Innenstadt Neviges

Ehemalige Metzgerei bietet täglich Mittagstisch an

Seit März ist die Metzgerei Schmidt geschlossen – aber der Partyservice läuft weiter. Nun bieten (v. l.) Barbara Knapp, Walburga Berendt und Peter Schmidt einen täglich wechselnden Mittagstisch an.

Seit März ist die Metzgerei Schmidt geschlossen – aber der Partyservice läuft weiter. Nun bieten (v. l.) Barbara Knapp, Walburga Berendt und Peter Schmidt einen täglich wechselnden Mittagstisch an.

Foto: Alexandra Roth

Neviges.   In der früheren Metzgerei Schmidt kann man jetzt täglich warm essen. Inhaberin Barbara Knapp ist mit der ersten Woche zufrieden.

Die gute Leberwurst vermissen sie ja schon. Die große Auswahl an Wurstwaren, die persönliche Beratung für den Sonntagsbraten – und ein Schwätzchen konnte man hier auch immer halten. Doch die Metzgerei Schmidt an der Elberfelder Straße ist Geschichte. Umso mehr freut es die Stammkunden, dass ein gutes Stück Familientradition hier weiterlebt: Barbara Knapp, die Schwester des Metzgermeisters Peter Schmidt und Enkelin des Geschäftsgründers, bietet zusammen mit ihrem Ehemann Josef hier täglich einen warmen Mittagstisch an. Zum mitnehmen gab es Cordon-Bleu oder Fisch mit Kartoffelsalat schon immer, jetzt kann man hier auch essen.

Mittagessen wird täglich frisch zubereitet

Helles Holz, viel Licht und Luft, dazu die Aussicht auf die Fußgängerzone: Wo früher Brötchen verkauft wurden, wird jetzt zu Mittag gegessen. Das täglich wechselnde Angebot, stets frisch zubereitet, schätzen auch viele Angestellte aus dem Gewerbegebiet Rosenhügel. „Es schmeckt wohl nicht in jeder Kantine so richtig toll“, muss Barbara Knapp ein wenig schmunzeln. Noch sind die acht Plätze an den großzügigen Tischen unbesetzt, aber es ist eben auch noch früh am Tag. „Die erste Woche lief super“, freut sie sich und stellt klar: „Ohne den Mittagstisch hätte ich das nicht weitergemacht. Nur damit, das hätte nicht gereicht.“

Bruder will sich neue Existenz aufbauen

Dabei zeigt sie auf den Spargelsalat in Kräuter-Balsamico-Dressing und all die anderen Köstlichkeiten in der Kühltheke. Seit nunmehr 24 Jahren betreibt sie mit ihrem Mann Josef den beliebten Party-Service, der auch weiterhin bestehen bleibt. Die gesamte Belegschaft der ehemaligen Metzgerei sei anderweitig untergekommen, auch ihr Bruder werde sich eine neue Existenz aufbauen.

Wer hier zu Mittag isst? „Leute, die beim Friseur waren, die sich gegenüber Schuhe angeguckt haben, die kommen hier vorbei“, meint Barbara Knapp. Und natürlich jede Menge Stammkunden, allerdings nehmen sich die lieber Käsespätzle oder Kohlrouladen in der Alubox mit nach Hause.

Kunden sind froh darüber, dass Schmidts bleiben

So wie Manfred Förster, der heute ein bisschen früh dran ist: Sein Fisch ist noch nicht fertig. „Jeden Tag außer Samstag und Sonntag“, so erzählt der Witwer, kommt er hierher. „Man muss ja etwas zu essen kriegen, und Wirtschaft, das ist zu teuer.“ Und hier schmeckt ihm „eigentlich alles, besonders gern mag ich Forelle.“ Auf die freut er sich immer besonders, noch ein paar Besorgungen erledigen, dann wird sie wohl fertig sein.

Friedeborg Cebulla hat es da besser. Sie kann ihr Zwiebelfleisch mit Krautsalat gleich mitnehmen. „Ich hab heute mal keine Lust zu kochen.“ Dass hier kein weiteres Nagel-Studio oder ähnliches eingezogen ist, darüber ist die Stammkundin sehr froh. „Schön, dass es das hier wenigstens noch gibt, aber den Bäcker und Metzger vermisse ich schon sehr.“

Lebensmittel für den alltäglichen Gebrauch

Wo früher Pfeffersalami dicht an dicht neben Kochschinken und Sülze lag, werden jetzt Milch, Joghurt, Butter, aber auch Reis, Nudeln und Dosengemüse angeboten. Seit Schließung des Rewe-Marktes ist diese kleine Theke der einzige Ort mitten in Neviges, wo man Lebensmittel für den alltäglichen Gebrauch kaufen kann. Vor allem für ältere Menschen ein Segen, weiß Barbara Knapp. „Viele nehmen hier schnell etwas mit, was sie beim letzten Einkauf am Rosenhügel oder beim Lidl vergessen haben.“

Und viele kommen, weil hier mit Barbara Knapp auch nach Ende einer 80-jährgen Geschäftstradition noch ein Stückchen Altvertrautes geblieben ist. Lecker ist es nach wie vor, man trifft Leute – und ein Schwätzchen halten kann man immer.

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