Glauben

Presbyterwahlen stehen an: Kirche sucht noch Bewerber

„Tolles Team“: Miriam Nöh (37) ist das jüngste Mitglied im Presbyterium in Deuz, Burkhard Brück (65) das älteste.

„Tolles Team“: Miriam Nöh (37) ist das jüngste Mitglied im Presbyterium in Deuz, Burkhard Brück (65) das älteste.

Foto: : Jasmin Maxwell-Klein

Siegen.  Im Frühjahr stehen Presbyterwahlen an, die evangelischen Gemeinden sind auf der Suche nach Ehrenamtlichen, jungen ebenso wie erfahrenen.

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Am 1. März 2020 werden die Presbyterien in der Evangelischen Kirche von Westfalen und ganz Nordrhein-Westfalen neu gewählt. „Presbyter“ bedeutet „Ältester“. Deshalb war Miriam Nöh erstmal skeptisch, als sie gefragt wurde, ob sie dieses Ehrenamt in der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Deuz übernehmen will. Da war Nöh nämlich gerade 29 Jahre alt und hatte zwar Erfahrungen in der Jugendarbeit, aber nicht in kirchlichen Gremien. Doch sie traute sich und wurde ins Presbyterium gewählt, in dem Gemeindeglieder zusammen mit den Pfarrern die Kirchengemeinde leiten. Das Leitungsorgan gestaltet das Gemeindeleben und entscheidet über Themen wie Finanzen, Gebäude und Personal.

„Klar ist das viel Verantwortung“, sagt die 37-Jährige Lehrerin heute, gut acht Jahre und zwei Amtszeiten später. „Aber es ist auch sehr bereichernd. Ich bin in meinem Glauben weitergekommen.“

Weitere Kandidaten gesucht

Viele Gemeinden suchen noch Kandidaten. Der Siegener Superintendent Peter-Thomas Stuberg hatte daher jetzt Presbyterinnen und Presbyter aus den Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Siegen ins Haus der Kirche eingeladen, um mit ihnen über ihre Arbeit zu sprechen. „Der Kirchenkreis lebt in erheblichem Maße durch die Ehrenamtlichen“, sagte Stuberg. „Sie repräsentieren für mich hochengagierte Menschen, denen die Kirche am Herzen liegt.“

Hartwig Göbel aus der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Niederschelden ist seit 27 Jahren Presbyter. Er weiß: Zu dem Amt gehört mehr als die monatlichen Sitzungen des Presbyteriums. Hinzu kommt meist die Mitgliedschaft in Ausschüssen zu Themen wie Jugend, Diakonie oder Finanzen. Oft gestalten Presbyter auch den Gottesdienst mit, sammeln etwa die Kollekte ein oder teilen das Abendmahl mit aus. „Wenn ein Gemeindeglied einen Presbyter nach dem Gottesdienst anspricht, sollte man sich dafür auch Zeit nehmen“, so der 54-Jährige.

Wichtig sei aber: „Es muss nicht jeder alles machen.“ Das Presbyterium teilt die Aufgaben je nach Fähigkeiten und Interessen auf. Unterstützung bei konkreten Fragen bekommen Presbyterinnen und Presbyter nicht nur von ihren Pfarrerinnen und Pfarrern, sondern auch von den Fachabteilungen des Kreiskirchenamts Siegen-Wittgenstein.

Gelebte Gemeinschaft

Der Austausch im Haus der Kirche zeigte, dass Presbyterien idealerweise beides brauchen: erfahrene Ehrenamtliche sowie Rentnerinnen und Rentner, die ihre Kenntnisse und Zeit einbringen können, aber auch junge Menschen, die im Beruf und mitten im Leben stehen.

Anna-Lena Nies ist seit vier Jahren Presbyterin in der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Rödgen-Wilnsdorf. Kirche ist für die 28-jährige Grundschullehrerin „nicht nur sonntags um 10 Uhr im Gottesdienst“, sagt sie. „Kirche ist auch Mitbauen bei der Legowoche, oder wenn Leute unter freiem Himmel zusammensitzen und Lobpreismusik hören.“ Nies ruft Presbyterien dazu auf, mehr junge Menschen anzusprechen und ihnen zu sagen: „Probier’s doch einfach mal aus.“

Für Anna-Lena Nies, Hartwig Göbel und Miriam Nöh jedenfalls ist klar: Sie wollen weitermachen und auch bei der Kirchenwahl 2020 kandidieren. „In unserem Presbyterium wird Gemeinschaft gelebt“, sagt Nöh. „Wir sehen uns nicht nur sonntags im Gottesdienst, sondern unternehmen auch mal was zusammen.“ Das bestätigt Kollege Burkhard Brück: „Wir haben in Deuz ein tolles Team.“ Nicht zuletzt, weil auch der Humor stimmt: „Wir fangen mit unseren Sitzungen um sieben Uhr an“, erzählt Brück. „Und um fünf nach sieben haben wir meistens schon zweimal gelacht.“

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