Prozess

Drogengeschäfte hinter harmloser Fassade in Velbert

Einer der Angeklagten in dem Prozess um Marihuana-Handel

Einer der Angeklagten in dem Prozess um Marihuana-Handel

Foto: Dirk Lotze

Wuppertal.  Die Frau eines der Hauptangeklagten aus Velbert sagte im Prozess aus: Sie habe von den kriminellen Geschäften ihres Mannes nichts mitbekommen.

Einerseits ein scheinbar harmloser Familienvater mit angeschlagener Gesundheit, andererseits ein Hauptangeklagter in einem Drogenprozess gegen eine mutmaßliche Bande mit weit verzweigten Kontakten zu Marihuana-Lieferanten. So zeigt sich das vorläufige Bild anhand von Ermittlungsergebnissen und Zeugenaussagen über einen 30 Jahre alten Mann aus Velbert vor dem Landgericht in Wuppertal.

Zur Fortsetzung am Donnerstag (19. September 2019) trat die Frau des 30-Jährigen in den Zeugenstand. Sie verzichtete auf ihr Schweigerecht und erklärte: „Ich habe nichts mitbekommen“. Ihr Mann habe sich bemüht, vor den Kindern keine Drogen zu rauchen. In dem Verfahren stehen sieben Männer im Alter zwischen 28 und 65 Jahren unter Anklage. Sie sollen als Bande und teils bewaffnet Marihuana geschmuggelt und gehandelt haben.

Durch schwer bewaffnete Spezialkräfte verhaftet

Über den Herbst 2018 gerieten sie ins Visier der Drogenfahnder. Die Festnahmen am 12. September 2018 erledigten schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei. Tatsächlich sollen sich bei mehreren Angeklagten scharfe Pistolen und weitere Waffen gefunden haben. Belastet werden die Männer durch das Kassenbuch eines Angeklagten, das reihenweise Drogengeschäfte listet.

Im Prozess bestätigten Angeklagte, dass sich ein Teil aus der Velberter Gruppe des Rockerclubs Brothers MC kannte. Telefon-Mitschnitte belegen massive Drohungen mit Gewalt teils unter weiteren Personen im Umfeld der Geschäfte. Hauptangeklagt sind drei Männer, darunter der 30-Jährige, der in Haft sitzt.

„Ich habe irgendwann gemerkt, dass was nicht richtig war“

Im Zeugenstand, im Saal ihm gegenüber, sagte seine zwei Jahre jüngere Frau über das Familienleben aus: „Ich habe irgendwann gemerkt, dass was nicht ganz richtig war. Er hatte zu viel Geld in seiner Bauchtasche für jemanden, der nur am Wochenende als Security arbeitete.“ Nachgefragt habe sie nicht, größere Mengen Marihuana habe sie nicht gesehen. Ohne Drogen sei er oft unruhig und „gestresst“ gewesen. Bei Familienfeiern doppelt, weil er seinen Konsum nicht zeigen wollte. Ansonsten sei ihr Mann oft krank gewesen, fügte die Frau hinzu: „Ich habe gearbeitet, gekocht, gewaschen und mich um die Kinder gekümmert.“ Am 30. September 2019 wollen die Richter weiter verhandeln.

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