Software

„Ilovetax“: Steuer-App für die Generation Smartphone

Die Entwickler haben die App auf typische Smartphone-Situationen abgestimmt: Man kann zwischendurch, in Pausen, auf dem Sofa, beim Warten auf den Bus, an der Steuererklärung arbeiten.

Die Entwickler haben die App auf typische Smartphone-Situationen abgestimmt: Man kann zwischendurch, in Pausen, auf dem Sofa, beim Warten auf den Bus, an der Steuererklärung arbeiten.

Foto: SJ Hauk/Buhl Data Service

Neunkirchen.   Steuererklärung in 20 Minuten: Buhl Data Service (Wiso Steuer-Sparbuch) mit Sitz in Neunkirchen entwickelt App vor allem für jüngere Nutzer.

Was könnte lästiger, uncooler, zeitraubender sein als die Steuererklärung? Vordrucke, Formulare, Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung laut Nr. 25 Lohnsteuerbescheinigung – ätzend. Das Neunkirchener Softwareunternehmen Buhl Data Service (Wiso Steuer-Sparbuch) hat die App „Ilovetax“ für die Generation Smartphone auf den Markt gebracht: „Für viele junge Menschen ist das Thema Steuern negativ behaftet“, sagt Pressesprecher Thomas Matena, „sie scheuen den Papierkram oder haben Angst, etwas falsch zu machen. Dabei lohnt es sich. Meistens.“

Der Ansatz

Die Generation Smartphone hat das Handy immer dabei, erledigt alles damit, „darum dreht sich alles“, sagt Dierk Demelt, Marketing Manager Mobile Apps bei Buhl. Arbeiten die Menschen in zehn Jahren immer noch mit Produkten, die für Desktop-Rechner konzipiert sind? Eine strategische Frage für Buhl. Auch wenn eine Steuererklärung „so sexy ist wie der nächste Zahnarztbesuch“ (Matena), möchte Buhl den Nutzern, die Leben und Alltag mit dem Smartphone gestalten, Antworten auf Fragen des Lebens quasi in der Tasche haben, das Thema interessant machen.

Die Entwicklung

Eine Steuererklärung ist nicht einfach: Man muss die Daten aggregieren und an der richtigen Stelle einbringen – und die Software muss das verarbeiten. Die Berechnungen dahinter seien ziemlich komplex, sagt Matena. Immerhin müssen alle möglichen Lebenskonstellationen erfasst und korrekt ausgewertet werden. Für die Steuererklärung nimmt man sich ein paar Stunden Zeit und beginnt am Schreibtisch, Formulare auszufüllen.

Die übliche Smartphone-Nutzung unterscheidet sich davon gravierend: Sie ist kürzer und findet in anderen Kontexten statt; auf dem Sofa, an der Bushaltestelle, eher nebenbei. Für die Entwicklung von „Ilovetax“ stellte Buhl ein eigenes Team auf, das einen völlig neuen Ansatz finden sollte; mehr als das „Steuer-Sparbuch“ aufs Smartphone herunterzubrechen. Wert wurde auch auf eine passende, flapsige Sprache gelegt. „Das kann auch schnell nach hinten losgehen“, sagt Matena grinsend, man lege großen Wert auf Kundenfeedback, Anregungen und Verbesserungstipps.

Die Funktionsweise

Die Steuererklärung wurde in verdauliche Häppchen aufgeteilt, erklärt Matena, man kann die Level „durchspielen“, wenn Zeit dazu ist: Persönliche Daten, Familie, Beruf. „Das sind keine trockenen Fragen, wir möchten die Nutzer verständlich durch die Steuerwelt begleiten“, sagt Dierk Demelt. „Wo stehst Du auf der Karriereleiter?“ ist so eine Frage. Wer „Angestellter“ auswählt, dem wird ein Haufen Fragen nicht mehr gestellt. „Eine gesprächsartige Atmosphäre“, sagt Dierk Demelt: Im Bereich Fortbildung etwa: „Was hast Du gemacht?“ – „YouTube und so“. Letzteres hat keine tiefere Funktion, dient aber der Beziehungspflege. „Wann hast Du Geburtstag?“ statt Zahlen anklicken, „nicht eintippen, sondern touch und swipe“, so Demelt.

Über den „Steuer-Abruf“ von Buhl können die vom Arbeitgeber hinterlegten Daten vom Finanzamt heruntergeladen werden, das Abtippen von der Lohnsteuerbescheinigung entfällt. Alles, was eingegeben werden muss, ist die Steuer-ID und das auch nur beim allerersten Mal. Die Live-Berechnung der Erstattungssumme ist jederzeit im Display zu sehen, „als Motivation“, sagt Matena.

Wer Häuser vermietet und Aktienpakete hat, für den ist „Ilovetax“ eher nichts, der Funktionsumfang ist im Vergleich zu Desktop-Anwendungen begrenzt. Dafür dauert es nicht lange: „Man kann locker in 20 Minuten durch sein“, sagt Demelt. „Sexy wird das Thema dadurch nicht – aber man kann Spaß daran entwickeln, dass man am Ende etwas geschafft hat“, meint Matena.

Das Geschäftsmodell

Die App kann kostenlos im Android-Playstore und im Apple-Store heruntergeladen werden. „Man kann alles eingeben und sich ausrechnen lassen“, so Matena – der digitale Versand ist dann kostenpflichtig. Als In-App-Kauf werden für die Übermittlung ans zuständige Finanzamt knapp 15 Euro fällig. Bald soll das auch komplett digital über ein Buhl-Zertifikat möglich sein, aber bis es so weit ist, muss die Steuererklärung noch einmal zusätzlich ausgedruckt, unterschrieben und per Post mit einem Entschlüsselungscode für den Sachbearbeiter an die Behörde geschickt werden.

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