Sozialverband fürchtet Diskrimierung

Vorbehalte auch gegen neues Sozialticket

So sieht’s aus. Mein Ticket wird das Sozialticket künftig heißen.Blau ist seine Farbe.Foto: Thomas Nitsche

So sieht’s aus. Mein Ticket wird das Sozialticket künftig heißen.Blau ist seine Farbe.Foto: Thomas Nitsche

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Vest. Ernst Bollmann ist empört. Als der Marler in der WAZ las, dass der Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) eine Umbenennung des Sozialtickets plant – es soll künftig zwar „Mein Ticket“ heißen, sich farblich aber immer noch von anderen Tickets unterscheiden – griff er zum Telefonhörer und rief in der Redaktion an. „Das ist doch immer noch diskriminierend. Warum müssen Hilfeempfänger denn auf diese Art gekennzeichnet werden?“, fragt der 83-Jährige. Vorbehalte gegen Leistungsempfänger gebe es schließlich immer noch. Als früherer Rentenfachmann bei der Stadt Recklinghausen habe er vielfach diese Erfahrung gemacht.

Beim Sozialverband Deutschland sehen sie es ähnlich. „Es muss doch nicht gekennzeichnet werden, dass jemand Leistungsempfänger ist“, sagt Michaela Gehms, die Sprecherin des NRW-Landesverbands. „Warum wird nicht einfach ein Ticket 1000 oder Ticket 2000 abgegeben?“ Natürlich müsste bei der Ausgabe des Tickets die Berechtigung nachgewiesen werden. Alles weitere sei aber ein interner Prozess. Es könnte dann ein Monatsticket mit üblichem Aussehen ausgegeben werden.

Dürftige Nachfrage am Sozialticket

Allerdings übt der Verband nicht nur Kritik an Namen und Farbgebung des neuen Monatsfahrscheins: „Aus unserer Sicht ist es zu teuer. Schließlich sind in den Hartz IV-Sätzen nur 20 Euro für Mobilität vorgesehen, der Preis liegt aber bei 29,90 Euro.“ Und zum Teil gehe es auch am Bedarf vorbei. Nicht jeder, so die Pressesprecherin, benötige ein Monatsticket. Es fehle das Angebot von Einzel- und Mehrfahrtenscheinen zu vergünstigten Preisen. Die dürftige Nachfrage am Sozialticket zeige auch, dass das Angebot nicht genau den Bedarf treffe. Im Vest nutzen monatlich nur 2000 von etwa 70 000 Leistungsempfängern das verbilligte Angebot der Vestischen.

„Man muss allerdings sagen, es ist gut, dass es überhaupt dieses Angebot gibt“, räumt Michaela Gehmes ein. Positiv sei auch, dass Ende 2012 die Pilotphase beendet sei und damit auch „der Flickenteppich“ ein Ende haben werde. Bislang konnten Kommunen entscheiden, ob sie am Pilotprojekt teilnehmen und das Sozialticket einführen oder nicht. Von 2013 an soll es im VRR-Bereich flächendeckend als „Mein Ticket“ eingeführt und in den Regeltarif aufgenommen werden, unabhängig von der Bewertung der Kommunen und Kreise. Zudem wächst der Gültigkeitsbereich: im Vest von einer Stadt auf das gesamte Kreisgebiet. Die Entscheidung darüber wird der Verwaltungsrat am kommenden Donnerstag fällen.

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