Geburten

Corona: Velberter Väter dürfen doch in den Kreißsaal

Vor zwei Jahren führte Chefarzt Gerd Degoutrie (r.) durch den neu eröffneten Kreißsaal des Helios Klinikum Niederberg.

Vor zwei Jahren führte Chefarzt Gerd Degoutrie (r.) durch den neu eröffneten Kreißsaal des Helios Klinikum Niederberg.

Foto: Ulrich Bangert / WAZ Fotopool

Velbert-Mitte.  Helios-Klinikum hatte am Wochenende Väter aus dem Kreißsaal verbannt. Nun hat die Klinik ihre Maßnahme zurückgenommen – unter Bedingungen.

Im Helios-Klinikum Niederberg dürfen werdende Väter nun doch wieder unter bestimmten Bedingungen mit in den Kreißsaal, um ihrer Partnerin bei der Geburt des Kindes beizustehen. Dies teilte das Klinikum am Montagabend mit. Am Wochenende hatte Helios den Kreißsaal für die Männer gesperrt. Das hatte Proteste von Hebammen und werdenden Müttern hervorgerufen.

Hebamme Iris Eichholz bereitet Paare in Kursen auf die Geburt ihres Kindes vor. Auch ein junges Paar, die werdende Mutter 21 und der Vater 23 Jahre alt. „Unter der Geburt musste der Vater den Kreißsaal und seine Partnerin verlassen, weil das Klinikum die Regeln geändert hat“, berichtet die Hebamme. Nachdem die Frau eine schmerzstillende PDA bekommen habe, habe der Mann raus gemusst. „Für die junge Frau war das ganz schrecklich“, so die Hebamme weiter. Unter den werdenden Müttern in Velbert hatte sich die Kreißsaalschließung für Männer in Windeseile herumgesprochen. „Drei von meinen Paaren hatten sich gemeldet und wollten nun lieber eine Hausgeburt“, sagt Eichholz weiter.

Es ist nicht einfach, positiv zu bleiben

Eine besorgte werdende Mutter wandte sich an die WAZ. „Es ist für schwangere Frauen in der aktuellen Lage eh schon nicht einfach, positiv gestimmt zu bleiben und sich darauf zu freuen, in dieser Welt ein neues Leben zu begrüßen. Und dann nimmt man uns noch den so wichtigen Rückhalt der werdenden Väter“, schrieb die Frau. Durch den Ausschluss der Väter aus den Kreißsälen richte man großen psychischen Schaden bei den werdenden Müttern und den Vätern an.

Nun hat Helios seine Entscheidung noch einmal überdacht und teilte am Montagabend mit: „Wir alle befinden uns derzeit in einer Ausnahmesituation. Die aktuelle Lage hat auch Auswirkungen auf die Arbeit in den Kreißsälen des Helios Klinikums Niederberg. Bei der Geburt dürfen auch weiterhin der Vater oder eine andere Vertrauensperson mit im Kreißsaal sein (Stand 23.03.2020).“

Begleitperson muss beschwerdefrei sein

Allerdings müssen die Begleitpersonen gesund bzw. symptomfrei sein. Bei Krankheitssymptomen muss der Kreißsaal umgehend verlassen werden. Es ist nur eine Begleitperson ohne Wechsel erlaubt. Die Anwesenheit ist auf den Kreißsaal beschränkt. Im Kaiserschnitt-OP ist keine Begleitperson zugelassen. Bei Anwesenheit des Arztes oder Hebamme ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. „Alle präventiven Regelungen dienen dem Schutz unserer Patientinnen und Mitarbeiter sowie der weiteren Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus. Die Maßnahmen werden täglich neu bewertet und, wenn notwendig, im Hinblick auf die Sachlage angepasst“, teilt das Klinikum mit. Aufgrund der dynamische Entwicklung bittet das Klinikum werdende Eltern kurz vor der Geburt, sich tagesaktuell auf der Homepage auf http://www.helios-gesundheit.de/niederberg zu informieren.

Hebamme Iris Eichholz hebt hervor, dass die Väter oder eine Begleitperson nicht nur für die Frau, die in den Wehen liegt und eine absolute Grenzerfahrung erlebt, eine wichtige Funktion habe, sondern auch für die Hebammen vor Ort, die oft mehrere Geburten gleichzeitig betreuen müssen. „Sie wissen die Frauen gut versorgt und es immer jemand da, der bei Problemen schnell Alarm schlagen kann“.

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