Ausstellung

Netphen von oben: Eine Zeitreise über 50 Jahre

Mehr Veränderung als gedacht: Auch Dreis-Tiefenbachs Ortsbürgermeister Reinhard Kämpfer (links) und der Werthenbacher Stadtverordnete Heinz Groos studieren die alten und neuen Karten.

Mehr Veränderung als gedacht: Auch Dreis-Tiefenbachs Ortsbürgermeister Reinhard Kämpfer (links) und der Werthenbacher Stadtverordnete Heinz Groos studieren die alten und neuen Karten.

Foto: Steffen Schwab

Netphen.  Luftbilder aller Netphener Stadtteile sind im Rathaus zu besichtigen: jeweils eins von 1967 und eins von 2016.. Es hat sich viel verändert. 

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Ein Blick genügt, um die Erinnerungen sprudeln zu lassen. „Da bin ich geboren“, sagt Alexandra Wunderlich und deutet auf ein Haus auf dem Luftbild von Salchendorf. Die heutige CDU-Fraktionsvorsitzende ist, wie sie sagt, „Baujahr 1969“. Und damit so jung oder alt wie die „Großgemeinde Netphen“, die vor 50 Jahren aus den selbstständigen Gemeinden des Amtes Netphen hervorging.

Der Ausstellungsort

Das Jubiläum ist Anlass für die Ausstellung von Luftbildern, die Bürgermeister Paul Wagener jetzt im kleinen Sitzungssaal des Rathauses eröffnet hat. Dieser Schauplatz, sagt Wagener, eignet sich für Erinnerungen „ausgezeichnet“. Nicht nur wegen der Wände, die Platz bieten für 42 Luftbilder von 21 Ortsteilen – jeweils Paare der Befliegungen von 2016 und 1967. Sondern auch, weil das der Ratssaal war, den sich die junge Gemeinde in den 1970er Jahren mit dem Neubau in der Amtsstraße leistete.

Hier sind die Entscheidungen gefallen, die die Stadt nachhaltiger verändert haben, als so mancher der Betrachter zuerst denkt: Denn viele von den Ratsmitgliedern, die jetzt die Ausstellung zur Eröffnung besuchen, haben in diesem Raum Punkt für Punkt mit abgestimmt. „Und du“, wendet sich der Bürgermeister an UWG-Fraktionschef Helmut Buttler, „hast alle Planungen begleitet.“ Tatsächlich: Buttler, gerade erst für 50 Jahre Kommunalpolitik ausgezeichnet, ist so lange im Geschäft wie es die Gemeinde und Stadt in ihren heutigen Grenzen gibt.

Die Veränderungen

„Der Heckersberg ist noch gar nicht da“, stellt UWG-Stadtverordneter Erhard Braas beim Blick auf die Schwarz-Weiß-Aufnahme von Dreis-Tiefenbach fest. Doch nicht nur von der Reichspfad-Siedlung war 1967 noch keine Spur. Es gab noch nicht einmal eine Straße dorthin. Bergauf führt allein der Fehlingsweg, auf der heutigen Kreisstraße die Dautenbach hinauf verläuft nur ein Feldweg. Auch der Dreisbacher Berg ist über der Kirche noch unbebaut, die heutige Breitenrathsiedlung besteht aus Äckern und Feldern, an der Industriestraße steht so gut wie keine Industrie, die Siegstraße ist noch keine Schneise, die den Ort zerschneidet, und Dreisbach und Tiefenbach sind noch getrennt von­einander wahrnehmbar

In den anderen Ortsteilen sieht es ähnlich aus: In Deuz sind die Hänge noch frei, in Netphen ist noch keine Spur von den Siedlungen Im Nassen und Rosenwäldchen, die erst in den 1980er Jahren und später entstanden sind. Manche kleineren Ortsteile hatten ihren Wachstumsschub schon früher, Grissenbach zum Beispiel: Um die 430 Einwohner habe das Dorf in den 1960ern noch gezählt, berichtet Ortsbürgermeisterin Annette Scholl (SPD). „Die Zahl hat sich bis in die 1970er Jahre verdoppelt“ – auch heute sind es noch 780.

Und noch eins fällt auf, stellt Heinz Groos (CDU) fest, der im Bild von Hainchen Plätze seiner Jugendzeit wiederentdeckt: Früher war Netphen heller. Tatsächlich sind die Ortschaften erst in den letzten fünf Jahrzehnten von den Rändern her zugewachsen, haben Wälder und Baumgruppen die Äcker und Felder verdrängt.

Die Technik

Diese und andere Erkenntnisse verdanken die Netphener Tillmann Bell, der im Rathaus-Fachbereich Tiefbau für die Vermessung zuständig ist. Er hat die Aufnahmen bei der Bezirksregierung Köln besorgt, die die Arbeit des früheren Landesvermessungsamtes weiterführt: „In unterschiedlichen Abständen wurde das ganze Land beflogen“, erklärt Bell. Heute, in digitaler Zeit, öfter als früher und nach Kundenwunsch wechselnd in der belaubten und der nicht belaubten Jahreszeit. Früher, sagt Tillmann Bell, „war das ein Riesenaufwand.“ Da wurden vor dem Flug auf Straßen Referenzpunkte mit weißen Kreuzen markiert, um die Aufnahmen auch vergleichbar zu machen. Echte Luftbilder, bei denen jemand die Kamera Richtung Boden hält, sind das übrigens nicht, betont Bell: In den ausgestellten Orthofotos sind Verzerrungen durch Höhenunterschiede und Erdkrümmung herausgerechnet.

Für zwei Dörfer hat sich die Stadt das 1967/2016-Paar übrigens gespart: Nauholz und Obernau gibt es nur in Schwarz und Weiß, für die Ausstellung mit einer blauen Fläche überdeckt. Sie sind untergegangen, als die Talsperre kam.

Bis 20. Dezember zu den Öffnungszeiten des Rathauses

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