Wirtschaft

Severin stellt Produktion im Stammwerk in Sundern ein

Seit 127 Jahre produziert Severin in Sundern, ab Mai 2020 nicht mehr.

Seit 127 Jahre produziert Severin in Sundern, ab Mai 2020 nicht mehr.

Foto: WP-Archiv

Sundern.  Das ist ein Schlag: Elektrogeräte-Hersteller Severin stellt die Produktion in Sundern ein. Zum 30. April 2020 ist Schluss, das steht jetzt fest.

Die Reihe der schlechten Nachrichten aus der heimischen Wirtschaft hält an: Der Elektrogeräte-Hersteller Severin hat die Mitarbeiter am Mittwoch über die Schließung der Produktion am Standort Sundern informiert. „Im herausfordernden Wettbewerbsumfeld und im Hinblick auf die Sicherstellung des künftigen Unternehmenswachstums war diese Maßnahme unumgänglich geworden“, heißt es in einer ersten Stellungnahme. Abgebaut werden 21 Vollzeitstellen zum 30. April 2020.

Geschlossen werden die Abteilungen Montage/Produktion und Stanzerei im Stammwerk in der Röhre, so

Geschäftsführer Christian Strebl und Ulrich Cramer. Severin „überprüft im Rahmen der Neuausrichtung des Unternehmens laufend alle Wertschöpfungsketten und Kostenstrukturen, um auch in Zukunft bestmöglich aufgestellt zu sein“, heißt es in der Stellungnahme der Geschäftsleitung, die nach der Betriebsversammlung in der Redaktion einging.

Umstrukturierung in Sundern

Im Zuge dieser Transformation seien bereits Umstrukturierungen am Standort Sundern vorgenommen worden, um das Profil zu schärfen und das Markengeschäft zu stärken. So wurde in diesem Jahr, zum 30. Juni, die Konstruktionsabteilung am Standort in Sundern geschlossen, betroffen waren damals sechs Mitarbeiter. Ziel war es damals Doppelstrukturen abzubauen. Nun gehen weitere 21 Mitarbeiter: „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und sind uns der Verantwortung gegenüber unserer langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr bewusst“, versichert Christian Strebl.

„Angesichts der stetig wachsenden Herausforderungen eines kosten- und preissensiblen Marktes sehen wir aber keine andere Möglichkeit“, teilt er unserer Zeitung mit. Neue Produkte, die im Rahmen der Neuausrichtung ins Sortiment aufgenommen wurden, konnten nicht in die Produktionsprozesse der Fertigung in Sundern eingegliedert werden. „Dies bedauern wir sehr. Steigende Kundenbedürfnisse und -erwartungen sowie die Entwicklung der internationalen Beschaffungs- und Absatzmärkte lassen uns keine Wahl“, betont Ulrich Cramer.

Trend vorhersehbar

Schon im Vorjahr war der Trend abzusehen, denn die Geschäftsführer hatten dargelegt, dass Entwicklung und Produktion im chinesischen Werk in Shenzhen laufen werde. Damals hieß es von der Geschäftsleitung: „Die Umsetzung neuer Produktideen unserer Category Manager wird künftig von der Abteilung Qualitätsentwicklung und Produktsicherheit unterstützt und die Begleitung bis zur Marktreife erfolgt produkt- bzw. projektabhängig entweder mit externen strategischen Lieferanten oder in Zusammenarbeit mit unseren Kollegen in Shenzhen.“

Deutsche Produktion schmilzt ab

Die Severin-Geschäftsleitung teilt weiter mit: „Bereits seit Ende der 1990er Jahre ist das in Deutschland gefertigte Produktportfolio kontinuierlich zurückgegangen. 1995 produzierte Severin an insgesamt vier Standorten in Deutschland. Nach der sukzessiven Schließung der Produktionsstätten sowie dem Verkauf eines Werkes an einen externen Partner konzentrierte sich seit 2005 die Fertigung ausschließlich auf das Hauptwerk in Sundern mit damals 120 Mitarbeitern in der Produktion. Die Zahl der Mitarbeiter, die Severin in der Montage sowie der dazugehörigen Stanzerei beschäftigte, sank bis heute auf 23“, heißt es in der Mail der Geschäftsleitung. Insgesamt seien heute in der Firmenzentrale in Sundern rund 310 Mitarbeiter beschäftigt – weltweit arbeiten rund 700 Mitarbeiter für den Sunderner Elektrohersteller.

Was bleibt in Sundern?

Die Ausrichtung des Standorts in Sundern werde insgesamt kundenzentrierter: Abteilungen wie Logistik, Produktmanagement, After-Sales-Service, IT und Marketing seien in den vergangenen Monaten bereits sukzessive ausgebaut worden und sollen auch in Zukunft weiterentwickelt werden. In diesen Bereichen konnten zahlreiche neue Stellen geschaffen werden. „Diese Konzentration schärft das Profil und trägt zur Zukunftssicherung der Firmenzentrale bei. Darüber hinaus ist es ein klares Bekenntnis zum Standort Sundern, das ganz im Sinne der langfristigen Planungen der Gesellschafter zu verstehen ist“, betonte die Severin-Geschäftsführung dazu.

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