Wirtschaft

Wie ein neuer Rohstoff aus Rüthen das Klima schonen soll

Mariel Kleeschulte-Vrochte und Dr. Wilfred Vrochte imRüthener Erdenwerk mit einem Sack der eigenennachhaltigen Erdenlinie.

Mariel Kleeschulte-Vrochte und Dr. Wilfred Vrochte imRüthener Erdenwerk mit einem Sack der eigenennachhaltigen Erdenlinie.

Foto: Dirk Kleeschulte

Rüthen.   Rüthener Erdenwerk entwickelt nachhaltige Alternative zu Torf. Woraus das neue Produkt besteht und wie es künftig die Umwelt schonen soll.

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Nachhaltige und ökologisch wertvolle Erden will das im Rüthener Möhnetal angesiedelte Erdenwerk Kleeschulte entwickeln und an den Markt bringen. Mit dem Substrat-Rohstoff Topora Aqua habe das Unternehmen nun eine neue Erde entwickelt, mit der große Mengen Kohlenstoffdioxid eingespart werden können.

„Nach über zwei Jahren Entwicklungsarbeit ist dieser sehr wichtige Meilenstein für die Herstellung von nachhaltigen Erden gelungen“, teilt das Unternehmen mit.

Neben Torf habe es bislang kaum sinnvolle, natürliche und wasserspeichernde Rohstoffe für die Substratwirtschaft in Europa gegeben, erklärt das Erdenwerk in einer Pressemitteilung. Daher sei bislang in großem Maße Kokos aus Übersee importiert worden – mit einem Transportweg von fast 10 000 Kilometern aus Indien oder Sri Lanka.

Material aus heimischen Wäldern

„Für die Aufbereitung von Kokosfasern werden in den Herstellungsländern enorme Mengen an sehr knappem Trinkwasser verbraucht und Wasservorräte verschmutzt“, kritisiert das Rüthener Unternehmen. Mit der neu entwickelten Erde gebe es nun eine regionale und nachhaltige Alternative.

Die Rohstoffe dafür werden aus heimischen, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern gewonnen und in Rüthen verarbeitet. Die Erde Topora Aqua hat dann die gleichen Eigenschaften wie Torf und Kokos. Die Produktionsanlagen des Rüthener Erdenwerks wurden dafür in Eigenregie umgebaut. „Wir sind für die Zukunft gerüstet, lehnen uns aber keinesfalls zurück“, kündigt Vertriebsleiter Ralf Schilling an, an weiteren Produktinnovationen forschen zu wollen.

Den Mehrwert der ökologisch wertvollen Produkte für die Umwelt spiegeln die Analysen der Kohlenstoffdioxid-Einsparungen aus der Frühjahrssaison wieder. Gegenüber der Herstellung reiner Torferden in vergleichbarer Menge sparte Kleeschulte mit seinen torffreien und torfreduzierten Erden 6,5 Millionen Kilogramm Kohlenstoffdioxid ein. „Würde ein VW Passat 1111 Mal um die Erde fahren, so würde er diese Menge klimaschädliches Kohlenstoffdioxid erzeugen“, rechnet Geschäftsführer Wilfred Vrochte vor.

Nachhaltige Wirtschaft im Sauerland

Dabei profitiert das Erdenwerk von der regionalen Rohstoffverfügbarkeit. Denn Torffelder gibt es im Sauerland nicht, jedoch reichlich Holz und Baumrinden aus rohstoffspendenden Waldgebieten. Das verkürzt zum einen die Transportwege, zum anderen werden beim Abbau uralter Torfflächen im Norden Deutschlands und im Baltikum immense Mengen des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids freigesetzt. Der Wald im Sauerland werde hingegen nachhaltig bewirtschaftet und agiert als Kohlenstoffdioxid-Schoner.

„Die Herstellung torffreier Erden ist aufgrund der Bioaktivität der Rohstoffe nicht einfach“, erklärt Geschäftsführerin Mariel Kleeschulte-Vrochte. „Dennoch setzen wir über alle Produkte heute 95 Prozent nachhaltige Rohstoffe ein.“ Im Branchendurchschnitt würden gerade einmal 17 Prozent regenerative Rohstoffe verarbeitet. „Wir sind da alleine auf weiter Flur“, betont die Unternehmerin.

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