Prozess

Velberterin vor Gericht: Hausfriedensbruch im Supermarkt

Wegen Hausfriedensbruchs bei einem Discounter musste sich einen  Langenbergerin vor dem Gericht verantworten.

Wegen Hausfriedensbruchs bei einem Discounter musste sich einen Langenbergerin vor dem Gericht verantworten.

Foto: Kurt Michelis

Wuppertal.  Eine Langenbergerin hat nach einem skurrilen Prozessverlauf eine Strafe wegen Hausfriedensbruch akzeptiert. Sie hatte ein Hausverbot ignoriert.

Mit einem einzigartigen Auftritt präsentierte sich eine 58 Jahre alte Angeklagte aus Langenberg vor dem Landgericht. Mit ihrer Berufung wehrte sie sich gegen eine Geldstrafe wegen Hausfriedensbruchs in einem Lebensmittel-Discounter. Bundesweit steht sie in allen Läden der Kette unter Hausverbot. Eine Verschwörung, wie sie erklärte. Der Richter kämpfte beharrlich gegen die Wortflut der Angeklagten. Er konnte die Frau schließlich überzeugen, ihre Strafe anzunehmen.

Laut Anklage befand sich die Frau im September 2018 im Langenberger Laden des Unternehmens, obwohl es ihr die Filialleitung eine Woche zuvor verboten hatte. Die 58-Jährige sei auf einer Kühltruhe herum geklettert, um an Ware in einem Regal zu kommen. Schon in den Wochen zuvor sei sie vielfach im Geschäft angeeckt.

„Man wollte mir eins auswischen“

Im Gericht sagte die Angeklagte wiederum über das Hausverbot: „Das war Willkür! Man wollte mir eins auswischen.“ Es sei „ein abgekartetes Spiel“, die Beteiligten würden „lügen wie gedruckt“. So ein Verbot sei „ein Eingriff in die Lebensführung“ und deshalb schon nicht rechtens.

Sichtlich hoch erstaunt reagierte die 58-Jährige, als der vorsitzende Richter ihr widersprach: Doch, das Unternehmen könne sich aussuchen, wen es als Kunden haben will. Es dürfe sogar willkürlich sein. Und der stellvertretende Filialleiter sei genau der Richtige für so eine Entscheidung. Worauf die Frau sagte, eine Marktmitarbeiterin habe sie doch sogar rein gerufen. Die wolle das aber jetzt nicht mehr wahr haben. Und ja, bestätigte die Angeklagte, sie sei aufgebracht: „Sie wären auch angefressen, wenn einer noch lügt.“

„Sie machen ja einen ganz vernünftigen Eindruck“

Die Antwort des Richters, in freundlichem Ton: „Ich wäre aber auch nicht rein gegangen, wenn ich Hausverbot gehabt hätte.“ Rechtlich sei die Berufung aussichtslos und teuer.

Das brachte die Angeklagte ins Nachdenken. Über den Richter merkte sie an: „Sie machen ja einen ganz vernünftigen Eindruck.“ Dann nahm sie das frühere Urteil des Amtsgerichts an. Die Frau muss 600 Euro in Raten an die Landeskasse zahlen. Die Strafe entspricht ihrem Einkommen von 40 Tagen.

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