Taubenzucht

Tierschützer: Züchter riskieren Tod von vielen Tauben

Fast 2000 Tauben sollen von Erlangen aus den Weg in ihre nordrhein-westfälische Heimat finden.

Fast 2000 Tauben sollen von Erlangen aus den Weg in ihre nordrhein-westfälische Heimat finden.

Foto: dpa

Velbert.  Velberter Züchter wollen Tauben von Erlangen zurück in die Heimat fliegen lassen. Tierschützer von Peta üben heftige Kritik: Skrupelloses Hobby.

Es ist eine Sportart, auf die Tierschützer gar nicht gut zu sprechen sind: Laut Ankündigung des „Verbands Deutscher Brieftaubenzüchter e.V.“ planen die „Brieftauben-Liebhaber-Reisevereinigung Velbert und Umgebung e.V.“ gemeinsam mit zwei anderen Vereinen am Samstag einen so genannten Taubenauflass in Baiersdorf bei Erlangen. 1900 Tiere sollen dabei die Strecke von teils mehr als 330 Kilometern zu ihrem Heimatschlag zurückfinden.

Die Tierschutzorganisation PETA sieht den Flug und überhaupt den Taubensport sehr kritisch.

„Der natürliche Lauf der Dinge“

In einer Stellungnahme zu der Veranstaltung heißt es: „Bei solchen Wettflügen sterben regelmäßig zahlreiche Vögel an Erschöpfung, Flüssigkeitsmangel, Hunger oder weil sie Greifvögeln und anderen Gefahren zum Opfer fallen. Weitere Tiere finden aufgrund von Desorientierung nicht zurück.“ Elena Finke vom „Verband Deutscher Brieftaubenzüchter e.V.“ gibt zwar zu, dass ab und an eine Taube von einem Greifvogel gefressen würde - das aber sei der natürliche Lauf und habe nichts mit den Wettflügen zu tun.

Tierschützer fordern ein Verbot der Wettflüge

Für die Tierschützer läuft das Ganze aber sogar dem Tierschutz zuwider. Deshalb fordern sie ein Verbot von Taubenwettflügen in Deutschland. „Bei den Wettflügen nehmen die Züchter den Tod vieler Tiere billigend in Kauf – diese Art der ‚Auslese‘ gehört für sie dazu. Diese Tierquälerei ist nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes strafbar und muss daher von den Veterinärbehörden unterbunden werden“, erklärt Nadja Michler, Fachreferentin bei Peta. „Oft werden die Tauben bewusst von ihren Partnern oder ihrem Gelege getrennt, damit sie möglichst schnell in den Schlag zurückfliegen. Die Treue der Vögel so rücksichtslos auszunutzen, zeigt abermals, wie skrupellos dieses ‚Hobby‘ ist.“

Finke widerspricht: „Die Tauben haben ein natürliches Heimkehrvermögen. Warum das so ist, weiß die Wissenschaft noch nicht so genau. Vielleicht wegen des Magnetfeldes der Erde, vielleicht wegen des Sonnenstandes, vielleicht wegen einer Kombination aus vielen Dingen. Außerdem sind 600 bis 700 Kilometer für Tauben gar nichts, das fliegen sie ohne Pause.“

Peta moniert hohe Verlustraten

Doch die Tierschutzorganisation führt Statistiken an, um ihren Standpunkt zu untermauern und erklärt: „Beim ‘Brieftaubensport’ steht die Leistung der Vögel im Mittelpunkt, ihr Wohlbefinden spielt in der Regel keine Rolle.“ So gäbe es bei Taubenwettflügen Verlustraten von durchschnittlich 53 Prozent. Einer Studie des Schweizer Tierschutzes (STS) zufolge lägen die Verlustraten bei untersuchten Wettflügen in der Schweiz sogar bei rund 75 Prozent.

„Viele Tauben kommen später an“

Dem stellt sich Finke entschieden entgegen. „Meistens kommen viele Tauben einfach viel später an“, sagt sie. Diese würde die Tierschutzorganisation aber gar nicht mehr einbeziehen in ihre Statistiken. „Es gibt sogar häufig Fälle, in denen 100 Prozent der losgeschickten Tauben zurückkommen.“

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