Stadtentwicklung

Ein Graffitioutfit für das alte Velberter Hertie-Kaufhaus

Graffiti-Künstler Kiks bei der Arbeits. Sprayer aus ganz Deutschland verzierten jetzt das alte Hertie-Gebäude.

Graffiti-Künstler Kiks bei der Arbeits. Sprayer aus ganz Deutschland verzierten jetzt das alte Hertie-Gebäude.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Spray-Künstler aus ganz Deutschland legten am Wochenende an der Friedrichstraße Hand an. Der graue Betonklotz strahlt nun in bunten Farben.

Im kommenden Jahr soll das alte Hertie Kaufhaus abgerissen werden. Damit der triste graue Betonklotz bis dahin ein wenig bunter erscheint, durften jetzt – mit Genehmigung der Stadt- die Außenwände von Graffitikünstlern aus ganz Deutschland verschönert werden.

Die Mittagssonne knallt vom Himmel, es ist heiß, es gibt keinen Schatten, Reik läuft der Schweiß von der Stirn. Mit Hilfe einer Teleskopstange streicht der Duisburger einen Teil der grauen Außenfassade der Gebäudehinterseite mit blauer Wandfarbe. „Eigentlich war vereinbart, dass diese Arbeit bereits getan ist, wenn wir anreisen“, erklärt der junge Graffitikünstler leicht genervt, „das kostet echt Zeit, schön ist das nicht. Mit den eigentlichen Graffitiarbeiten können wir jedenfalls noch nicht beginnen.“

Betonbau soll zu einem farbenfrohen Hingucker werden

Reik ist einer von rund 25 jungen Sprayern, die an diesem Wochenende nach Velbert gekommen sind, um hier mit ihrer Kunst den 70er Jahre- Betonbau zumindest im letzten Jahr seiner Existenz in einen farbenfrohen Hingucker zu verwandeln. Laute Technobeats knallen aus einem Lautsprecher, überall stehen Kartons mit Spraydosen, ein paar Campingstühle, Getränkedosen.

Auf der vorderen Seite an der Friedrichstrasse, zwischen den ehemaligen Schaufenstern, grundiert „Oekodeko“ gemeinsam mit Kumpel Sascha die Wand in lachsrot, die Farbe muss erst trocknen, bevor die beiden Kieler Sprayer mit ihren eigentlichen Arbeiten beginnen können. „Ich werde gucken, dass ich verschiedene 3D-Styles kombiniere“, erklärt Sascha. Die einzelnen Abschnitte sind mit Nummern markiert, so weiß jeder der eingeladenen Künstler, welcher Bereich ihm zur Verfügung steht.

Gebäude soll künstlerisch aufgewertet werden

„Ich fühle mich echt geehrt, dass mich der Veranstalter über die sozialen Netzwerke angeschrieben und eingeladen hat“, sagt „Oekodeko“ und zieht sich seine Kappe ein wenig tiefer ins Gesicht, „das bedeutet für mich, dass er meine Arbeiten schätzt, sehr cool ist das.“ Denn: das Gebäude soll nicht willkürlich beschmiert, sondern künstlerisch aufgewertet werden. Die Säulen vor dem Eingangsbereich sind bereits von dem Langenfelder Graffiti Künstlerduo „Artletics“ kreativ, farbenschön und professionell gestaltet worden.

„Ich sehe das so, in unserer Szene gibt’s zwei Gruppierungen, die Vandalisten und uns“, beschreibt es ein Dortmunder Sprayer, während er einige Spraydosen farblich ordnet „wir haben alle irgendwann mal angefangen, als wir ganz jung waren und haben uns irgendwo illegal verewigt, das war aber mehr Rebellion, das ist heute ganz anders, wir kommen hierher um uns in unserer Kreativität auszutoben.“

Velberter Sprayer enttäuscht: Wurde nicht eingeladen

Svante beobachtet das Treiben aus der Entfernung, der 22jährige Velbert ist ebenfalls Graffitikünstler und etwas verwundert. „Wir haben hier in Velbert überhaupt keine hall of fames, so nennt man in unserer Szene legal freigegeben Flächen zum Sprühen. In Hilden etwa gibt es eine lange große Mauer, die dafür zur Verfügung steht. Und dann gibt es diese Aktion hier und es kommen Sprayer aus ganz Deutschland und wir hier wissen nix davon.“

Passanten gefällt die Aktion

Tim, der mit einer Künstlerfirma „Sociegy“ für Ablauf und Organisation zuständig ist und einige der angereisten Künstler selbst eingeladen hat, zuckt mit den Schultern. „Ich kann nichts dafür, dass er (Svante) von der Aktion nichts mitbekommen hat, jetzt sind die Flächen alle vergeben.“ Eine ältere Dame bleibt neugierig stehen, setzt sich auf ihren Rollator. „Das ist doch eine schöne Idee, dass das hier mal bunt wird“, schwärmt sie, „und ich finde auch, das Gebäude sollte erhalten bleiben und eine Disco daraus gemacht werden, hier gibt es doch gar nichts für die jungen Leute.“

Auch eine andere Passantin kann die Pläne der Stadt nicht nachvollziehen. „Das Hertiehaus ist doch ein Wahrzeichen hier, es hat einen ganz besonderen 70er Jahre Charme, den man sich zunutze machen sollte, in dem man dieses Gebäude in verantwortungsvolle Hände gibt und es für kreative Zwecke nutzt. Zumindest die Aktion heute geht da meiner Meinung nach schon mal in die richtige Richtung.

Weitere Bilder finden Sie auf waz.de/Velbert.

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