Datenschutz

Velberter Grundschulen setzen auf Vernunft statt Foto-Verbot

Die Einschulung ist ein wichtiger Tag für Eltern und Kinder. Es soll im Foto festgehalten werden. Eltern sollten darauf achten. dass sie keine fremden Kinder im Internet veröffentlichen.

Die Einschulung ist ein wichtiger Tag für Eltern und Kinder. Es soll im Foto festgehalten werden. Eltern sollten darauf achten. dass sie keine fremden Kinder im Internet veröffentlichen.

Foto: Fischer / Funke Foto Services GmbH

Velbert.  Immer mehr Eltern veröffentlichen Bilder von Schulfeiern im Internet. Velberter Grundschulen setzen auf Information und Verstand

Nachdem in Ostdeutschland und verschiedenen NRW-Städten bereits Foto-Verbote für Schul-Veranstaltungen ausgesprochen worden sind, machen sich nun auch die Velberter Schulen Gedanken um ihre Handhabung mit der mehr oder weniger neuen europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO). Erst vor Kurzem hatten erste Schulen – etwa in Mülheim an der Ruhr - begonnen, Einschulungsfotos komplett zu verbieten: Sie scheinen unsicher zu sein, was die DSVGO betrifft, und wollen natürlich auch ihre Schüler schützen – vor unbedachtem Hochladen von Fotos, die schnell in die falschen Hände gelangen können.

„Es geht hier nicht um das Foto an sich, sondern um das Posten des Fotos“, erklärt Sabine Klose, Rektorin der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule Birth. Deshalb habe ihre Schule die Eltern bereits darauf hingewiesen, keine Bilder zu posten, die in irgendeiner Form rechtswidrig sein können. Und das geht schneller als gedacht: Machen Eltern etwa Fotos von mehreren Kindern und laden dieses hoch, wird die Sache bereits problematisch – obwohl auch das eigene Kind auf dem Bild zu sehen sein kann.

Das klassische Bild mit Schultüte

„Von meiner Einschulung gibt es auch noch ein Bild, auf dem ich mit meiner Schultüte neben einer Tafel im Klassenzimmer stehe“, erzählt Rektorin Klose. „So ein Foto darf natürlich auch bei uns jeder von seinem Kind machen.“ Verboten hingegen ist etwa das Filmen der gesamten Einschulungs-Zeremonie. Bereits vor einigen Wochen hatte die Schule die Eltern der zukünftigen Erstklässler auf die Problematik hingewiesen, denn es kommt vermehrt zu Problemen in diesem Bereich.

Rechtsanwalt hinzugezogen

„Vor einiger Zeit hatten wir das Zirkus-Projekt mit mehr als 400 Schülern“, erzählt Klose weiter. „Da haben wir vorher darauf hingewiesen, dass die Eltern nicht filmen oder fotografieren sollen - und die Stimmung war super; weil die Eltern endlich mal die Hände zum Klatschen frei hatten.“ Grundsätzlich, erzählt Klose, habe ihre Schule wegen der Datenschutzverordnung vor einiger Zeit mal einen Rechtsanwalt hinzugezogen. „Normalerweise“, so das Ergebnis der juristischen Untersuchung, „müssten wir für jede Veranstaltung abfragen, ob die Eltern damit einverstanden sind, dass ihr Kind fotografiert wird“. Bei 430 Schülern und vielen verschiedenen Veranstaltungen pro Jahr eine bürokratisch kaum zu bewältigende Aufgabe.

Immer ohne Namensnennung

Zwar nicht vor jeder Veranstaltung, aber vor jedem Schuljahr fragt die Städtische Gemeinschaftsgrundschule Nordstadt ab, ob die Eltern erlauben, dass ihr Kind fotografiert wird. „Bei der Veröffentlichung immer ohne Namensnennung“, wie Schulleiterin Brigitta Schumacher erklärt. „Ich denke“, sagt sie, „dass ich in diesem Jahr vor der Einschulung den Eltern sagen werde, dass sie die Fotos, die sie machen, nicht so einfach veröffentlichen dürfen“. Für Schumacher ist die Problematik durchaus ein Spagat: „Auf der einen Seite will ich den Eltern natürlich das Fest nicht verderben, aber auf der anderen Seite muss ich einfach darauf hinweisen.“

Das NRW-Schulministerium hatte bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, die Eltern für den adäquaten und dem Datenschutz entsprechenden Umgang mit Fotos zu sensibilisieren. „Was aber heißt denn ‘sensibilisieren’?“, fragt Schulleiterin Schumacher. „Das ist ja ein dehnbarer Begriff.“ Und so wird es auch weiterhin allerlei Wirren rund um die Datenschutzverordnung geben.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben