Umwelt

Zu viel Nitrat im Rheinberger Brunnenwasser

VSR-Gewässerschutz stellt eine hohe Nitratbelastung im Brunnenwasser in Rheinberg fest. Milan Toups (links) (Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst) und Harald Gülzow (Projektleiter) analysieren eine Brunnenwasserprobe im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz.

VSR-Gewässerschutz stellt eine hohe Nitratbelastung im Brunnenwasser in Rheinberg fest. Milan Toups (links) (Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst) und Harald Gülzow (Projektleiter) analysieren eine Brunnenwasserprobe im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz.

Foto: Gerhard Seybert, Medien & Presse Service / NRZ

Rheinberg.  Der Gewässerschutz hat das Grundwasser in Rheinberg untersucht. In jeder sechsten Probe wurde der Grenzwert deutlich überschritten.

So richtig überrascht ist Harald Gülzow über die Ergebnisse der Brunnenwasseruntersuchungen nicht. „Das ist eigentlich jedes Jahr so. Am Niederrhein sind hohe Nitratbelastungen leider ein normales Ergebnis“, erklärte der Pressesprecher des VSR-Gewässerschutzes. Ende August gaben viele Brunnenbesitzer am Informationsstand des Gewässerschutzes in Rheinberg ihre Proben ab – in der Hoffnung, dass ihr Brunnenwasser nicht von den Nitratbelastungen betroffen ist. Nun liegen die Ergebnisse vor. Fast jeder sechste Brunnenbesitzer musste erfahren, dass der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in seinem Brunnen überschritten ist.

Insgesamt wurde das Wasser von 31 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Rheinberg, Alpen und Moers analysiert. „50 Milligramm pro Liter ist schon der absolute Höchstwert, den die Weltgesundheitsorganisation zulässt. Zum Vergleich liegt der Grenzwert in Österreich bei 30 Milligramm pro Liter“, so der Experte.

116 Milligramm Nitrat pro Liter Brunnenwasser

Harald Gülzow, Projektleiter im VSR-Gewässerschutz und Milan Toups sowie Lennart Hoster, beide Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst, fanden bei den Untersuchungen in Rheinberg 116 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Eversael. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Menzelen mit 69 Milligramm pro Liter (mg/l), in Wallach mit 74 mg/l, in Ossenberg mit 97 mg/l, in Rheinberg (Ort) mit 91 mg/l und in Alpsray mit 59 mg/l fest.

Ein Grund für die hohen Belastungen ist die intensive Landwirtschaft, erklärte Gülzow. Diese hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter ausgebreitet. „Die bisherigen Düngeverordnungen ermöglichten der Agrarindustrie zu wachsen und ihre landwirtschaftlichen Flächen auf Kosten der Umwelt zu überdüngen.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Die umweltverträgliche Form der Landwirtschaft, zu der viele bäuerlichen Betriebe zählen, verschwinden dagegen immer mehr. Die Gewässerschutzorganisation rät Bürgern, bei ihrem Einkauf bewusst darauf zu achten, dass die Produkte von Landwirten stammen, welche die Nitratbelastungen und die Sorgen der Menschen in der Region ernst nehmen.

„Masse bedeutet in der Regel düngen“

„Wer einige Produkte wie Fleisch, günstig im Discounter kauft, muss davon ausgehen, dass der Produzent nur so günstig sein kann, weil er auf Masse setzt. Masse bedeutet in der Regel düngen und gegebenenfalls auch überdüngen“, sagte Harald Gülzow. Er fordert, dass die Düngeverordnung in Deutschland angepasst werde, damit die Nitratwerte gesenkt werden können.

Denn nicht nur im Lebensmittelbereich, auch im eigenen Garten wirken sich die Folgen aus. Das nitratbelastete Wasser ist nämlich nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen.

Weitere Infos zu Nitratbelastungen im Grundwasser gibt es auf der Homepage des VSR-Gewässerschutzes unter: www.vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung/nitratbelastung-im-grundwasser/

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