Theater Festival

Neanderland Biennale: Schräges Finale in der Velberter City

Auch ein trojanisches Pferd gehörte zu der schräg-bunten Parade durch die Velberter City.

Auch ein trojanisches Pferd gehörte zu der schräg-bunten Parade durch die Velberter City.

Foto: Uwe Möller

Velbert-Mitte.   Das Publikum grübelte - und war dann begeistert: Mit einer schrägen Parade verabschiedeten sich in Velbert die Künstler der Neanderland-Biennale.

Die Seefahrt des Odysseus – eine Rundreise durch die Straßen der Innenstadt. Der Gesang der Sirenen – so betörend wie „Weiße Rosen aus Athen“ und „Griechischer Wein“ zusammen. Mit einer schrägen Theater-Parade samt tänzelndem Trojanischem Pferd rund um Christus-Kirche und Sparkasse schloss am Sonntag die Neanderland-Biennale. Unter dem Motto Odyssee zu neuen Ufern zogen Künstler aus Frankreich, Polen und Deutschland mitsamt ihrem Publikum ums Carrée.

Da gab es Matrosen und Meeresungeheuer, ein Schiff mit atemberaubendem Aufbau voller Akrobaten, ein riesiges, aufgeblasenes Zyklopenauge – und viel Musik.

Das Publikum grübelte erst einmal

Der Start freilich gestaltete sich für die mehreren hundert Zuschauer durchaus sperrig. Das Festmahl des Königs Alkinoos mit Fanfaren, exotischen Gästen aber auch einer Streitszene brachte das Publikum erst einmal ins Grübeln. „Seltsam“, fasste Besucher Klaus-Peter Semmler aus Tönisheide zusammen. Seine Frau Ina Semmler fügte hinzu: „Man musste sich erst mal reinfinden. Irgendwann habe ich es dann begriffen. Ich finde gut, wie die Künstler hier an Land umsetzen, worum es geht.“

Und so ging es über die Strecke. Beim Zyklopen versteckte sich Odysseus zwischen Schafen. Richtung schlagersingender Sirenen büxte er gleich dreimal aus, so dass ein Matrose ihn wieder einfangen und wegtragen musste.

Tänzerinnen in Lack fütterten Matrosen

Es war die gesamte antike Sage von Odysseus Reise, die sich vor dem Publikum entfaltete, wenn auch in einem völlig neuen Gewand. Vor der Sparkasse auf der Friedrichstraße gaben Tänzerinnen in Lackkostümen den Matrosen Lotus zu essen, so dass sie ihr Ziel glatt vergaßen. Wenige Schritte weiter rangen maskierte Generäle in ordenbehangenen Uniformen um einen Erdball aus dem Strandbedarf.

„Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute kommen. Toll ist, dass die Musikschule dabei ist und dass wir überall so kleine Musikevents haben“, sagte Besucherin Birgitta Hollstein aus der Stadtmitte. Mit ihrem Mann habe sie schon einige Freunde in der Menge getroffen. Und: „Wir waren schon vor zwei Jahren bei der Biennale dabei. Es war ganz toll.“

Auch die Musikschule machte mit

Odyssee zu neuen Ufern war gezielt als Abschluss-Ereignis konzipiert – mit besonders vielen Mitwirkenden. Neben der Kunst- und Musikschule waren dabei die Young Voices, das Theater-Ensemble SpielArt und die Schlaginstrumenten-Gruppe des Integrationshilfevereins Langenberg.

Eine Zeitung der Realschule diente als Leitfaden

Die Realschule Kastanienallee hatte eine Zeitung verfasst, die so manchem Leichtmatrosen als Leitfaden durch die Reise dienen konnte. Die Martin-Luther-King-Schule steuerte Fahnen bei. Anwohner von der Grünstraße zeigten Odysseus durch Aushänge in ihren Fenstern: Dort war er zurück in der Heimat.

Auf Profiseite wirkten drei französische Theatergruppen aus Lille, Carvin und Montreuil bei der herrlich bunt-schrägen Parade mit, dazu das Teatr KTO aus Krakau in Polen. Damit waren die beiden Länder präsent, die dieses Mal die Partner der Biennale waren.

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Die Theaterparade „Odyssee zu neuen Ufern“ war der Abschluss der diesjährigen Neanderland-Biennale. Das kreisweite Festival lief dieses Mal unter dem Titel „Neue Ufer“.

Es wurde gefördert vom Land, von den Sparkassen im Kreis Mettmann, dem Goethe-Institut, dem Institut Français und dem Polnischen Institut.

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