Betrug

Xantener Familie verliert durch Wunderheiler Tausende Euros

Die Bushaltestelle an der Dr.-Cornelius-Scholten-Straße in Lüttingen: Hier fanden die Geldübergaben statt.

Foto: arfi

Die Bushaltestelle an der Dr.-Cornelius-Scholten-Straße in Lüttingen: Hier fanden die Geldübergaben statt. Foto: arfi

Xanten/Moers.   Die Familie hoffte, dass der Mann dem an Schizophrenie erkrankten Sohn helfen könnte. Doch statt zu helfen, erbeutete er einen Batzen Geld.

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Die Verzweiflung, die Ausweglosigkeit und der Schmerz müssen verdammt groß gewesen sein, anders ist diese Tat nicht zu erklären. Eine Familie aus Xanten ist Opfer eines Betrügers geworden. Sie hat ihm Zehntausende Euro, insgesamt 185 000, zum Teil überwiesen, zum Teil bar ausgehändigt, in der Hoffnung, dass dieser Mann, der sich als „Wunderheiler“ ausgegeben hat, dem an Schizophrenie erkrankten Sohn hilft. Auch Oberstaatsanwalt Günter Neifer sagt auf Anfrage unserer Redaktion: „Hier wurde nach dem letzten Strohhalm gegriffen.“

Öffentlich wurde die ganze Sache am Nachmittag des 16. März. Ein Freitag, an dem in der Nähe der Bäckerei Dams in Lüttingen ein Mann auf offener Straße festgenommen wurde.

Festnahme auf offener Straße

Eine filmreife Szene. Genauer gesagt keilten nach Zeugenaussagen Polizisten in Zivil mit zwei Autos einen Wagen auf der Dr.-Cornelius-Scholten-Straße ein. Danach zogen sie den Fahrer aus dem Auto heraus, legten ihm Handschellen an und durchsuchten den Kofferraum. „Ein Einzeltäter“, sagte damals die Polizei.

Heute ist bekannt: Es handelt sich um einen 31 Jahre alten Mann aus Limburg an der Lahn, der im Juni vor dem Amtsgericht in Moers wegen Beihilfe zum Betrug in fünf Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt wurde.

Mehrere Taten in NRW

Trotz mehrfacher Nachfragen unserer Redaktion hielt sich die Polizei im Kreis Wesel die ganze Zeit bedeckt. Staatsanwalt Neifer erklärt nun: „Der Mann steht im Verdacht, mehrere Taten in Nordrhein-Westfalen begangen zu haben, weitere Verfahren sind ihm anhängig.“

In Xanten hat er eine Familie nachweislich über mehrere Monate um viel Geld gebracht. „Drei Taten hat er gestanden, bei einer weiteren blieb es beim Versuch, sie wurde schließlich durch die Festnahme gestoppt“, sagt Neifer und ergänzt: „Sein Geständnis und eine Entschuldigung milderten das Strafmaß wohl ab. Das Gericht hat ihm geglaubt, dass ihm die ganze Sache leid tut. Zudem haben sieben Wochen U-Haft Eindruck geschunden.“

Im russischen Fernsehen gesehen

Das mag wohl sein. Der Familie, die 2017 auf den Mann im russischen Fernsehen aufmerksam wurde, hilft das wenig. Dort gab er sich als Wunderheiler aus.

„Die Zeugin wählte die angegebene Nummer. Daraufhin gab der Mann an, in einem ,psychologisch, magischen Zentrum’ zu arbeiten und Einfluss auf die Gesundheit ihres Sohnes nehmen zu können. Dafür müsse er nur ihre Stimme hören“, sagt Neifer.

Mehrmals Tausend Euro überwiesen

Zweifel an der Echtheit seiner Angaben hatte die Frau zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Im Gegenteil: Sie überwies mehrmals viele Tausend Euro an den Mann. An Weihnachten meldete sich dann ein anderer Mann bei ihr und erklärte, dass das mit den Überweisungen nicht mehr funktionieren würde. Fortan fanden die Geldübergaben an der Bushaltestelle gegenüber der Bäckerei Dams in Lüttingen statt.

Am 17. Januar händigte sie dem Mann, der 1986 in Aserbaidschan geboren wurde, im Alter von fünf Jahren nach Deutschland kam und hier als Amateur- und Profiboxer sein Geld verdient, 50 000 Euro aus. Am 26. Januar waren es 30 000 Euro. Und am 2. Februar noch einmal 85 000 Euro. Nach Angaben von Neifer handelte es sich dabei zuerst um Erspartes, später lieh sich die Familie Geld.

Frau wurde stutzig

Mitte März wurde die Frau stutzig: „Der Mann sagte ihr, sie erhalte 590 000 Euro, wenn sie vorab zehn Prozent der Summe an ihn zahlt. Daraufhin kontaktierte sie die Polizei“, so Neifer im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Ausgang ist bekannt.

Andrea Margraf, Pressesprecherin der Polizei im Kreis Wesel, nimmt diesen Vorfall noch einmal zum Anlass, um alle Bürger zu warnen: „Bei vermeintlichen Wunderheilern und falschen Polizisten ist immer äußerste Vorsicht geboten. Im Zweifel zuerst die Polizei anrufen.“

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