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Spiritualität von verschiedenen Seiten gesehen

Symposium "Herr, entrümple meinen Geist" im Festsaal der LWL-Klinik (von links): Peter Schallenberg, Daniel Gerte, Ewald Rahn.

Symposium "Herr, entrümple meinen Geist" im Festsaal der LWL-Klinik (von links): Peter Schallenberg, Daniel Gerte, Ewald Rahn.

Foto: WP

Warstein.   „Herr, entrümple meinen Geist!“ war das Symposium zum Thema Spiritualität im LWL-Festsaal überschrieben. Es gab interessante Einsichten.

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Ein erstes Brainstorming, Austausch mit anderen Interessierten und Fachleuten: „Hinter dieser Veranstaltung steht das Bestreben, Spiritualität fruchtbar zu machen“, lud Dr. Daniel Gerte, Lehrer für katholische Religion und Philosophie, am Samstagvormittag unter dem aufforderndem Slogan „Herr, entrümple meinen Geist!“ in den LWL-Festsaal ein.

Gemeinsam mit zwei weiteren Referenten – Dr. Ewald Rahn, stellvertretender ärztlicher Direktor der LWL-Klinik und Chefarzt der Abteilung Allgemeine Psychiatrie sowie Prof. Dr. Peter Schallenberg, Professor für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Paderborn – wurde die Thematik rund um die Spiritualität aus den drei verschiedenen Sichtweisen Religion, Ethik und Gesundheit beleuchtet, die besonders in der Fastenzeit ausgeglichenen Geist und positives Beziehungsgeschehen der Menschen unterstützen soll. Besonders begrüßte Gerte daher Dechant Thomas Wulf, Vikar Manuel Klashörster und Diakon Ludger Althaus als Vertreter des Pastoralverbundes.

Zeitreise

„Am Anfang war der Sinn!“ Unter dieser Überschrift begann Gerte mit einer Zeitreise rund 3500 Jahre zurück seine Ausführungen. Die Antwort, woher Naturschauspiele, wie etwa Blitz und Donner, das Leuchten der Sterne oder die Erschaffung der vier Elemente, stammen, liege laut religiöser Interpretation im Schöpfungsmythos, an dem wir selbst aktiv teilhaben: „Die Ellipse der Wirklichkeit hat zwei Brennpunkte, die Wissenschaft und das Nicht-Sichtbare“, zitierte Gerte den evangelischen Theologen Heinz Zahrnt, denn die Welt bestehe laut des Johannes-Evangeliums hauptsächlich aus sinnlichen Faktoren und der Lebenssinn somit – wie die christliche Form von Spiritualität besagt – aus dem tiefgreifenden Gefühl von Liebe, der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus. Im Gegensatz zu Faktoren wie Hoffnung, Glaube und Zuversicht stehe die lebenshinderliche Form von Spiritualität, wie im weiteren Sinne etwa der Materialismus: „Daher sollte man auf seinen Geist hören und stets Ausschau nach dem Sinn halten“, appellierte Daniel Gerte und übergab an Ewald Rahn, der als Mediziner eine eher pragmatische Sichtweise vorstellte.

Hinsichtlich des medizinischen Fortschritts sei ein ethischer Standpunkt in diesem Bereich inzwischen Voraussetzung: „Es ist völlig legitim, sich beispielsweise im Krankheitsfall auf das Gefühl der Hoffnung zu konzentrieren“, so Rahn. „Dennoch ist Religiösität nicht an sich heilsam, sondern erst wenn sie verstanden wird.“ Besorgt blickte der stellvertretende ärztliche Direktor auf eine Sinnsuche ohne Gottesorientierung – denn nimmt das Interesse für diese ab, müsse etwas Unbekanntes, Neues folgen, das Sinn und Gemeinschaft stifte. Heilsam für den Geist sei eine Mischung aus Demut, die helfe, sich der Welt aus einer unterlegenen Position zu widmen, und Akzeptanz, bei geistiger Unausgeglichenheit offen gegenüber der Psychotherapie zu sein. Denn diese sei inzwischen vielmehr ein Verfahren voller spiritueller Techniken anstatt medikamentös: „Nur mit dieser Offenheit kann man tiefste Hoffnungslosigkeit verlieren.“

Moralisch-theoretischer Ansatz

Peter Schallenberg als abschließender Referent brachte den moraltheoretischen Ansatz näher. Drei natürliche Neigungen habe der Mensch: Lebenserhaltung, Kommunikation und Sexualität. Entscheidungsfindung sei dabei das Stichwort, das im christlichen Leben zu gutem Geist, Glückseligkeit und der Einübung der Ewigkeit führen soll, davon ausgehend, was uns in Zukunft erwarte und was zur Verbesserung des eigenen Menschseins beitrage: „Die schlimmsten Konsequenzen für unsere Handlungen erhalten wir von uns selbst, nicht von anderen“, bezog sich Schallenberg auf griechische Mythologien sowie die beiden Philosophen Sokrates und Platon. „Lieber selbst leiden, als anderen Unrecht tun.“ In Kommunikation mit anderen und mit Gott solle sich zwecks dieser Entscheidungen auf Grundlage des Evangeliums des gesunden Menschenverstandes bedient werden, um das Ziel von Spiritualität zu erreichen.

In Zusammenarbeit mit Dr. Josef Leßmann vom LWL soll eine Veranstaltung dieser Art nicht die letzte gewesen sein: „Es ist mir ein Herzensanliegen, dass auf dieses Projekt weitere Auflagen folgen können“, versprach Gerte abschließend nach Darstellung des spirituellen Begriffs in unterschiedlichen Kontexten. Viele Teilnehmer trugen sich in eine Interessentenliste für mögliche Folge-Veranstaltungen ein – sicher gab es nach der Diskussionsrunde mit den drei Referenten hilfreiche Anregungen zur „Entrümpelung des Geistes“.

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