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Siegener Studi ist in den Ferien Fundraiser

Fundraiser suchen in der Fußgängerzone nach Unterstützern, hier zum Beispiel Greenpeace.

Fundraiser suchen in der Fußgängerzone nach Unterstützern, hier zum Beispiel Greenpeace.

Foto: Oliver Mueller / FUNKE Foto Services

Als Fundraiser oder „Dialoger“ sammelt Student Max in der Fußgängerzone Spenden für Organisationen.

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Siegen. Hey du! Ja, genau du mit der Nase! Bleib doch mal stehen? Hast du ein paar Minütchen Zeit für diesen Artikel? Sehr gut! Stell dir mal Folgendes vor: Du schlenderst an deinem freien Nachmittag durch die Siegener Innenstadt. Plötzlich siehst du einen dieser bunten Pavillons auftauchen. Mitten auf der Bahnhofsstraße, kein Weg führt dran vorbei. Vielleicht ist er von Greenpeace oder dem WWF oder irgendeiner anderen Organisation, du kannst es noch nicht erkennen. Aber du legst dir schon eine Taktik zurecht, wie du an dem Stand vorbeikommst. Vielleicht starrst du im Gehen einfach konsequent auf den Boden oder auf dein Handy, vielleicht tust du so, als wärst du in Eile... Hast du dich entschieden? Wunderbar!

Die Bewerbungsphase

Und jetzt stell dir mal vor, du bist auf der anderen Seite dieses Gedankenspiels. Eine oder einer von denen, die Menschen zum Spenden bringen wollen. Tag für Tag auf den Beinen und stundenlang die gleichen Ausreden anhören, die pure Frustration, bis sich endlich jemand ein Herz fasst und einen Spendenvertrag abschließt. Mein Mitbewohner MaxMenrich ( 23 Jahre alt, Lehramtsstudent aus Niederkassel) hat genau das gemacht, als Ferienjob. Er hat als Fundraiser gearbeitet. Und zu meiner Überraschung hat es ihm echt gut gefallen.

Es fing damit an, dass er auf dem Campus von einer jungen Frau angesprochen wurde. Sie kam von einer Fundraising-Agentur, die deutschlandweit Ferienjobs für Studenten anbietet. Die Aufgabe: Passanten in der Fußgängerzone über gemeinnützige Organisationen informieren und zum regelmäßigen Spenden überzeugen. Für Max klang es nach einem coolen Job, abwechslungsreich, bei dem man mit Leuten in Kontakt kommt. Er hat sich informiert und als er herausfand, dass er sich den Job sogar als Berufsfeldpraktikum fürs Studium anrechnen lassen kann, war er dabei. Er wurde auf ein Infotreffen eingeladen. Hier wurde auch gecheckt, ob er in einem simulierten Gespräch rhetorisch überzeugen kann und ob er dabei sympathisch ist.

Die Feuertaufe

Nach dieser kleinen Hürde folgte am Anfang der Semesterferien das sogenannte „Starter-Wochenende“ in Berlin, mit gemeinsamen Seminaren und Übungen. Und am Montag dann der erste Arbeitstag, für Max ging es nach München. Am Anfang sei er noch etwas unsicher gewesen, erzählt er. Da habe er zum Beispiel noch nicht gewusst, wie man mit den Einwänden der Leute umgehen soll. Wie man reagiert, wenn sie sagen, sie würden das Ganze lieber von zuhause aus machen (darauf hinweisen, dass man es dann doch nur wieder aufschiebt oder vergisst). Oder wenn sie nur eine einmalige Summe spenden wollen (informieren, dass man mit einer konstanten Spende besser helfen kann).

Trotzdem hat er sich von Anfang an wohlgefühlt, vor allem auch wegen des Teamspirits. Während seiner ersten zwei Wochen in München und weiteren zwei in Weimar und Augsburg hat Max sich mit seinen Kollegen eine Wohnung geteilt, zur Verfügung gestellt von der Fundraising-Agentur, wie auch ein Auto, mit dem sie zur Arbeit gefahren sind. Nur das Essen mussten sie selbst bezahlen. „Wir haben uns gut verstanden und es gab immer jemanden, der dich wieder aufgebaut hat, falls es mal nicht so lief“, sagt er.

Die Vor- und Nachteile

Das ist wichtig, denn auch Abweisung gehört zum Alltag eines Dialogers, erklärt Max: „Wenn du frustriert bist, kommst du schnell in einen Teufelskreis. Die Leute spüren das, dann lassen sie sich nicht auf dich ein und du wirst noch frustrierter. Klar hast du einen gewissen Druck, du wirst ja irgendwie an Zahlen gemessen, aber trotzdem sollte man immer auf eine positive Ausstrahlung achten.“ Auch das hat Max in den vier Wochen als Fundraiser gelernt: Rückschläge abhaken, Ruhe bewahren und weiter freundlich auf die Menschen zugehen. „Es fühlt sich mittlerweile natürlich und einfach an, mit fremden Leuten ins Gespräch zu kommen“, resümiert er. „Für mich persönlich habe ich viel mitgenommen.“ Einen negativen Punkt gibt es aber dann doch: Nach einem langen Arbeitstag, in der Regel von 10 bis 20 Uhr bleibt so gut wie keine Freizeit. Max hat gewissermaßen für den Job gelebt, zumindest unter der Woche.

Wie er da motiviert geblieben ist? „Auf der einen Seite ist es ein kleiner Ansporn, dass man Bonuszahlungen kriegt, wenn man viele Leute zum Spenden animiert. Aber der größere Anreiz war, möglichst viele Unterstützer für eine gute Sache zu gewinnen“, sagt er. Sein Rekord waren sieben Spendenunterschriften an einem Tag. Das klingt für mich sehr wenig, ist laut Max aber ein guter Wert. Die Bonuszahlungen gibt es dann, sobald man in einer Woche mindestens 28 Spender findet, ansonsten kassieren die Starter Mindestlohn. Und wenn mal gar keine Unterschrift ergattern kann? Das sei einmal nicht so schlimm, erklärt er, aber wenn das Ergebnis nach Ablauf der zweiwöchigen Probezeit wirklich schlecht ausfällt, könne die Agentur den Vertrag nicht verlängern. „Auch die müssen ja wirtschaftlich denken“, sagt Max.

Die Zukunft

Sein Fazit nach der ganzen Sache lautet: „Für mich war es der perfekte Studentenjob, aber man muss schon auch der Typ dafür sein. Mitbringen sollte man auf jeden Fall Geduld und eine offene Einstellung gegenüber Menschen, dann macht es auch echt Spaß.“ So viel Spaß, dass Max jetzt auch mal während des Semesters für eine Woche in eine andere Stadt verschwindet, um wieder Menschen für eine gute Sache anzuquatschen.

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