Nahverkehr

In Neunkirchen fahren seit 15 Jahren Bürger für Bürger

Wohin führt die nächste Fahrt? Klaus Schneider, eines der Gründungsmitglieder des Bürgerbus-Vereins checkt den Fahrplan.

Wohin führt die nächste Fahrt? Klaus Schneider, eines der Gründungsmitglieder des Bürgerbus-Vereins checkt den Fahrplan.

Foto: Gemeinde Neunkirchen

Neunkirchen.  Aus den Ortsteilen in die Ortsmitte und zu den Einkaufszentren: 15.000 Fahrgäste hat der Neunkirchener Bürgerbus jährlich.

Bürger fahren für Bürger. So lautet das Motto des Bürgerbusses Neunkirchen. Seit 15 Jahren rollt der Achtsitzer durch Neunkirchen. Und das sehr erfolgreich. Von 5539 Personen im ersten Jahr konnte die Zahl der Fahrgäste im Laufe der Zeit auf rund 15.000 pro Jahr gesteigert werden.

Das Konzept

Am Steuer sitzt – von morgens 7.45 Uhr bis abends um kurz nach 18 Uhr – einer von derzeit 30 ehrenamtlichen Fahrerinnen oder Fahrern. Sie alle sind im Besitz eines gültigen Personenbeförderungsscheins. Mitfahren kann jeder: Kinder und Jugendliche, die vom Ortszentrum nach Hause fahren, Erwachsene, die ihre Einkäufe transportieren oder Senioren, die zum Arzt fahren möchten.

Der Bürgerbus folgt einem festen Fahrplan. „Er hat sich im Laufe der Jahre herauskristallisiert und orientiert sich an den Bedarfen der Bevölkerung“, sagt Hans-Jürgen Schneider, Vorsitzender des Bürgerbus-Vereins. „Um alle Ortsteile abzudecken gibt es einen Rundfahrplan, der von allen Haltestellen aus immer die Ortsmitte, die Einkaufszentren und das Postamt zum Umstieg in die weiterführenden Busse erreicht.“

Hans-Jürgen Schneider weist auch darauf hin, dass der Bürgerbus ein eigenwirtschaftlicher Betrieb und kein Bus der Gemeinde Neunkirchen sei. „Wir funktionieren komplett ehrenamtlich, werden aber wie ein Verkehrsunternehmen behandelt.“Die Anschaffung des Fahrzeugs und entstehende Kosten werden durch eine Pauschale des Landes NRW gefördert.

Die Fahrgäste

Das Gros der Fahrgäste setzt sich aus Menschen zusammen, die keinen Führerschein besitzen oder Personen aus einem Haushalt mit nur einem Fahrzeug. Da ist zum Beispiel das Ehepaar aus dem Altenheim. Aufgrund einer starken Gehbehinderung kann der Mann kein Auto mehr fahren. Seine Frau hat nie den Führerschein gemacht. „Mit dem Bürgerbus bleiben wir mobil und können zum Physiotherapeuten, zum Arzt und zum Einkaufen fahren.“ Der Mann ist auf einen Rollator angewiesen, der im Bürgerbus problemlos transportiert werden kann.

Edith Edelmann ist ein bis zwei Mal die Woche im Bürgerbus unterwegs, zum Beispiel, um zur Seniorenrunde nach Neunkirchen zu fahren. Edith Edelmann wohnt in unmittelbarer Nähe zu einer Bushaltestelle. Dort halten auch die normalen Linienbusse. Doch die Zeppenfelderin zieht den Bürgerbus vor: „Den Linienbus lasse ich immer durchfahren, im Bürgerbus ist es einfach persönlicher.“

Die Fahrer

Das bestätigt auch Klaus Schneider. Er ist Gründungsmitglied im Bürgerbus-Verein und sitzt seit 15 Jahren etwa zwei Mal pro Monat hinter dem Steuer. „Es kommt immer wieder vor, dass sich im Bus angeregte Gespräche entwickeln.“ Zu größeren Problemen sei es noch nie gekommen. „Manchmal beschweren sich die zusteigenden Personen über eine Verspätung. Aber Verzögerungen lassen sich nicht vermeiden. Wir haben den Verkehr nicht gemacht.“

Um den Fahrbetrieb zuverlässig aufrecht zu erhalten, sind neue Fahrer immer gern gesehen. Kosten für die Erteilung eines Personenbeförderungsscheins werden vom Verein übernommen – ebenso die Knöllchen, falls es einmal dazu kommt. Einen konkreten Winsch haben Fahrerinnen und Fahrer auch: „Sollte an einer Haltestelle jemand sitzen, der nicht mit dem Bürgerbus fährt, möge er den Bürgerbus doch kurz durchwinken. Das spart dem Wagenlenker viel Zeit.“

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