Heavy Metal

4000 Fans holen Band aus Indien zu 9-Wochen-Tour nach Europa

Sravan Chakravarthi, Noble John, Siri Sri und Shasank Venkat (von links) sind Against Evil. Sandra Küpper, Alexandra Christ und Katja Nix (hintere Reihe, von links) haben die Tour mitorganisiert und nehmen die Gruppe in Siegen in Empfang.

Sravan Chakravarthi, Noble John, Siri Sri und Shasank Venkat (von links) sind Against Evil. Sandra Küpper, Alexandra Christ und Katja Nix (hintere Reihe, von links) haben die Tour mitorganisiert und nehmen die Gruppe in Siegen in Empfang.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.  Against Evil , die Heavy-Metal-Band aus Indien, schaut schon mal in Siegen vorbei. Auch hier haben drei Fans am „Projekt Curry“ mitgearbeitet.

Zu erzählen ist die Geschichte, wie eine Facebook-Gruppe eine Idee hatte und Wirklichkeit werden lässt.

Das Märchen

Es waren einmal vier Jungs in Vizag. Das ist eine Hafenstadt mit 1,7 Millionen Einwohnern in Andhra Pradesh im Süden Indiens. Sind da groß geworden. Machen zusammen Musik. Rock. Heavy Metal. Shasank ist der einzige Vollzeitmusiker der Vier. Noble John ist Ingenieur. Siri Sri macht Filme. Und Sravan hat die Tankstelle seiner Eltern. „Against Evil“ heißt die Band, die sie 2014 gegründet haben. Shasank, heute 30, spielt Leadgitarre. Noble John, 25, sitzt am Schlagzeug. Siri Sri, 31, singt und spielt Bass. Sravan, 31, ist der andere Sänger an der Gitarre.

Und es war einmal ein virtueller Stammtisch. Rund 4000 Leute haben sich in der Facebook-Gruppe „Heavy Metal Fans“ gefunden. Drei von ihnen sind aus Siegen. Alexander Christ ist der einzige, der auch beruflich mit Metal(l) zu tun hat; er ist Zerspanungsmechaniker. Sandra Küpper ist stellvertretende Leiterin einer Discounterfiliale. Und Katja Nix macht im Dienst der städtischen Touristikinformation Gästen Siegen schmackhaft, gern auch im Kostüm der „Magda vom Oberen Schloss“.

Und auf einmal stehen Shasank, Noble John, Siri Sri und Sravan in Siegen vor der Tür. Das „Projekt Curry“ wird Wirklichkeit. Against Evil, 2016 vom Rolling Stone India als beste Newcomer-Metal-Band ausgezeichnet, hat Vizag auf die Landkarte der Welt gesetzt, schreibt „The Hindu“.

Die Idee

Einmal im Jahr hat die Facebook-Gruppe ihr Jahrestreffen. Einer von den 4000, berichtet Alexander Christ, „hat die Jungs vorgeschlagen“. Weil ein anderer aus der Gruppe, der Schweizer Produzent Oliver Rix, die neue Platte von Against Evil – es gibt sie natürlich auf Vinyl – bei seinen „Doc Gator Records“ herausgebracht hat. Aber die weite Reise für ein einziges Konzert, im „Crowded House“ in Oberhausen?

Der Plan

Die Leute aus der Facebook-Gruppe lassen ihre Kontakte zu ihren Clubs spielen. Heraus kommen 17 Auftritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die auf dem T-Shirt der Sentenced-to-Death-Tour aufgelistet sind. Vom 2. August in Burgkunstadt bis zum 20. September in Tennwil. Über Koblenz, Antwerpen, Marburg, Essen, Köln und Radfeld. Natürlich in Oberhausen: „Es gab 170 Tickets, und die sind ausverkauft“, sagt Katha Nix. Und, dank den drei Siegenern in der Fan-Gruppe, im Weidenauer Vortex, Am Freitag, 23. August. In der Band-Wohnung von Vortex-Betreiber Phil Bade machen sie gerade Station, auf der Durchreise Richtung Hamburg.

