Buchvorstellung

Autorin aus Langenberg schrieb ein Buch über ihr Leben

In ihrem Buch „Dazugehören“ versucht die Langenbergerin Hildegard Sakerwalla die Frage zu beantworten: „Wo gehöre ich hin?“

In ihrem Buch „Dazugehören“ versucht die Langenbergerin Hildegard Sakerwalla die Frage zu beantworten: „Wo gehöre ich hin?“

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Langenberg.  Mit 19 Jahren ist die Langenbergerin Hildegard Sakerwalla nach Schweden ausgewandert. In einem Buch verarbeitet sie nun ihre Erinnerungen.

Pinke Sneaker, pinkes Shirt, pinke Haare. „Mir haben früher schon immer alle gesagt, dass ich anders aussehe“, erinnert sich Hildegard Sakerwalla. Dabei trug sie die Haare damals noch gar nicht pink – Sie hatte dunkle Haut, war klein und mager: „Ich sah wohl sehr jüdisch aus“, meint die Autorin heute. Sie habe sich nicht wohl gefühlt in ihrer Heimat Langenberg, als gehöre sie einfach nicht dazu. Und so kam der Entschluss: „Ich wollte einfach weg.“

Gesagt, getan: Mit 19 Jahren wanderte Hildegard Sakerwalla nach Schweden aus, entfloh dort ihrem alten Leben. In dem Buch „Dazugehören“ erzählt die Autorin ihre Geschichte, erst auf schwedisch jetzt auch auf deutsch: „Das ist unfassbar“, freut die 78-Jährige sich. „Ich mache die ganze Reise noch einmal. Auf deutsch entstehen noch mal ganz andere Bilder in meinem Kopf.“

Sie wollte möglichst schnell raus aus Deutschland

Beide Bücher liegen auf dem Schoß der 78-Jährigen. Sie hält sich daran fest, als sie an ihre Auswanderung zurückdenkt: „Ich wollte so schnell wie möglich Schwedin werden. Keiner sollte sehen, dass ich aus Deutschland komme.“ Aus heutiger Sicht sei das sicherlich ein bisschen übertrieben gewesen, aber als Jugendliche habe sie sich in Deutschland damals einfach nicht wohl gefühlt. „Es war sehr streng und religiös. Ich habe nicht hierhin gepasst“, beschreibt Hildegard Sakerwalla ihre Situation.

Peter Marx vom Hummelshain Verlag ist sich sicher, dass sich viele mit dieser Situation identifizieren können. Knapp 50.000 Frauen seien in den 50er und 60er Jahren nach Schweden ausgewandert. Als er das Buch von Sakerwalla das erste Mal gelesen hat, sei Peter Marx durch den Kopf gegangen: „Das passt wie Arsch auf Eimer.“

Langenberg in der Nachkriegszeit

Und so wird Hildegard Sakerwalla am 23. Mai nun ihr Buch auch in ihrer Heimatstadt Langenberg vorstellen. „Es ist toll, dass die Langenberger mir zuhören möchten“, freut die Autorin sich. Sie beschreibt in ihrem Buch, wie sie ihre Kindheit und Jugend in Langenberg in den Jahren nach dem Krieg erlebt hat und wie sie ihr gesamtes Leben lang auf der Suche nach der Antwort auf eine Frage war: „Wer bin ich und wo gehöre ich hin?“

Eine langjährige Freundin von der 78-Jährigen war sehr berührt, als sie das Buch von Hildegard Sakerwalla zum ersten Mal gelesen hat: „Ich hab nur gedacht: Das bist wirklich du“, sagt Agnes Zipper zu ihrer Freundin. Auch die Autorin selbst ist sich der emotionalen Wirkung ihres Buches durchaus bewusst: „In Schweden sind schon öfter mal Tränchen geflossen, wenn ich das erste Kapitel vorgelesen habe.“

Nach 20 Jahren wieder gern in Deutschland

Umso gespannter ist die 78-Jährige jetzt, welche Themen die Langenberger am meisten interessieren: Ihre Kindheit, ihr Jura-Studium, ihre Reise nach Indien oder ihre Zeit in Schweden? Fest steht aber: „Ich freu mich darüber, jetzt in Deutschland zu sein.“ Das war nicht immer so: Die ersten 20 Jahre nach ihrer Auswanderung ist es Hildegard Sakerwalla sehr schwer gefallen, in ihre Heimat zurückzukommen.

Heute kommt sie gerne, auch um ihre Geschwister zu besuchen. Und durch das Buch habe die 78-Jährige ihre Zeit in Langenberg noch einmal reflektieren können und kann nun ohne schlechtes Gefühl, wieder hierhin zurückkehren. Durch das Buch habe Hildegard Sakerwalla ihre Heimat sogar wieder ein Stück lieben gelernt: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass das so bedeutungsvoll für mich wird.“

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