Kommentar

Eigenwirtschaftlicher Nahverkehr: Eine politische Lebenslüge

Steffen Schwab.

Steffen Schwab.

Foto: Sascha Kertzscher

Siegen-Wittgenstein.  Keiner in Siegen-Wittgenstein braucht ein Familienticket – Verbindungen werden mit weniger Geld eher schlechter als besser, meint Steffen Schwab

Nach dem Job-, Semester-, Sozial-, Schüler-, Azubiticket ein Familienticket, um den Verkehrsbetrieben unter die Arme zu greifen? Der Kreis könnte die vier Millionen Euro auch ohne Gegenleistung überweisen. Könnte – wenn dann nicht die politische Lebenslüge vom „eigenwirtschaftlichen“ Nahverkehr allzu offensichtlich würde.

Niemand braucht das Familienticket, das sich die CDU-Fraktion im Kreis Olpe ausgedacht hat – ausgerechnet da, wo der öffentliche Nahverkehr, zugespitzt formuliert, im Wesentlichen aus Schulbusfahrten und Taxibussen besteht. Die neue Segnung soll Erziehungsberechtigten und ihren schulpflichtigen Kindern zugute kommen. Letztere haben das Schülerticket längst.

Lange mit dieser Nebelkerze aufhalten lohnt nicht

Bleiben die Erwachsenen, die aber alle ihre eigene Lösung für die täglichen Wege gefunden haben. Entweder als Kunden des Nahverkehrs, die dann eben demnächst keine teuren Monatskarten mehr kaufen. Oder als Autofahrer. Ob die dann umsteigen? Klar – wenn das Angebot an Verbindungen stimmt. Aber das wird mit wachsendem Defizit, das an der öffentlichen Hand hängen bleibt, eher schlechter als besser.

Es lohnt nicht, sich mit dieser Nebelkerze lange aufzuhalten. Mit einem 365-Euro-Jahresticket für alle wäre der Subventionsdschungel gelichtet, der gedankliche Raum frei für das, was wirklich gebraucht wird: klimafreundlicher öffentlicher Nahverkehr, der viel Geld kosten wird. Die vier Millionen sind da allenfalls eine Anzahlung.

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