Musik

Velbert: Fanfarencorps Neviges braucht dringend Verstärkung

Freuen sich auf Zuwachs (v. l.): Martin Pröpper, Karin Ballmann-Schaller, Karl-Heinz Stellberger, Daniel Hurek, Heinz Josef Pröpper, Franz Hurek, Rafael Hurek als Unterstützer, Heike Fischer, Dirk Schaller, Andreas Fischer und Yasemin Augst proben jeden Dienstag im Pfarrheim St. Antonius in Tönisheide.

Freuen sich auf Zuwachs (v. l.): Martin Pröpper, Karin Ballmann-Schaller, Karl-Heinz Stellberger, Daniel Hurek, Heinz Josef Pröpper, Franz Hurek, Rafael Hurek als Unterstützer, Heike Fischer, Dirk Schaller, Andreas Fischer und Yasemin Augst proben jeden Dienstag im Pfarrheim St. Antonius in Tönisheide.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Neviges.  Das Fanfarencorps Neviges 1957 sucht neue Musiker. Zwar ist der Verein jünger geworden, doch er schrumpft. Ein Mitglied vermutet, warum.

Daniel hat es vor drei Jahren gepackt: Als er mit Papa Franz Hurek auf der Hubertusmesse den Trommelwirbel hörte, die Blasmusik, die durch den Dom schallte, da war es um den damals Zehnjährigen geschehen: „Das wollte ich auch machen, das gefiel mir.“ Seitdem trommelt Daniel selbst, was das Zeug hält und ist mit seinen 13 Jahren der jüngste Musiker im Fanfarencorps Neviges 1957. Auch Yasemin Augst (20), begeisterte Trompeterin, ist ein Beispiel dafür: Überaltert ist das Fanfarencorps ganz sicher nicht. Das Problem ist ein anderes: Es muss Verstärkung her. Das Traditions-Orchester ist über die Jahre dermaßen geschrumpft, dass es in diesem Jahr weder beim Schützenfest noch zu Karneval auftritt.

Das Orchester ist geschrumpft

„Ich kann das nicht verantworten, eine Teilnahme verbindlich zuzusagen. Wir sind zurzeit zu Elft. Falls dann noch ein oder zwei krank werden sollten, können wir das nicht stemmen“, sagt der 1. Vorsitzende Andreas Fischer. „Aber die Vereine haben Verständnis, man kennt sich ja seit Jahren.“ Früher, da sorgten mehr als 20 Musiker mit Pauken und Trompeten für Stimmung, zog ein langer Spielmannszug beim Tönisheider Schützenfest durch die Straßen. Martin Pröpper (50), der seit 40 Jahren dabei ist, nennt zwei mögliche Gründe für den Rückgang: „Das ist der Trend der Zeit, alle Vereine und Chöre haben ja zu kämpfen.“ Beim Fanfarencorps komme noch eine Besonderheit hinzu. „Hier machen oft ganze Familien mit. Und wenn dann jemand aus irgendeinem Grund aufhört, kommen die anderen auch nicht mehr.“ Was in seiner Familie undenkbar ist: Seit nunmehr 59 Jahren ist Vater Heinz Josef Pröpper (75) dabei, der für sein ehrenamtliches Engagement beim Fanfarencorps sogar mit dem Ehrentaler der Stadt Velbert ausgezeichnet wurde.

Saisonauftakt am 1. Mai

Ja, das Fanfarencorps schweißt zusammen, manchmal auch fürs Leben: So haben sich Heike und Andreas Fischer, die ersten und zweiten Vorsitzenden, hier kennengelernt und geheiratet. Und der 13-jährige Daniel Hurek freut sich, dass sein Papa ihn nicht nur zu den Proben fährt, sondern mittlerweile selbst leidenschaftlich gern auf die Pauke haut. Im Moment laufen gerade jeden Dienstagabend im katholischen Gemeindehaus in Tönisheide die Vorbereitungen für den Auftritt am 1. Mai auf Hochtouren: Dann läutet das Fanfarencorps traditionell im Parkhaus Seidl die neue Saison ein. Für Daniel alles schön, aber auch nichts Weltbewegendes: „Ich kann ja nicht nur trommeln. In der Schulband spiele ich Schlagzeug, E-Gitarre kann ich auch und wenn ich Noten habe, geht auch Keyboard.“

Fester Bestandteil des Lebens

Dagegen ist für Karin Ballmann-Schaller klar, woran ihr Herz musikalisch hängt: „Ich spiele seit 35 Jahren Fanfare, das einzige Instrument, an dem ich hängen blieb. Mir würde etwas fehlen, wenn ich hier nicht nicht mehr spielen könnte.“ Und dass es nie zu spät ist, sich auf Neues einzulassen, dafür ist Geschäftsführer Karl-Heinz Stellberger das beste Beispiel: Der 73-Jährige ist erst mit 60 Jahren zum Fanfarencorps gekommen und liebt sein Blasinstrument: „Ich hab früher auch Klavier gespielt. Aber ein Klavier kann man nicht überall mithinnehmen.“ Und auch nicht mit Tschinderassabumm durch die Straßen ziehen, was das Orchester bald wieder tun möchte. Aber dazu muss es wieder ein bisschen größer werden.

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