Kultur

Kinderbuch-Illustrator verliebte sich in das Dorf Neviges

Fühlen sich wohl in ihrem neuen Domizil: Jann Wienekamp mit Ehefrau Jessica Sarkac und den Kindern Janko (1) und Jaro (2).

Fühlen sich wohl in ihrem neuen Domizil: Jann Wienekamp mit Ehefrau Jessica Sarkac und den Kindern Janko (1) und Jaro (2).

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Services

Neviges.  „Lotti kann nicht pupsen“ heißt das neue Buch des Illustrators Jann Wienekamp. In Neviges fühlt sich seine Familie aus vielen Gründen wohl.

Der wichtigste Kritiker spielt gern im Garten Zirkus und möchte jetzt auf Mamas Arm. Sein Job ist fürs erste erledigt, Papa hat zum Schluss wieder alles richtig gemacht, „Lotti kann nicht pupsen“ liegt im Buchhandel. So heißt das neue Buch des Kinderbuchillustrators Jann Wienekamp. Und auch „Lotti“ wurde erst an den Verlag geschickt, nachdem Sohn Jaro (2) einen Blick hineingeworfen hatte. „Wenn Jaro ok sagt, dann ist das Buch durch. Kinder sehen anders. Mir ist wichtig, dieses Perspektive einzunehmen“, sagt der erfolgreiche Illustrator. Allerdings hat sein Kritiker nicht immer Zeit, sonder tobt lieber durch die „Villa Walla“ wie der Zweijährige sein Domizil an der Lukasstraße nennt.

Gleich in das alte Haus verguckt

Als die Wienekamps vor zwei Jahren das 1897 erbaute Haus nach einer Anzeige im Internet sahen, war es um sie geschehen. „Ja, wir haben uns da sofort herein verguckt“, erinnert sich Ehefrau Jessica. Man schlief eine Nacht drüber, „dann haben wir uns zu dem Großprojekt hinreißen lassen“, sagt Jann Wienekamp seufzend. Denn so schön die rote Backsteinfassade des Hauses, das einst für den Prokuristen der David-Peters-Werke erbaut wurde, auch aussieht: Drinnen gibt es viel zu tun. „Das ist unglaublich viel Arbeit, ich mache ja alles selbst.“

Fachwerk mühsam freigelegt

Die Mühe hat sich gelohnt: Unter schäbigem PVC kamen traumschöne Holzdielen zum Vorschein, hässliche Styropor-Platten hatten Türen verdeckt, überall mussten Renovierungssünden aus Jahrzehnten ausgemerzt werden. Ganz zu schweigen von dem Fachwerk, das Jann Wienekamp freilegte. Noch ist längst nicht alles fertig – der Familienvater muss ja schließlich auch mal zeichnen.

Giraffe Lotti ist in Not

Viele Bilderbücher hat er illustriert, die ersten bereits während seines Studiums der Sozialpädagogik, später machte er Erstlesebücher mit seinen fröhlichen Zeichnungen verständlicher. Und jetzt also „Lotti kann nicht pupsen“: Darin verschluckt Giraffe Lotti eine Fliege, die ordentlich herum im Bauch rumort. Mit vielen Tricks versuchen die anderen Tiere, der Giraffe zu helfen. Vor allem Mutter Jessica ist ganz angetan von „Lotti“

Kleiner Kulturschock nach dem Umzug

„Ich finde es gut, dass sich mal jemand traut, dieses Thema aufzugreifen. Verdauung, zur Toilette zu gehen, eben alles drum herum, das beschäftigt Kinder.“ Die 39-Jährige hat Kunst auf Lehramt studiert, berät gern ihren Mann und unterrichtet nach der Geburt des zweiten Sohnes Janko (2) jetzt wieder als Lehrerin für Sonderpädagogik. Auch sie ist froh, den Wohnsitz von Köln nach Neviges verlegt zu haben. „Auch, wenn es ganz zu Anfang schon ein kleiner Kulturschock war.“ Eben viel Grün drumherum statt pralles Leben.

Die Familie fühlt sich jetzt rundum wohl

Doch inzwischen fühlen sich die Wienekamps rundum wohl hier und wollen nicht mehr weg. „Das Kindertheater am Schloss ist toll, Wuppertal ist nicht weit, Düsseldorf, das Ruhrgebiet. Man ist mitten drin und hat trotzdem seine Ruhe, einfach schön“, findet Ehefrau Jessica. Ihr Mann erzählt noch eine kleine Anekdote, warum die Wahl auf Neviges fiel: „In der Kölner Zeitung standen zuhause jeden Tag Schlägereien und so weiter. Online las ich, dass in Neviges ein öffentlicher Blumenkübel zerstört wurde und man Zeugen suchte. Da dachte ich: Da sind wir gut aufgehoben.“

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