Innovation

Langenbergerin stellt Taschen aus Spezialpapier her

Taschen aus „SnapPap“ fertigt Christina Mutscher in ihrem Atelier an.

Taschen aus „SnapPap“ fertigt Christina Mutscher in ihrem Atelier an.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Langenberg.  Die Langenbergerin Christina Mutscher stellt Taschen aus „SnapPap“ her. Eigentlich wollte die 35-Jährige das nur nebenberuflich machen.

Es fing mit kleinen Kinderrucksäcken an, heute fertigt Christina Mutscher praktische Taschen aus Papier. Auf das Material kam die Wahl-Langenbergerin per Zufall, ein Lieferant für Stoffe hatte das Cellulose-Latex-Gemisch in seiner Auswahl und Mutscher war sofort begeistert: „Es ist reiß- und wasserfest, kann gewaschen und gebügelt werden, es kann in den Trockner.“ Dennoch ist das Gewebe so fest und beständig wie Leder, weshalb es auch veganes Leder genannt wird.

Werkstoff wird durch Benutzung immer weicher

„Das Material findet sich eher im Bastelbereich, weil das Vernähen nicht so einfach ist.“ Dabei werde der Werkstoff mit Benutzung nach und nach immer weicher. „Wenn ich es verarbeite, ist es ziemlich hart.“ Genäht hat die 35-Jährige schon als Kind, hat sich vieles selbst beigebracht: „Einfach durchs Probieren und wieder Auftrennen.“

Irgendwann fing es dann mit kleinen Kinderrucksäcken für’s Frühstück, für Brotdose und Getränk, aus üblichen Stoffen und Stoffresten an. Es kamen Schminktäschchen für Freunde dazu. Im letzten Jahr entdeckte sie das Kraftpapier „SnapPap“, das auch als Waschpapier bezeichnet wird. Da sie sehr pragmatisch ist, selbst eher Rucksäcke als Taschen trug, entwickelte sie kreative Taschen, die sie in der Praxis immer weiter entwickelt. Deshalb fertigt Christina Mutscher Kombitaschen, die mehrere Ansprüche vereint.

Christina Mutscher recycelt auch gerne Materialien

So beeindruckt eine Tasche mit kurzen Griffen und langen Henkeln, die sowohl über der Schulter als auch als Rucksack oder Tragetasche genutzt werden kann. Ihr Modell „Klappmich“ hat sie sich selbst ausgedacht, denn oft nehme man eine kleine Tasche mit und bräuchte dann eine größere. Sie recycelt auch gern, so sind aus alten Jeans „Hai-Mäppchen“ entstanden: eine kleine Mappe für Stifte, deren Reißverschluss das Haifischmaul darstellt. So entsteht ständig Neues.

Erfahrungen aus dem Familienalltag fließen in die Arbeit ein

„Ach ja, ich mache auch Bauchtaschen, die super aus ,SnapPap’ genäht werden können: weil das Material die Form behält.“ Mit einem sehr praktischen Hintergrund erläutert sie: „Es ist nicht schlimm, wenn das Kind mit dem Eis von Angelo an die Tasche kommt: man wischt es einfach ab. Und es bleiben keine Wasserflecken zurück.“ Die Mutter zweier Söhne hat diesbezüglich Erfahrungen gesammelt.

Tina Mutscher - „man nennt mich eigentlich immer nur Tina“ - produziert nicht nur nach eigenen Ideen. Im Austausch mit anderen und deren Wünschen entstehen immer wieder neue Kreationen. Dazu kommt technisches Verständnis. Die Langenbergerin ist gelernte Veranstaltungstechnikerin, hatte immer Spaß an technischen und vor allem haptischen Arbeiten.

Innenausstattung für den VW-Bus genäht

Allerdings wollte sie auch nicht täglich kreativ sein „müssen“. Als Veranstaltungstechnikerin lockte sie die Kreativität im Bereich Beleuchtung, mit entsprechenden Arbeitszeiten. Das funktionierte nicht mehr, als sie sich für Familie und Kinder entschied. In der ersten Elternzeit intensivierte sie wieder das Nähen, hauptsächlich von Kindersachen. Sie nähte aber auch die komplette Innenausstattung des eigenen VW T3-Busses, sprich Sitzbezüge, Vorhänge.

Mittlerweile besitzt sie vier Nähmaschinen, darunter auch eine Industrienähmaschine: „Damit kann ich mehrere Lagen plus Gurt vernähen. Einfache Maschinen könnten das gar nicht leisten.“ Sie näht Taschen in allen Formen, bei den Farben gibt es allerdings bislang nur zwei Brauntöne, Schwarz, Grau und Weiß.

Von innen knallig bunt

Aktuell experimentiert Tina Mutscher mit dem Einfärben von weiß: „Aber das ist sehr aufwendig.“ Von außen sind die Taschen schlicht, von innen gerne knallig bunt. „Ich habe jetzt einen neuen Händler aufgetan. Der hat richtig tolle Farben.“

Inzwischen vereinbart sie einen Vollzeitjob mit ihren Aufgaben als Mutter: „Eigentlich sollte es ein Halbtagsjob sein.“ Aber über die Präsenz in den sozialen Medien, die Vermarktung, Verkauf und Versand ihres „T.I.M.O.-Designs“, bringt sie sehr viel mehr Stunden ein: „Es ist eben nicht nur das Nähen und designen.“ Es sind aber auch nicht nur Taschen.

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