Debatte

„Campus Kreishaus“: CDU sieht neuen Verwaltungsbau kritisch

Der Neubau für die Kreisverwaltung soll neben dem Lyz (Bildmitte) im Bereich des dortigen Parkplatzes (rechts) entstehen.

Der Neubau für die Kreisverwaltung soll neben dem Lyz (Bildmitte) im Bereich des dortigen Parkplatzes (rechts) entstehen.

Foto: Hans Blossey

Siegen.  Die Diskussion um den Neubau eines Verwaltungsgebäudes neben dem Lyz ist noch lange nicht abgeschlossen. FDP will Bürger- und Aktionspark am Lyz.

Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung hat der Bauausschuss des Kreistags zwar dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes neben dem Lyz zugestimmt – abgeschlossen ist die Diskussion darüber aber noch lange nicht.

Einwände hat vor allem die CDU-Fraktion. Martin Achatzi (CDU) wies darauf hin, dass die Gemeindeprüfungsanstalt dem Kreis Siegen-Wittgenstein bescheinigt habe, so viele Büroflächen zu haben wie kein anderer südwestfälischer Landkreis – und unterstellte Landrat Andreas Müller ein Jahr vor der Kommunalwahl ein persönliches Motiv: „Was am längsten Spuren hinterlässt, ist Beton.“

„Neubau ist günstigste Lösung“

Kein Unternehmen halte in Zeiten von E-Government und Home-Office noch für jeden Mitarbeitenden einen eigenen Arbeitsplatz vor, sagte Dr. Martin Ferger (CDU). Dass die neuen Büroflächen außer für das Jugendamt für die Kfz-Zulassungsstelle bestimmt sind, kritisierte Achim Loos (CDU): „Ich muss mir immer noch einen halben Tag Urlaub nehmen, um ein Auto anzumelden – da gibt’s andere Möglichkeiten“, zum Beispiel dezentrale, ortsnahe Angebote.

Meike Menn (Grüne) stand zu dem Votum für Architektenwettbewerb und Neubau, das im projektbegleitenden Arbeitskreis noch einstimmig verabschiedet worden war: „Der Neubau ist die günstigste Lösung.“ Das wird auch in der Vorlage für den Kreistag vorgerechnet, wobei als entscheidender Preis nicht die Baukosten von 16 bis 17 Millionen Euro genannt werden, sondern der „saldierte Ressourcenverbrauch“ von rund 11 Millionen Euro – der Restwert bleibt nach 30 Jahren noch übrig, anders als bei dem Kauf einer gebrauchten Immobilie oder der Mietzahlung über denselben Zeitraum.

Home-Office deckt Bedarf nicht

Allerdings meldet die CDU auch an dieser Rechnung Zweifel an: Im Kreistag wird sie beantragen, dass das Rechnungsprüfungsamt sich um diese Bewertung der Wirtschaftlichkeit kümmert und auch den angemeldeten Flächenbedarf nachprüft.

Es sei „völlig utopisch“ zu glauben, dass der Bedarf an 80 Büroräumen durch Home-Office gedeckt werden könne, sagte Dezernent Henning Setzer, „ich verstehe nicht, warum jetzt die Kehrtwende der CDU-Fraktion kommt.“ Das, so Martin Achatzi, gehe ihn auch gar nichts an: „Ich glaube nicht, dass es der Verwaltung zusteht, politische Entscheidungen zu hinterfragen.“

FDP für Bürger- und Aktionspark Lyz

Guido Müller (FDP) will den Neubau mit einem zusätzlichen Angebot für das Lyz verbunden wissen. Den „Kulturpark Lyz“ beantragt die FDP im Kreistag: Zwischen Neubau und Lyz-Wintergarten könnte ein „Bürger- und Aktionspark“ für Open-Air-Programme und Gastronomie entstehen, zum Ausgleich könne dann auch das zuletzt durch den Arbeitskreis reduzierte Parkhaus wieder größer geplant werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Die FDP gebe der Süd-Variante Richtung Leimbachstraße den Vorzug, wolle aber auch die Nord-Variante zwischen St. Johann- und Koblenzer Straße nicht ausschließen.

Dort stand bis zur großen Kreishaussanierung der Seitenflügel des Kreishauses. Dass der damals eingesetzte baubegleitende Ausschuss „diese kahle Fläche“ geschaffen habe, spreche nicht für die Fachkunde des Gremiums, sagte Müller. Der Abriss des Seitenflügels sei eine „total falsche Entscheidung“ gewesen, räumte Michael Sittler (SPD) ein. Was aber an dem Votum seiner Fraktion für den Neubau nichts ändert: „Es spricht nichts dagegen, grünes Licht zu geben.“

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