Die Ausführung

Das „Projekt Curry“ hat einen Vorlauf von acht Monaten gehabt. Außer dem Tour-Plan kostet der Neun-Wochen-Trip zunächst einmal Geld. Die Leute aus der Fan-Gruppe hauen raus, was sie haben: Platten, CDs, T-Shirts und sonstwas werden versteigert, erzählt Sandra Küpper. 6000 Euro kommen zusammen. „Das reichte für die Flüge und den Tourbus.“ Auch „Magda vom Oberen Schloss“ hat natürlich den Erlös von einem Auftritt beim Siegener Heavy-Metal-Stammtisch in die Kasse gegeben.

Mit dem Ford Tourneo werden die Musiker auf ihrer ersten Tour außerhalb Indiens einige tausend Kilometer zurücklegen. Übernachten müssen die vier auch. „Viele haben ihre Häuser und Gästebetten aufgemacht“, berichtet Katja Nix. Manchmal zahlt der örtliche Veranstalter die Jugendherberge, in Siegen gibt es auf der Rückreise noch eine Ferienwohnung.

Und dann war da noch die Bürokratie. Die Visa zu bekommen, berichtet Shasank, war noch ziemlich einfach. Aber dann mussten Daten über jeden Veranstalter beigebracht werden, Personalien, Passnummern und unterschriebene Einladungsschreiben. „Das hat Wochen gedauert“, erzählt Alexander Christ. Kommuniziert wurde über WhatsApp.

Das alles zu organisieren, sagt Katja Nix, „war sehr spannend und sehr aufreibend.“ Und Alexander Christ staunt immer noch ein bisschen: „Die Jungs verlassen sich ja auf einen.“ Auf 4000 Mitveranstalter, von denen die wenigsten sich persönlich kennen. „Das hat es noch nie gegeben.“ Stimmt, bestätigt Sravan, den das aber auch nicht wirklich wundert: Heavy Metal schaffe einfach auch eine Gemeinschaft, in der jeder den anderen unterstützt. Bei all dem, sagt auch Sandra Küpper, „sind neue Freundschaften entstanden.“

Die Band

„All Hail The King“ heißt die zweite Scheibe von Against Evil. Das klingt ein bisschen martialisch. Denn sie, die Gods of Metal, sind im Krieg. In Indien kommt so etwas nicht gut, Metal ist irgendwie Untergrund, weshalb sie sich zur Sicherheit ausdrücklich „Against Evil“ nennen.

So klingt Against Evil

Dabei machen sie doch nur, wie sie sagen, „Old School Heavy Metal with a Modern Sound“. Wollen zurückführen zu den „good old days of heavy metal“. Die sie selbst eigentlich noch gar nicht erlebt haben dürften. Aber wenn die Jungs in ihren Ritterrüstungs-Animationen, mit denen sie auf ihren Videos unterwegs sind, mit den Augen zwinkern könnten, dann täten sie das.

Die Ankunft

Jetzt sind sie hier. Ein bisschen „homesick“ seien sie nach ein paar Tagen schon gewesen, gibt Sravan zu. Das Essen. „Not enough spicy“, findet Siri Sri. Projekt Curry mit zu wenig Curry? Zumindest bei Sravan hat das Jägerschnitzel längst einiges wettgemacht.

Die Siegener Gastgeber sorgen dafür, dass die Musiker aus Indien außer den Clubs auch ein bisschen Deutschland kennen lernen. Zwischen Fragen und Antworten werden ein Ausflug zur Bigge, eine Stadtführung mit „Magda“ und ein Grillabend bei Mutter Nix klar gemacht. „Touring over Europe is really a dream come true for me“, schreibt Noble John auf seiner Facebookseite. Er freue sich, all die verrückten Leute kennenzulernen. Und den Esel aus dem Niederfischbacher Tierpark. Da waren sie nämlich inzwischen auch.

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