Tunnelsanierung

Brandversuch im Langenberger Tunnel erfolgreich beendet

Nach dreimonatiger Sperrung ist die Sanierung des Tunnels in Langenberg bald beendet. Die neue Sicherheitstechnik musste zuvor aber noch auf Herz und Nieren geprüft werden.

Beschreibung anzeigen

Langenberg.  Nach dreimonatiger Bauphase nähert sich die Sperrung des Langenberger Tunnels dem Ende. Mit drei Brandversuchen wurde die neue Technik getestet.

Flammen schlagen aus dem Auto, dichter Rauch steigt auf. Innerhalb von Sekunden wird es richtig heiß rund um den Brandort, es ist kaum noch etwas zu sehen. Ein Gong ertönt, klar und deutlich erfolgt eine Durchsage: „Achtung, Achtung. Hier spricht die Leitzentrale.“ Dann laufen die Ventilatoren an.

Es ist wohl der Albtraum eines jeden Autofahrers: ein Brand in einem Tunnel. Es ist eng, der Rauch breitet sich schnell aus und die Fluchtmöglichkeiten sind begrenzt. Damit in einer solchen Gefahrensituation möglichst wenig passiert, sind Tunnel mit aufwendiger Sicherheitstechnik ausgestattet.

Eine Spezialfirma führt die Versuche durch

Brandversuch im Tunnel Langenberg

So auch der Tunnel Langenberg, die Hauptumgehungsstraße für den historischen Stadtkern. Dessen Technik ist in den letzten gut drei Monaten auf den aktuellsten Stand gebracht worden. Bevor der Tunnel aber wieder öffnet, muss Straßen.NRW die neue Technik auf Herz und Nieren testen lassen.

Dafür zuständig ist eine Spezialfirma aus Aachen. Die ersten beiden Versuche finden jeweils nahe der beiden Tunneleinfahrten statt, der dritte – den die Feuerwehr Velbert auch zu Übungszwecken nutzt – dann in der Tunnelmitte.

Messaufbauten sind vorbereitet

Schon vom Eingang her sind die Messaufbauten mitten auf der Fahrbahn zu sehen, Dreibeine mit langen Stangen, Kabel führen zu den Stationen. „Wir können die Windrichtung und die Windgeschwindigkeit messen, auch die Temperatur“, erläutert Wilfried Büsdorf, der für die Bauüberwachung in Langenberg zuständige Techniker von Straßen.NRW, Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau.

Im Tunnel selbst sammeln sich langsam die Beobachter des Versuchs: Mitarbeiter der für die Sicherheitstechnik verantwortliche Firma, Mitarbeiter von Straßen.NRW und natürlich die Spezialisten aus Aachen. Kameras werden in Position gebracht.

Fünf Megawatt Heizenergie innerhalb weniger Sekunden

Auf einem Anhänger etwa 100 Meter weit in den Tunnel hinein steht ein ausrangierter Kombi, dem Aussehen nach schon zig Mal für Versuche wie diesen benutzt. Im Fußraum vorne lodern schon kleine Flammen. Hinter dem Kombi steht ein weiterer Anhänger mit dem Leitstand.

„Wir werden gleich fünf Megawatt Heizenergie erzeugen“, erläutert Wilfried Mertens, der Versuchsleiter. „Das entspricht einem Pkw im Vollbrand, so sind die Regularien für den Test.“ Eine Hupe ertönt, dann dreht Mertens den Gashahn auf: Prompt schießen Flammen aus den Öffnungen des Kombis, wo einst Fenster gewesen sind. Schlagartig wird es heiß in der Umgebung. Dann startet die Nebelkanone.

Die Notfallsysteme funktionieren

Es dauert einige Sekunden, dann beginnen die großen Ventilatoren zu laufen. Über das Getöse der Turbinen ertönt kurze Zeit später ein Gong, es folgt eine Durchsage, die klar und deutlich zu verstehen ist. Mertens dreht die Nebelkanone weiter auf, die Sichtweite reduziert sich drastisch. Doch schon bald ist der Effekt der Ventilatoren zu spüren: Der Rauch zieht ab Richtung Tunneleinfahrt, die unteren zwei Meter sind nahezu rauchfrei.

Links und rechts der Straße leuchtet die Notfallmarkierung in grellem weiß. „Das ist jetzt auch neu“, sagt Wilfried Büsdorf. „Vor der Sanierung war nur die Beleuchtung in Fahrtrichtung möglich. Jetzt schaltet sich bei Alarm automatisch das zweite Licht dazu, so dass die Leuchte in beide Richtungen sichtbar ist.

Projektverantwortliche sind mit dem Test zufrieden

Nach einigen Minuten kommt das Signal aus der Leitstelle: Test erfolgreich. Versuchsleiter Mertens stellt das Gas ab, das Feuer verlischt. Die Ventilatoren pusten den restlichen Qualm aus der Röhre, da kommt auch schon Jörg Westmeier dazu. Er ist Diplom-Ingenieur und Planer, gehört zur Projektgruppe Tunnel bei Straßen.NRW und begleitet die Sanierung in Langenberg.

„Ich bin zufrieden“, sagt er, der den Test von der Leitstelle aus verfolgt hat. „Die erste Alarmauslösung erfolgte nach 25 Sekunden, die zweite nach 58.“ Die doppelte Auslösung sei wichtig, erläutert Westmeier, um die Zahl der Fehlalarme zu reduzieren. Er nennt ein Beispiel: Im Düsseldorfer Rheinufertunnel habe ein Kieslaster im Stau gestanden. „Die Auspuffrohre gehen nach oben. Als der angefahren ist, haben die heißen Abgase, die schlagartig nach oben gestiegen sind, sofort Feueralarm ausgelöst.“

Zwei weitere Versuche folgen noch

Die neue Technik in Langenberg werde das Risiko minimieren: „Alle vier Meter ist ein Chip angebracht. Erst wenn mindestens zwei davon sich melden, dann wird Alarm ausgelöst.“ Damit es so weit kommt, müssen die Chips entweder einen Temperaturanstieg um 2,8 Grad feststellen oder eine dauerhafte Temperatur über 50 Grad Celsius.

Nach dem ersten Versuch bauen die Spezialisten die Anordnung ab. Nun geht es an die andere Tunneleinfahrt, unten an der Donnerstraße. Und am späten Nachmittag folgt noch eine Großübung mit der Feuerwehr.

Weitere Fotos vom Brandversuch im Tunnel gibt es auf www.waz.de/velbert.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben