Soziale Einrichtung

Ein Stütze für Menschen mit psychischen Problemen in Velbert

Von insgesamt 45 Mitarbeitern werden die Klienten der SGN betreut. Im Haus an der Nordstraße gibt es ein umfangreiches Programm.

Von insgesamt 45 Mitarbeitern werden die Klienten der SGN betreut. Im Haus an der Nordstraße gibt es ein umfangreiches Programm.

Foto: Jasmin Weissberg

Velbert.  Die Sozialpsychiatrische Gesellschaft Niederberg ist eine wichtige Anlaufstelle. Warum psychische Erkrankungen noch immer ein Tabu sind.

Wenn man als Unwissender von außen auf das Haus in der Nordstraße 29 blickt, in dem die SGN ihren Sitz hat, ahnt nicht, was sich darin verbirgt. In Werkstätten, Gemeinschafts- und Computerräumen gibt es für Menschen mit psychischen Erkrankungen ein tägliches Programm und die Möglichkeit Teil einer kleinen Gemeinschaft zu sein, in der keiner verurteilt wird.

Bereits seit über 30 Jahren gibt es die Gemeinnützige Sozialpsychiatrische Gesellschaft Niederberg – kurz SGN – die psychisch erkrankte Menschen aus Velbert, Wülfrath und Heiligenhaus unterstützt. Doch vielen Velbertern ist die SGN trotzdem unbekannt.

Das liegt auch daran, dass Menschen, die bei der SGN Hilfe suchen, sich oft nicht trauen, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen: „Menschen mit psychischen Erkrankungen sind im Zeitalter der Inklusion immer noch nicht gleichberechtigter Teil der Gesellschaft“, beklagt Karin Wichmann, Geschäftsführerin.

Die grüne Schleife als Zeichen der Akzeptanz für psychische Erkrankungen

An ihrem Blazer hat sie eine grüne Schleife befestigt, die sie als Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung von psychisch erkrankten Menschen trägt. Damit Menschen in psychischen Krisen sich trauen, ihre Probleme offen anzusprechen und Hilfe erhalten können, braucht es Akzeptanz in der Gesellschaft. Die grüne Schleife hat sich als Zeichen dafür bereits in vielen Ländern etabliert und soll nun auch in Deutschland bekannt werden.

Es kann jedem passieren, dass er psychische Probleme bekommt

„Wenn jemand sich ein Bein bricht, geht er auch zum Arzt, ohne sich zu schämen. Genauso kann es jedem passieren, dass er psychische Probleme bekommt“, erzählt Wichmann, „Hier bei der SGN haben wir eine große Bandbreite von Menschen, im Alter von 16 Jahren bis ins Rentenalter – teils ohne einen Schulabschluss, teils mit Hochschulabschluss. Psychische Erkrankungen machen vor nichts Halt.“

In kostenlosen Beratungsgesprächen – egal ob selbst betroffen oder Angehöriger – kann sich jeder telefonisch oder im persönlichen Gespräch an die SGN wenden. Die Mitarbeiter vermitteln auf Wunsch oder nach Bedarf an komplementäre Stellen und Einrichtungen. Ein Team von 45 Mitarbeitern betreut im sozialpsychiatrischen Zentrum – SPZ – an der Nordstraße etwa 300 bis 400 Klienten.

Die 45 Mitarbeiter machen Hausbesuche, Selbsthilfegruppen und Tagesprogramm

Manche bekommen von Betreuern regelmäßig zuhause Besuche abgestattet, während andere täglich ins SPZ kommen, um an unterschiedlichsten Tagesprogramm teilzunehmen.

Für Menschen, die sich aufgrund ihrer psychischen Erkrankung nicht auf dem Arbeitsmarkt anbinden lassen, gibt es in der SGN Räumlichkeiten für verschiedenste Aktivitäten und Arbeiten.
Teilweise werden Klienten auch vom Jobcenter übermittelt und nähern sich im Tagesprogramm „ProStart“ wieder schrittweise dem Arbeitsmarkt an. Das Programm „AFL“ (ACHTUNG!FERTIG!LOS!) richtet sich an für junge Erwachsene ab 16 Jahren und ist seit sechs Jahren ein fester Anlaufpunkt für viele junge Menschen mit psychischen Problemlagen in der Region geworden.

„Unser ganzes System ist selbsterhaltend“, erzählt Wichmann. „Alle Dinge des Alltags werden von den Teilnehmern mit fachlicher Unterstützung selbst organisiert. Manche Klienten kochen das Mittagessen, andere verkaufen die Essensmarken. In den Werkstätten werden kaputte und alte Möbel repariert oder aufgehübscht.“

Nicht jeder möchte sich öffentlich zu seinen Problemen bekennen und namentlich genannt werden

Im Computerraum der hauseigenen Redaktion wird die Zeitschrift „Labyrinth“ von und für Klienten der SGN erstellt. Nicht alle Mitglieder des Redaktionsteam möchten unter ihren Artikeln namentlich genannt werden und sich so öffentlich zu ihren Problemen bekennen.

Ein Redaktionsmitglied erzählt, dass sie früher als Krankenschwester gearbeitet hat und für depressive Patienten kein Verständnis hatte: „Ich dachte mir immer: denen muss man einfach in den Hintern treten“, damit sie sich anstrengen und sich nicht so anstellen, „Und dann hat es mich selbst erwischt.“

Psychische Erkrankungen müssen enttabuisiert werden

Das Redaktionsteam ist sich einig: „Niemand wird freiwillig psychisch krank. Das sucht man sich nicht aus.“ Aber damit das auch bei allen Menschen ankommt, müssen psychische Erkrankungen auch in den Medien stärker thematisiert und enttabuisiert werden.

Aus diesem Grund verteilt Wichmann, die sich genau das zur Lebensaufgabe gemacht hat, die grünen Schleifen, zusammen mit einem Infozettel über den Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober, an jeden, der ihr bei ihrem Rundgang durch die SGN über den Weg läuft.

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