Arbeit

Zahl der Ein- und Auspendler hält sich in Velbert die Waage

Die Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr ist in Velbert recht einseitig: Wer von Mitte aus pendeln muss, ist auf den Bus angewiesen. Nevigeser und Langenberger können auch die S-Bahn nutzen.

Die Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr ist in Velbert recht einseitig: Wer von Mitte aus pendeln muss, ist auf den Bus angewiesen. Nevigeser und Langenberger können auch die S-Bahn nutzen.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Velbert.  Rund 20.000 Menschen pendeln jeden Tag von Velbert in die Nachbarstädte, genau so viele kommen in die Stadt. Ein Gespräch mit zwei Pendlern.

Pendler – sie gehören seit langem zum Alltag in Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben des statistischen Landesamtes IT.NRW sind es Tag für Tag rund 4,7 Millionen Berufstätige, die mit Bus, Bahn, Auto oder anderen Verkehrsmitteln zu ihrem Job pendeln. Das ist gut die Hälfte aller Beschäftigten.

Nach Velbert kommen täglich 20.060 Menschen, fast genau so viele – nämlich 21.688 – verlassen jeden Tag die Stadt. Dazu kommen 20.614 Menschen, die zwischen den Stadtbezirken unterwegs sind. Zwei von ihnen sind Renate Zanjani und Fabian Mühlenbrock. Zanjani kommt sei mehr als 20 Jahren aus Düsseldorf ins Büro nach Velbert, Mühlenbrock pendelt berufsbedingt nach Essen.

Täglich ins Hotel nach Essen

„Vor 15 Jahren habe ich meine Frau kennengelernt. Und da ich in meiner Heimatstadt Bremen keinen Job gefunden habe, bin ich zu ihr nach Neviges gezogen“, erzählt der 35-Jährige gelernte Restaurantfachmann Mühlenbrock. In Velbert gab es Arbeit für ihn, aber nur kurz. „Ich habe dann Anstellungen im Umfeld gefunden, unter anderem in Mettmann.“

Die Nahverkehrsverbindung ist schlecht

Acht Jahre habe er dort gearbeitet, nun ist er seit etwa eineinhalb Jahren Chef de Rang in einem Essener Hotel. „Ich nutze das Auto, um zur Arbeit zu kommen, da die öffentlichen Verkehrsmittel zu meinen Dienstzeiten nicht oder nur unzureichend fahren.“ Locker ein Stündchen brauche er mit Bus und Bahn, erzählt Mühlenbrock, „mit dem Auto geht es viel schneller. Je nach Verkehr auf der Ruhrallee brauche ich 25 Minuten.“

Nach Essen umziehen käme für ihn nicht in Frage, „mit Kindern im Kindergarten ist das keine Option“, sagt der 35-Jährige, der auf dem Hinweg zur Arbeit meist alleine unterwegs ist. „Aber auf dem Rückweg nehme ich schon Kollegen mit, oder den Azubi, der noch keinen Führerschein hat.“ Einen Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr könnte sich Fabian Mühlenbrock schon vorstellen, aber nur unter zwei Bedingungen: eine bessere Taktung und „wenn ich umgerechnet für das Monatsticket nicht mehr mehr bezahlen muss als fürs Tanken.“

Entspannte 30 Minuten Fahrt ab Düsseldorf

Renate Zanjani macht die Öffentlichkeitsarbeit für die Bergische Diakonie und leitet die Tafel für Niederberg. „Ich bin geboren und lebe in Düsseldorf.“ In der Landeshauptstadt hat sie auch zunächst gearbeitet: als stellvertretende Leiterin in einem Heim für wohnungslose Frauen. „Aber ich hatte kleine Kinder und musste nachts und in Wechseldiensten arbeiten. Das war nicht so schön“, erzählt sie.

In Velbert sei dann eine Stelle frei gewesen – das war 1998. Seit dem pendelt Zanjani jeden Tag 30 Minuten. Mit dem Auto. „Ich musste zwei Mal mit Bus und Bahn fahren, das war eine Katastrophe“, schildert sie. „Ich war für eine Fahrt gut zwei Stunden unterwegs. Und es war Winter. Da habe ich mir gesagt: ,Nie wieder’.“

Viel übers Pendeln nachgedacht

Ein Umzug kam für sie und ihre Familie nicht in Frage, „aber ganz so schlimm ist das auch nicht. Ich wohne am Düsseldorfer Rand und fahre azyklisch. Da komme ich fast ohne Stau aus.“ „Hätte der ÖPNV eine bessere Taktung und gäbe es gute Anschlüsse, wäre das überhaupt kein Thema. Aber da sind wir ja weit von entfernt.“

Ganz unabhängig vom Straßenverkehr oder nicht gut getaktetem öffentlichen Nahverkehr habe sie in den letzten Jahren viel übers Pendeln nachgedacht, berichtet Renate Zanjani. „Beruflich bin ich in der Region unterwegs und gut vernetzt. Privat bin ich in Düsseldorf unterwegs.“ Aber, so fährt sie fort: „Das führt dazu, dass ich in beiden Städten nicht so richtig zu Hause bin.“

In Velbert sei sie nicht privat unterwegs und in Düsseldorf fehle ihr oft die Zeit. „Es gibt in beiden Bereichen eine Verwurzelung, aber trotzdem habe ich über die Jahre gemerkt, dass manchmal dieses Gefühl da ist, nicht richtig zu Hause zu sein.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben