Fastenzeit

Sieben Wochen auf lieb gewordene Gewohnheiten verzichten

In der Fastenzeit verzichten vielen Menschen auf Süßigkeiten.

In der Fastenzeit verzichten vielen Menschen auf Süßigkeiten.

Foto: imago

Langenberg.   In der Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern wollen auch viele Langenberger Bürger bewusster und achtsamer leben – durch Verzicht.

Am Aschermittwoch hat wieder die Fastenzeit begonnen, in der sich Christen 40 Tage lang auf Ostern vorbereiten. Aber auch Menschen, die mit der Kirche gar nicht so viel am Hut haben, verzichten in diesen sieben Wochen auf lieb gewordene Gewohnheiten: auf Süßigkeiten, Alkohol, Kaffee, Fernsehen oder Social Media.

Das Leben wieder bewusster machen

„Es geht darum, dass man sich das Leben wieder bewusster macht in einer Zeit, in der alles selbstverständlich und immer verfügbar ist“, sagt Pfarrer Jens Blaschta von der evangelischen Kirchengemeinde. Heutzutage gebe es jederzeit Lebensmittel aus allen Ländern der Welt und bei vielen Menschen jeden Tag Fleisch. „Jeder, der eine Zeit lang darauf verzichtet, bekommt ein Gefühl dafür, dass das alles eben nicht selbstverständlich ist – und kann es wieder besser wertschätzen.“

Verzicht auf Fleisch

Ein gutes Beispiel sei Fleisch: „Das wird immer billiger, und da sollte sich jeder mal Gedanken drüber machen. Weniger Konsum und dafür bewusster und in einer besseren Qualität – das wäre für mich eine gute Idee für die heutige Zeit.“ Als evangelischer Christ könne man die Fastenzeit auf ganz unterschiedliche Weise bedienen, sagt Pfarrer Blaschta. So hätten er selbst und seine Frau im vergangenen Jahr während der Fastenzeit auf Fleisch verzichtet. „Davon ist das eine oder andere vegetarische Rezept übrig geblieben, so dass wir auch außerhalb der Fastenzeit häufiger vegetarisch essen.“

Aschekreuz erinnert an Vergänglichkeit

Für die katholischen Christen beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch mit dem Aschekreuz, das sie nach dem Gottesdienst erhalten – ein Symbol dafür, dass der Mensch Staub ist und zu Staub zurückkehrt. So sollen sich die Gläubigen ihrer Endlichkeit bewusst werden – und Ostern dann die Auferstehung und das ewige Leben feiern. Die Gläubigen sollen in der Fastenzeit als äußeres Zeichen von Buße und Besinnung auf Dinge verzichten, die ihnen angenehm sind – wie Süßigkeiten oder Alkohol. Zudem sollen sie nur eine volle Mahlzeit am Tag und je zwei kleinere Stärkungen zu sich nehmen. An allen Freitagen soll zudem auf Fleisch verzichtet werden, weil der Freitag an den Tod Jesu Christi erinnert.

Nicht so exzessiv leben

Die Langenberger Bürger selbst halten es ganz unterschiedlich mit dem Fasten. „Ich nutze diese Zeit jedes Jahr, um mehr auf meine Gesundheit zu achten“, sagt der SPD-Politiker Volker Münchow. Deshalb gibt es in der Fastenzeit für ihn „öfter mal Suppe oder Rohkost“. Außerdem trinke er bis Ostern nur sporadisch Alkohol und verzichte auf Süßigkeiten. „Ich versuche bewusster zu leben, nicht so exzessiv“, fasst der stellvertretende Bürgermeister zusammen.

Keine religiös orientierten Vorgaben

Thomas Hoeveler vom „kleine welttheater“ hat mit der christlichen Fastenzeit weniger am Hut. „Wenn ich auf etwas verzichte, habe ich meine individuelle Zeit dafür“, sagt der Künstler. „Ich halte mich dabei nicht an religiös orientierte Vorgaben.“ Ähnlich wie Pfarrer Blaschta verzichtet auch Hoeveler bewusst auf Fleisch: „Ich genehmige mir hin und wieder mal ein Steak – aber dann bewusst. Und es sollte dann eine gute Qualität sein, weil mich die Vorstellung der Massentierhaltung anekelt.“

>>>7WOCHEN8SAM

  • Das Erzbistum Köln hat für 2019 eine besondere Aktion für Paare ins Leben gerufen: Unter dem Motto „7Wochen8sam“ soll die Fastenzeit für sich selbst und für einander genutzt werden.
  • Um das Ungewohnte im Gewohnten zu sehen, gemeinsam Neues zu entdecken, Verbundenheit und Freude zu erfahren und aufmerksam zu werden für Gottes Gegenwart können sich Paare auch in der katholische Gemeinde Langenberg insgesamt acht Themenbriefe zusenden lassen.
  • Bei den evangelischen Christen heißt es unter dem Fasten-Motto „7 Wochen ohne“ in diesem Jahr „Mal ehrlich! Sieben Woche ohne Lügen“.

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