Gesellschaft

Ein ganz besondere Zeitung in Velbert feiert Geburtstag

Diplom-Pädagoge Jesco Dörk, 2.v.l., leitet die Redaktionssitzung der Zeitung „Labyrinth“. Die Zeitung der Sozialpsychiatrischen Gesellschaft Niederberg (SGN) wird zehn Jahre alt.

Diplom-Pädagoge Jesco Dörk, 2.v.l., leitet die Redaktionssitzung der Zeitung „Labyrinth“. Die Zeitung der Sozialpsychiatrischen Gesellschaft Niederberg (SGN) wird zehn Jahre alt.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Die Sozialpsychiatrische Gesellschaft Niederberg (SGN) hat eine eigene Zeitung. Sie wird von den Patienten gemacht und wird nun zehn Jahre alt.

So lässt sich eine Redaktionskonferenz durchaus aushalten: Die Sonne scheint, es ist angenehm warm, der große Balkon bietet genügend Platz für die rund zehn Mitglieder der Zeitungsgruppe, die sich an diesem schönen Freitag Mittag zusammengefunden hat, um gemeinsam die geplante Jubiläumsausgabe zu besprechen. Im Juli 2009 wurde die „Labyrinth“ bei der Sozialpsychiatrischen Gesellschaft Niederberg (SGN) aus der Taufe gehoben, eigentlich eher durch einen Zufall.

„Wir hatten hier eine psychisch kranke Journalistin als Patientin“, erinnert sich Sozialpädagoge Jesco Dörk, „sie fand in unseren Angeboten irgendwie nicht das Richtige für sich und kam dann auf die Idee einer Zeitungsgruppe.“ Ein älterer Teilnehmer der Runde lächelt versonnen, zieht langsam an seiner Zigarette und nickt, ja er erinnert sich gerne daran zurück. „Die Journalistin und ich waren damals nur zu zweit und haben die ersten Ausgaben gestaltet, erst später hat sich ein fester Kern von etwa sechs bis acht Mitarbeitern entwickelt.“

Förderverein übernimmt die Druckkosten

Dreimal im Jahr- manchmal auch viermal- erscheint die kostenfreie Labyrinth im DIN 5 Format, die Kosten für den Druck der 200er Auflage übernimmt der Förderverein des Vereins. Mit der Zeit hat sich herauskristallisiert: Jeder Teilnehmer hat seine ganz eigenen journalistischen Stärken, was dem Magazin zugute kommt. „Wie wollen vielseitig berichten“, erklärt Gruppenleiter Dörk, „wir haben eine Teilnehmerin, die sehr gerne Tierfotos macht und Geschichten dazu schreibt, andere lieben es über Kunst zu berichten, bei Ihnen“- Dörk wendet sich dem langjährigen Teilnehmer mit der Zigarette zu, „wissen wir, Sie sind Musikexperte und Sie haben den hohen Anspruch an sich selbst, Dingen auf den Grund zu gehen über die sonst nicht oder kaum berichtet wird.“

Jeder hat sein Spezialgebiet

Wieder nickt der zurückhaltende Mann. „Ja, ich habe mich nach einer längeren Schreibblockade nun auch dem Thema psychische Krankheiten im dritten Reich gewidmet. Ich wollte wissen wir früher damit umgegangen wurde.“

Themen für die anstehenden Ausgaben finden sich meistens schnell, werden von den Teilnehmern in der Regel selbst vorgeschlagen, oft haben sie etwas mit der Lebensgeschichte der Patienten zu tun. „Ich habe viele Jahre in der Mongolei gelebt“, erzählt eine Frau, „ich schreibe daher gerne Reiseberichte.“ Unlängst wurde für die anstehende Jubiläumsausgabe Bürgermeister Dirk Lukrafka interviewt, das Ergebnis liefert wertvolle und ausführliche Einblicke in die Denk- und Sichtweise des Stadtoberhauptes.

Team überprüft Inhalte und Wertigkeit

Möglich ist das, weil die Fragen vorab lange diskutiert und auf Inhalt und Wertigkeit im Team überprüft wurden. „Wir wollen uns mit der Zeitung auch ein Stück weit der Öffentlichkeit präsentieren“, informiert Jesco Dörk, „wir zeigen so, dass wir nicht nur Nudelsalatrezepte und Bilderrätsel veröffentlichen, sondern auch anspruchsvollen, verantwortungsbewussten Journalismus betreiben.“ Eine aufmerksam zuhörende Teilnehmerin lacht. „Unsere Zeitung liegt ja auch im Klinikum Niederberg aus und wir freuen uns immer, wie viel Anerkennung dort auch von den Ärzten kommt. Im übrigens hat das Schreiben etwas unfassbar Heilsames, habe ich festgestellt: es ist für mich meine Form des kreativen Öffnens, andere malen, ich schreibe. Ich bin so froh, diese Gruppe für mich gefunden zu haben.“

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