Prozess

Zwei Autofahrerinnen in Sprockhövel geraten aneinander

Beengte Verkehrsverhältnisse: Hier auf der Magdeburger Straße kam es im vergangenen Jahr zur Konfrontation zweier Autofahrerinnen.

Beengte Verkehrsverhältnisse: Hier auf der Magdeburger Straße kam es im vergangenen Jahr zur Konfrontation zweier Autofahrerinnen.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Zwei Autofahrerinnen geraten frühmorgens in Sprockhövel aneinander. Am Ende kommt es vor dem Amtsgericht zum Prozess wegen Körperverletzung.

Morgens vor 8 Uhr in den meisten Städten Deutschlands: Vor den Grundschulen entsteht Stau, weil viele Eltern wider alle Vernunft den Nachwuchs mit dem Auto pünktlich abliefern wollen. Da liegen oft die Nerven blank, und es kann sogar zu handfesten Konflikten kommen – so wie in dem Fall in der Nähe der Grundschule Börgersbruch im vergangenen Jahr, der jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt wurde.

Beide Frauen kannten sich nicht

Am Mittwoch hatte Richter Johannes Kimmeskamp in Hattingen über einen Fall von Körperverletzung zu entscheiden. Auf der Anklagebank saß eine junge Lehrerin, als Zeugin wurde eine Ingenieurin gehört. Beide Frauen, die sich dem Vernehmen nach vor ihrer unglücklichen Begegnung am 14. Mai des vergangenen Jahres nie gesehen haben, wirkten sowohl vom Auftreten als auch von ihren Aussagen her in einem hohen Maß glaubwürdig. Und doch: Eine von beiden muss bei der Schilderung des Geschehens auf der Magdeburger Straße gelogen haben.

Eilig auf dem Weg zur Grundschule

Hattingen und Sprockhövel- Mitmachen beim Stadtteil-Check!Angeklagte wie Zeugin waren an besagtem Tag gegen 7.45 Uhr auf dem engen Teilstück der Magdeburger Straße unterwegs – die Lehrerin in Richtung Eickerstraße, die Ingenieurin mit Tochter in Richtung Grundschule. Am Ort sollen Verkehrsinseln mit Bäumen zu einer vorsichtigen Fahrweise anhalten, bei dichtem Verkehrsfluss muss Verkehr und Gegenverkehr Rücksicht aufeinander nehmen. So viel steht fest: Besagte Frauen taten das nicht, und so standen sie, jeweils mit zahlreichen weiteren Autos im Rücken, plötzlich Kühler an Kühler frontal voreinander. Die Zeugin, die ihre mitfahrende Tochter pünktlich zur Mathearbeit in der Grundschule Börgersbruch abliefern wollte, stieg für eine Verständigung in dieser Blockade-Situation sofort aus. Die Lehrerin habe, so die Zeugin, ihre Scheibe ein Stück heruntergefahren und sie sofort mit übelsten Schimpfwörtern überschüttet und ihr den Mittelfinger gezeigt. „Das wollte ich mir nicht bieten lassen und ging zu meinem Auto zurück, um mit dem Handy die Polizei zu rufen“, so die Zeugin, die vor Gericht immer noch sehr aufgeregt wirkte. Da sei ihr die junge Frau gefolgt, habe sie am Ärmel gezogen und ihr die Brille aus dem Gesicht geschlagen. „Die lag dann auf der Straße und sie wollte sie sogar zertreten“, so die Zeugin. Erst als sich ein weiterer Zeuge und ein Busfahrer einmischten, seien Handgreiflichkeiten beider Frauen beendet worden.

Andere Version der Angeklagten

Die Angeklagte erzählte die Geschichte völlig anders. Danach sei die Zeugin an ihr Auto getreten und habe ihr völlig unvermittelt mir der flachen Hand kräftig ins Gesicht geschlagen. „Ich habe danach Migräne gehabt und konnte einen Tag lang nicht arbeiten“, gab die Lehrerin zu Protokoll. Als sich die Zeugin nach dem Schlag abwandte, sei sie ihr gefolgt, habe sie am Ärmel gegriffen und zur Rede gestellt. „Ich habe aber während der gesamten Begegnung nicht geschimpft, beleidigende Wörter benutze ich grundsätzlich nicht und ich schlage auch nicht.“

Aussage des Zeugen nicht sehr hilfreich

Nun ruhten bei der Beweisaufnahme nicht geringe Hoffnungen auf der Aussage eines 40-jährigen Mannes, der das Fahrzeug hinter der Zeugin gefahren hatte. Doch es stellte sich bei seiner Befragung heraus, dass er zwar deutlich zu schildern vermochte, wie die Lehrerin durch „dreistes Fahren“ die Blockadesituation der beiden Fahrzeuge herbeigeführt hatte. „Aber was sich weiter im Einzelnen zwischen den beiden Frauen abgespielt hat, interessiert mich nicht.“ So stand letztlich Aussage gegen Aussage und das Verfahren wurde eingestellt.

INFO

Der Psychologe Mark Vollrath berichtet, dass es im Gegensatz zu früheren Jahren heute eine Angleichung bei Männern und Frauen bei aggressivem Verhalten im Straßenverkehr gibt.

Allerdings liege der Männeranteil bei Imponiergehabe und illegalen Autorennen deutlich höher als bei Frauen.

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