Demonstration

Kundgebung: Marsch zieht schwarz und schweigend durch Siegen

Mit der Anmeldung erhält jeder offizielle Teilnehmer einen speziellen Schirm zur Veranstaltung. Auch Passanten können spontan mitlaufen.

Mit der Anmeldung erhält jeder offizielle Teilnehmer einen speziellen Schirm zur Veranstaltung. Auch Passanten können spontan mitlaufen.

Foto: Michael Kunz

Siegen.  „Walk for Freedom“ in der Siegener Innenstadt will ein Zeichen setzen gegen moderne Sklaverei, Zwangsprostitution und Menschenhandel.

Es ist ein seltsamer Zug, der sich da am Samstagmittag, 19. Oktober, durch die Siegener Innenstadt bewegt. Rund 100 Frauen und Männer, die ersteren sind eindeutig in der Überzahl, laufen im Gänsemarsch vom Scheiner-Platz über den Bahnhof Richtung Kornmarkt, kehren nach einer guten Stunde wieder an den Ausgangspunkt zurück.

Es gibt keine Fahnen und keine Trommlergruppe, wie etwa bei den Gewerkschaftlern am 1. Mai. Es werden auch keine Slogans gerufen, die Teilnehmer haben im Gegenteil die Münder sichtbar verschlossen. Ein Schweigemarsch soll er sein, dieser zweite Siegener „Walk Of Freedom“, der gleichzeitig in fast 30 weiteren deutschen Städten ähnlich durchgeführt wird, und dazu noch in vielen anderen Ländern der Welt.

Schwarze Kleidung, schwarze Schirme

Aufstehen und Zeichen setzen gegen Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution, darum geht es den Initiatorinnen Mirjam Brodbeck und Nicole Granitza. Letztere bedankt sich zum Auftakt bei allen, die sich die Zeit genommen und vor allem „den Mut gefunden haben“, an einem Samstag mitten in den Ferien an der Aktion teilzunehmen.

91 Personen haben sich angemeldet und ein Ticket gekauft, das für jeden offiziellen Teilnehmer unter anderem auch einen speziellen „Walk Of Freedom“-Schirm vorsieht, der an diesem 19. Oktober nicht nur auffällt, sondern im herbstlichen Siegener Regen auch ganz praktische Dienste leistet. Er ist so schwarz, wie die erbetene Kleidung der Demonstranten, die damit ihre Betroffenheit über die vielen Opfer von Ausbeutung und moderner Sklaverei zum Ausdruck bringen sollen und wollen.

Schutzhäuser in vielen Ländern

Nicole Granitza sagt einige Worte über die weitweit agierende Organisation A21, die von einem australischen Ehepaar gegründet worden sei, in vielen Ländern Büros und auch Schutzhäuser betreibe. Sie erzählt von einem Urlaub mit ihren Eltern, bei dem sie selbst mit jungen Frauen konfrontiert war, die ihre Körper offenbar zwangsweise verkaufen mussten, „nicht viel älter als ich“. Für Granitza der Anstoß, aktiv zu werden. Und sie erzählt die Geschichte von vier Menschen, die nach jahrelangem Leiden inzwischen ein normales Leben führen können. Leiden, das auch in Deutschland durch Unterdrückung und Ausbeutung erzeugt worden sei.

Dann geht es los, unter den dunklen Schirmen, mit verklebten Mündern. Der Schweigemarsch wird ernst genommen, niemand soll auf Passanten reagieren. Dafür gibt es „Verteiler“, die neben der schwarzen Menschenschlange laufen, kleine Infozettel verteilen und auch Auskünfte geben. Groß ist das Interesse allerdings nicht. Theoretisch können auch Personen mitlaufen, die nicht vorher angemeldet waren, auch ganz spontan aus den Reihen der Passanten. Da gibt es aber wenig Interesse. Ein Mann will wissen, um was es geht. „Ich dachte schon, es ginge jetzt mit Türken und Kurden los“, sagt er nach der Auskunft und wendet sich schmunzelnd ab.

Aktivistin: „Von Jahr zu Jahr mehr“

Während der Ansprache Nicole Granitzas eilen Männer und Frauen jeden Alters zwischen Apollo und Sparkasse vorbei. Stehen bleibt keiner. „Die haben alle zuviel Zeit“, sagt eine Frau zu einer Begleiterin nach Gewahrwerden der Demo, die abwechselnd nickt und mit dem Kopf schüttelt.

Vor einem Jahr seien auch rund 100 Teilnehmer dabei gewesen, „das wird von Jahr zu Jahr mehr“, erzählt eine junge Aktivistin mit dem Aufkleber „Presse“ auf dem Pulli, die namentlich aber nicht genannt werden möchte. Sie sei erstmals vor ein paar Jahren in Köln und dann auch in Düsseldorf mitgelaufen, wo es den „Walk“ schon einige Jahre gebe und er immer weiter gewachsen sei. Viele, die auf der Straße aufmerksam würden, „laufen dann im nächsten Jahr auch mit“.

Das muss sich in Siegen wohl erst noch ein wenig entwickeln.

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