Coronavirus

Corona in Siegen: Foodsharing springt für Tafel ein

Yannick Bollmann und das restliche Team von Foodsharing Siegen wollen das Engagement wegen des Coronavirus verstärken.

Yannick Bollmann und das restliche Team von Foodsharing Siegen wollen das Engagement wegen des Coronavirus verstärken.

Foto: Yannick Bollmann

Siegen.  Weil Tafeln wegen Corona schließen müssen, will Foodsharing Siegen einen Teil der Versorgung übernehmen. Wie die Initiative das schaffen will.

Lebensmittel retten und verteilen, bevor sie im Abfall landen: Das ist das Prinzip der Initiative Foodsharing Siegen. In der aktuellen Situation möchte die Bewegung ihr ehrenamtliches Engagement ausweiten: Da wegen des Coronavirus die Siegener Tafel schließen musste, ist die Versorgung von Bedürftigen mit Lebensmittel eingestellt. Yannick Bollmann, Mitglied der Initiative, könnte sich vorstellen, dass Foodsharing zumindest einen Teil der Versorgung übernimmt.

„Wir verstehen uns als die letzte Hand, bevor Essen in der Tonne landet“, erklärt er, „Das ändert sich gerade ein bisschen, weil wir anfangen, übergangsweise den Platz der Tafel einzunehmen.“

Welche Hilfe bietet Foodsharing an?

Der „immense Beitrag“, den die Tafeln leisten, könne nicht komplett von Foodsharing aufgefangen werden. „Grundsätzlich hat Foodsharing keinen caritativen Anspruch. Uns geht es nicht um Bedürftigkeit, sondern darum, dass die Lebensmittel im Ressourcenkreislauf gehalten werden“, sagt Yannick Bollmann. Den Mitgliedern der Bewegung sei jedoch bewusst, dass Menschen, die auf Nahrung angewiesen sind, in der aktuellen Situation Vorrang hätten.

Foodsharing Siegen: Supermärkte und Bäckereien geben Lebensmittel

In den Abläufen der Initiative hat sich wegen des Virus nicht viel geändert. In Siegen kooperiert die Bewegung mit 29 Betrieben wie Supermärkten, Gemüsehändlern und Bäckereien, aber auch Restaurants und die Mensen der Uni überlassen den Foodsavern noch genießbares, aber nicht mehr verkäufliches Essen. Allein am Montag hat Yannick Bollmann zum Beispiel mehr als 40 Kilogramm Lebensmittel von lokalen Supermärkten abgeholt.

Wie wird das Essen verteilt?

Aktuell werde das meiste über „Peer-to-Peer-Abholungen“ geregelt, erklärt Yannick Bollmann. Das heißt, die Lebensmittel werden vom Betrieb mit dem Auto von einem Foodsaver abgeholt, der diese dann zu sich nach Hause bringt. Dann können sie vom Haus des Mitglieds abgeholt werden. Eine öffentliche Ausgabestelle gibt es derzeit nicht. Für Menschen, die nur eingeschränkt mobil sind, hat Yannick Bollmann selbst schon gerettete Lebensmittel mit dem Auto geliefert – das müsse jedoch von Fall zu Fall geklärt werden.

Foodsharing Siegen: Wer auf Tafel angewiesen ist, hat Vorrang

Bei der Verteilung gilt: „Grundsätzlich ist die Faustregel, dass der Foodsaver, der die Lebensmittel abholt, die Entscheidungshoheit hat, wie er sie verteilt.“ Das heißt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. „Wenn sich jemand bei mir meldet und sagt, dass er eigentlich zur Tafel geht und derzeit keine andere Möglichkeit hat, dann gebe ich ihm den Vorzug“, so Yannick Bollmann.

Wie kann ich Foodsharing kontaktieren?

Regulär kommuniziert die Foodsharing-Gemeinschaft über die Plattform foodsharing.de. Die Registrierung ist kostenlos. In Siegen gibt es dazu noch einen Chat im Messenger-Dienst Telegram. Öffentlichkeitsarbeit macht die Initiative über ihre Facebook-Seite.

Außerdem befindet sich die Initiative derzeit in einer Vernetzungsphase mit anderen Hilfsangeboten: mit SoLina, dem Café Patchwork, der Caritas und dem Meldekopf vom DRK, der das Netzwerk #SiWihilft des Kreises Siegen-Wittgenstein verantwortet, hat Yannick Bollmann schon Kontakt aufgenommen. „Viele Strukturen bilden sich gerade erst heraus: Wer kann was leisten, wie können wir die Kräfte bündeln, und wie erreichen wir die Menschen?“

Welche Vorschriften gibt es?

Bei der Abholung und dem Verteilen von Lebensmitteln halten sich die Foodsaver an die Hygienrichtlinien des Robert-Koch-Instituts: persönlicher Kontakt soll reduziert, die Hände sollen häufig gewaschen oder Handschuhe getragen werden.

Bei den Lebensmittel gilt in der Regel der sogenannte Auge-Nase-Mund-Test: „Zuerst gucke ich mir die Lebensmittel an. Bin ich mir dann noch unsicher, rieche ich an ihnen. Wenn die Sachen geöffnet sind, kann ich auch ein Stück probieren“, erklärt Yannick Bollmann. Bei verderblichen Lebensmitteln muss die Kühlkette eingehalten werden. „Grundsätzlich ist die Kühlkette juristisch gewahrt, wenn ich Lebensmittel vom Betrieb abhole und sie danach sofort in meinen Kühlschrank packe.“

Foodsaver haften selbst für die Lebensmittel, die sie weitergeben, die Haftung der Betriebe erlischt im Moment der Übergabe. Registriert man sich als Foodsaver, tritt man dem bundesweiten Dachverband Foodsharing bei. Kleidung, Kosmetika oder Spielsachen können nicht über die Plattform ausgetauscht werden.

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