Brückenneubau

Neubau Siegtalbrücke: Kein Haus soll abgebrochen werden

Mögliche Variante 3: Eine Schrägseilbrücke mit Stahlverbundhohlkasten. Vorteil: Sehr wenige Pfeiler.

Mögliche Variante 3: Eine Schrägseilbrücke mit Stahlverbundhohlkasten. Vorteil: Sehr wenige Pfeiler.

Foto: Dissing+Weitling architecture / IG Siegtalbrücke / Straßen NRW

Eiserfeld.  Verunsicherung in Eiserfeld: Bürger fürchten Lärm und Schmutz durch jahrelange Großbaustelle. Straßen NRW sucht noch nach der besten Variante.

Das Ziel: „Wir wollen die Siegtalbrücke neu bauen, ohne dass ein Haus in Eiserfeld abgebrochen werden muss.“ Das hat Karl-Hermann Metz, Leiter der A-45-Projektgruppe bei Straßen NRW, bei der Informationsveranstaltung des Landesbetriebs in der Aula des Gymnasiums auf der Morgenröthe bekräftigt.

Bei der Variantenauswahl der zukünftigen Brücke sei ein möglicher Wohnhausabbruch ein zentrales Bewertungskriterium, sagte Metz. Zahlreiche Anwohner hatten ihre Sorgen bezüglich des Brückenneubaus geäußert.

Der Stand heute

„Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Untersuchungen“, betonte Metz. Bei der Siegtalbrücke sei die Betroffenheit der Bürger in Sachen A45-Ausbau mit am größten, weil sie über bebautes Gebiet führt – und sie sei auch technisch die größte Herausforderung entlang der Strecke. Neben Wohngebäuden führen wichtige Verkehrsstraßen und -schienen, Strom- und Versorgungsleitungen unter der Brücke her, sagte Projektingenieurin Katharina Erbismann – das schränke die Standorte der künftigen Pfeiler ziemlich ein.

Von der Variante hängen zahlreiche weitere Dinge wie Rückbau, Baustellenlogistik und Standorte der neuen Pfeiler ab – und daraus ergebe sich auch die individuelle Betroffenheit der Anwohner. Leider könnten viele Fragen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden, so Karl-Hermann Metz.

Die Varianten

1. Ein Stahlverbund-Hohlkasten statt Spannbeton, in gleicher Lage wie die Bestandsbrücke. Die neuen elf Pfeiler würden zwischen die alten gestellt. Problem: Es wären viele Stützen – genauso viele wie jetzt

2a. Ein Stahlverbund-Hohlkasten mit weniger Pfeilern (acht statt elf) in gleicher Lage wie das Bestandsbauwerk.

2b. Im Grunde wie Variante 2a – nur aus Spannbeton statt aus Stahl.

3. Eine Schrägseilbrücke mit Stahlverbund-Hohlkasten mit deutlich weniger Pfeilern (sechs). Die Brücke bestünde nicht mehr aus zwei getrennten Bauwerken (eins pro Fahrtrichtung) und böte technisch mehr Möglichkeiten als die anderen Varianten, so Katharina Erbismann. Allerdings sei unsicher, ob diese Variante in der alten Brückenachse gebaut werde – womöglich stünde sie daneben. Eingriffe in die bestehende Bausubstanz unter der Brücke könne man bei dieser Variante nicht ausschließen, so Metz.

Der Zeitplan

Im Herbst beginnt die Baugrunderkundung: Mit Aufschlussbohrungen, Rammsondierungen, Baggerschürfen und Grundwassermessstellen werden Trag- und Widerstandsfähigkeit des Untergrunds ermittelt – ebenfalls wichtig für die Variantenauswahl. Im Lauf des Jahres 2020 soll die Entscheidung für eine Variante stehen, Bund und Land müssen zustimmen.

Nach Fertigstellung von Vorplanung und Vorentwurf wird ab 2024 im Planfeststellungsverfahren die Öffentlichkeit beteiligt. Der Bau ist für sieben Jahre ab 2027 geplant. Das sei anspruchsvoll, „aber nicht unrealistisch“, so Metz. „Wenn wir unsere Hausaufgaben vorher ordentlich machen, damit das Vorhaben später einer möglichen gerichtlichen Überprüfung standhält.“

Die Sorgen der Bürger

Ein direkter Anwohner der Brücke schilderte seine Situation: Immer wieder seien Gegenstände, sogar Menschen von der Brücke gestürzt. Eine von einem Lkw herabgestürzte Eisplatte habe sein Dachfenster zertrümmert, schwarzer Verkehrsdreck verschmutze das Grundstück. Er bat inständig um eine hohe Lärmschutzwand auf der Brücke, die solches künftig bitte verhindern möge.

Viele sorgten sich um den Abbruch der Brücke und den damit verbundenen Baulärm sowie die langfristige Wertentwicklung ihrer Immobilien. „Wir können die Pfeiler nicht einfach sprengen“, so Katharina Erbismann – für die Pfeiler im Tal müsse wohl ein Abbruchgerät von oben aufgesetzt werden, das den Beton nach unten „wegknabbert“.

In Sachen Baustellenlärm und -staub werde ein Gutachten erstellt: Welche Geräte wie lange eingesetzt werden und wie laut sie sind, erläuterte Projektleiter Klaus Frettlöh. Auch hier müssten Grenzwerte eingehalten, entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Man werde auf jedes einzelne Haus zukommen und ermitteln, was individuell an Lärm und Staub auf die Bewohner warte, daraus ließen sich auch Entschädigungsansprüche ableiten. „Ihre Gesundheit liegt uns sehr am Herzen.“

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