gesunken. Dass sie trotzdem heute verstärkt als Plage empfunden werden, liegt am Exodus der Vögel aus den Randgebieten in Richtung Innenstadt. 2014 waren es noch nicht einmal 50 Paare, heute sind es über 200. „Wir sind inzwischen auf einem sehr hohen Level“, sagte Horstmann im Planungsausschuss. Gründe für diese Entwicklung sieht er unter anderem im Fällen von Brutbäumen und einem schlechten Nahrungsangebot in den Ortschaften zum Beispiel in Form von Regenwürmern oder Kleintieren. Dagegen bieten sich in der Innenstadt jede Menge Quellen für Futter und an geeigneten Brutbäumen.

Grundsätzlich gibt es Lösungen, um der Plage Herr zu werden. Grundsätzlich. Aber schon auf mittelfristige Sicht kehrt der Vogel immer wieder zurück. Horstmann: „Bisherige Vergrämungsmaßnahmen in anderen Städten und Gemeinden hatten keinen nachhaltigen Erfolg.“ Im Gegenteil: Das Fällen von Brutbäumen führt nur dazu, dass sich die dort nistende Kolonie in kleinere Einheiten aufspaltet und sich auf anderen Bäumen in der Nähe niederlässt. Dann hätte sich die Situation nur verschlimmbessert. Daher kommt der Fachbereichsleiter zum Fazit: „Es gibt keine Pauschallösung.“ Eine Umsiedlung ist zudem teuer.

Ein erster Ansatz könnte sein, in den Außenbereichen keine Brutbäume zu fällen und die Vögel an unkritischen Standorten zu dulden. Die Nahrungssituation dort muss verbessert werden. „Der Prozess braucht seine Zeit“, warnt er vor Hoffnungen auf eine schnelle Änderung. Die Mitglieder des Planungsausschusses haben die Ausführungen des Fachdienstleiters zunächst einmal nur zur Kenntnis genommen. Der Technische Dezernent Niklas Franke warnte allerdings davor, einen Zusammenhang zwischen dem Fällen von Bäumen im Kurpark und dem verstärkten Auftreten von Saatkrähen in der Innenstadt herzustellen. In Lüttingen zum Beispiel sei der Bestand drastisch gesunken, obwohl dort keine Bäume gefällt worden seien.

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