Archäologie

Monument für die Montanregion Siegerland: der Gerhardsseifen

Die Metall-Optik greift die Geschichte der Fundstätte auf. Besucher können von zwei Seiten die überdachte eisenzeitliche Verhüttungsstätte betrachten

Die Metall-Optik greift die Geschichte der Fundstätte auf. Besucher können von zwei Seiten die überdachte eisenzeitliche Verhüttungsstätte betrachten

Foto: Jürgen Schade

Niederschelden.  Nach wenigen Monaten kann beim Schutzbau über dem eisenzeitlichen Verhüttungsplatz in Siegen Richtfest gefeiert werden.

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Gerade mal vier Monate hat es gedauert, um einem Zeugnis von mehr als 2000 Jahren Technologie-Geschichte ein dauerhaft sicheres Domizil zu geben. Am Schutzbau der Ausgrabungsstätte „Gerhardsseifen“, die zur Keltenzeit und im Mittelalter ein Verhüttungsplatz und im 17. Jahrhundert Wirkungsstätte eines Köhlers war, war am Donnerstag Richtfest. In Kürze sollen nun die Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten im Inneren beginnen, wie Stadtrat Arne Fries in Vertretung des kurzfristig erkrankten Bürgermeisters erläuterte.

Der Ort am Fuß des Dreiborntals ist ohnehin ungewöhnlich – und wird es durch den Schutzbau noch mehr. Unmittelbar an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz präsentierten Archäologen Anfang April die aufsehenerregenden Ergebnisse der Ausgrabungen, bereits Ende Mai fand der Spatenstich für Schutzbau und Außenanlage statt.

Tiefbauarbeiten in schwerem Gelände

Nach vier Monaten Bauzeit liegt das Projekt „absolut im Zeitplan“, so Fries – und auch im Kostenrahmen. „Sicherlich auch ein Ergebnis der guten Vorplanung und Kostenermittlung“, so der Stadtrat. Mitte 2020 soll der Schutzbau seiner Bestimmung übergeben werden. Die Baukosten liegen bei insgesamt rund 370.000 Euro, inklusive der fachgerechten, archäologischen Ausgrabung.

Die geländemäßig schwierigen Tiefbau- und Fundamentarbeiten sind abgeschlossen, der Schutzbau errichtet. Sobald die Anlage im Inneren fertig präpariert ist, sollen hier nicht nur Touristen künftig die Spuren der keltenzeitlichen Stahlherstellung und die frühe Montanlandschaft Siegerland betrachten können.

Imagegewinn für Stadt und Region

Das Projekt bedeute zwar „einen erheblichen Imagegewinn für die Stadt Siegen und den Kreis Siegen-Wittgenstein als touristische Attraktion“, sagte Fries. Die Fundstätte soll aber darüber hinaus auch ein außerschulischer Lernort werden. Hier liege schließlich eine jahrtausendelange Tradition der Industrieregion Südwestfalen begründet.

Architektonisch soll der neue Schutzbau eine moderne, funktionale Ästhetik mit dem Thema Metall verbinden und auf die archäologischen Spuren der keltenzeitlichen Stahlherstellung Bezug nehmen. Neben zahlreichen Förderern und Sponsoren sei ohne Zweifel die großzügige Förderung der NRW-Stiftung über 150.000 Euro entscheidend gewesen.

Beispielgebendes Engagement

Fries lobte zudem das große ehrenamtliche Engagement des Trägervereins, der beteiligten Heimatvereine auf beiden Seiten der Landesgrenze sowie der Waldgenossenschaft Niederschelden. Der Trägerverein „Ein Siegerländer Tal“ ist ein Zusammenschluss von sechs Heimatvereinen, der Stadt Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein, „es zeigt sich auch an diesem Beispiel wieder sehr eindrucksvoll die Bedeutung der ehrenamtlichen Aktivität für unsere Gesellschaft“, hob Arne Fries hervor.

Nicht zuletzt deshalb hätten Stadt und Kreis eine finanzielle Beteiligung über jeweils 60.000 Euro zugesagt. Außerdem unterstützt die Kommune das Projekt bei der weiterem Umsetzung in Form von Planungsarbeiten, Baugenehmigungsverfahren und bei der baulichen Umsetzung.

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