Gambia-Projekt

Leiterin des Gambia-Kindergartens besucht Wattenscheid

Alte Freunde: Hawa Sanneh und Gerd Ruth 2016 in Gambia bei den großen Feierlichkeiten zum 35-jährigen Bestehen des Kindergartens Wattenscheid.

Alte Freunde: Hawa Sanneh und Gerd Ruth 2016 in Gambia bei den großen Feierlichkeiten zum 35-jährigen Bestehen des Kindergartens Wattenscheid.

Foto: Rolf Schulte/archiv

Wattenscheid.   Hawa Sanneh zu Gast bei den Freundes des „Kindergartens Wattenscheid in Gambia“. Leiterin hat den Paten und Förderern viel zu berichten.

Volle Hütte im Kolpinghaus an der Saarlandstraße: Die Freunde und Förderer vom „Kindergarten Wattenscheid in Gambia“ konnten jetzt bei ihrem monatlichen Stammtisch einen Ehrengast begrüßen. Hawa Sanneh, Leiterin der Vorschuleinrichtung im westafrikanischen Mini-Küstenstaat, nutzte ihren Deutschland-Besuch zu einem Zwischenstopp in der Hellwegstadt.

Etliche Paten des Kindergartens kennen Hawa von ihren Reisen nach Gambia, viele sind langjährige Freunde. 1987 begann Hawa ihre Arbeit als Lehrerin im Kindergarten, seit inzwischen zwei Jahrzehnten ist sie die Chefin. Obwohl sie aufgrund der Sozialbestimmungen Gambias in Rente gehen könnte, will die 61-Jährige an Bord bleiben, „ich mache weiter“.

150 Kinder können aufgenommen werden

Bereits vor den Sommerferien, die in Gambia bis zum 17. September dauern, hat sie wieder eine ihrer wohl schwierigsten alljährlichen Aufgaben bewältigt: die Auswahl der Neuaufnahmen für die ersten Klassen. „150 Anmeldungen konnten wir berücksichtigen, aber doppelt so viele Interessenten gab es“, sagt die Leiterin. „Der Kindergarten Wattenscheid ist wegen seines Angebots beliebt – und er kostet die Eltern dank der deutschen Unterstützung kein Geld.“

Großes Vertrauen in neue Regierung

450 Mädchen und Jungen im Alter von dreieinhalb bis sieben Jahre besuchen die 1980 eröffnete Einrichtung, Hawa Sanneh ist „Chefin“ von 37 Beschäftigten. Neuerdings gibt es eine Vorort-Zusammenarbeit mit dem „Gambia College“. Fünf Studenten haben inzwischen dort fachbezogene Praktika absolviert, weitere werden folgen. „In diesem Jahr haben wir viel renoviert“, beschreibt Hawa Sanneh weitere Aktivitäten im Kindergarten. „Unsere große Versammlungshalle brauchte ein neues Dach, die Solartechnik ist verbessert worden und wir haben am Ende des großen Schulgartens jetzt zwei Häuser gebaut, die an Mitarbeiter vermietet werden.“

Die Schulleiterin ist in Gambia in vielen Bereich sozial engagiert und macht deutliche Unterschiede zwischen der neuen demokratisch gewählten Regierung, die seit über einem Jahr im Amt ist, und der früheren Jahrzehnte herrschenden Diktatur aus: „Es gibt wesentlich mehr Meinungsfreiheit, Grundnahrungsmittel wie Reis und Zucker sind nicht mehr so teuer, die Versorgung mit Strom und Wasser über vierundzwanzig Stunden ist viel besser geworden. In der Fischerei sollen 20 000 neue Arbeitsplätze entstehen, das Internet soll ausgeweitet werden.“

Viele junge Menschen flüchten aus Gambia

Aber: „Die Jüngeren sind ungeduldig.“ Die Flucht vieler junger Menschen aus Gambia nach Europa sei nach wie vor ein großes Thema im Land. „Doch ich traue der Regierung von Präsident Barrow was zu, er und die Minister wollen ihr Können beweisen, die packen an. Hauptsache ist, dass wir frei sind!“

Beim jetzigen Besuch genießt Hawa Sanneh ausnahmsweise das deutsche Hitzewetter: „Ich brauche hier nicht wie sonst eine dicke Jacke, ich fühle mich wie in Gambia.“ Obwohl: Dort herrscht aktuell die Regenzeit, viele Straßen stehen unter Wasser.

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