200 Jahre mit Blick nach vorn

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Die Lackhauser Farben GmbH setzt neben ihrem traditionellen Standbein auf neue Anwendungsbereiche.

Bei allem historischen Reichtum der Stadt ist dies eine Besonderheit: Ein Unternehmen blickt auf 200 Jahre Geschichte zurück. 1809 wurde das Einzelhandelsgeschäft Friedrich Hermann ins Weseler Handelsregister eingetragen, und daraus ging, Schritt für Schritt, die Lackhauser Farben GmbH hervor, die an der Brüner Landstraße die Tradition fortsetzt und in die Zukunft führt. Gestern Abend wurde Geburtstag gefeiert.

Ein Geschäft „auf Drogen und Farbwaren” betrieb Friedrich Hermann anfangs an der Breiten Brückenstraße 263. 1867 wurde dann die Firma „Tacke Lacke” gegründet - in Lackhausen, was namentlich noch eins drauf setzte, wenngleich die Ortsbezeichnung anderen Ursprungs ist. Seither gibt es die Verbindung zur Familie Tacke, aus der Ida Tacke hervorging, die mit ihrem Ehemann Walter Noddack das Rhenium entdeckte und so zu einer prominenten Tochter ihrer Stadt wurde. Die stuckverzierte Tacke-Villa mit Türmchen steht bis heute als Monument für Emanzipation wie für Erfindergeist.

Ein Markenzeichen

Der hat sich erhalten - über die Ära der Familie Heinen hinweg und trotz Zerstörung im Krieg mit nachfolgendem Ausweichquartier in der Reitzenstein-Kaserne. „An der Lackfabrik” wurde zur offiziellen Straßenbezeichnung, der Slogan „Lacke aus Lackhausen” zum Markenzeichen. Der kleine, feine Betrieb für Farben und Lacke half mit, dem wieder entstehenden Deutschland einen neuen Anstrich zu verpassen. Handwerker wurden mit „Lackhauser Weiß” und „Lackhauser Bunt” beliefert. Der Markt wuchs, die Konkurrenz auch und damit die Anforderungen. Mehr und mehr wurde die Industrie zum Kunden. Wasserlacke waren gefragt und wurden produziert, Farben für Dachziegel. Und dann kam die aktuelle Wirtschaftskrise.

Natürlich spüre man sie, sagt Peter Wildenhain, seit 25 Jahren in der Firma und seit 1993 ihr Geschäftsführer. Das ist wie ein Domino-Effekt, beispielhaft nachvollziehbar am Geschäftspartner Byk-Chemie. Wenn der, wie kürzlich, klagt, setzt sich das fort bis in den kleinsten Rührtiegel. Die Lackhausener reagieren wie der große Konzern: Sie blicken nach vorn, um mit neuen Ideen Märkte zu erschließen.

Von Nano bis Windkraft

Auch hier gilt das Stichwort Nano als eine Art Zauberformel. Beschichtungen mit kleinsten Silberteilchen wirken antibakteriell. Mit entsprechenden Anstrichen lassen sich Milchtanks ebenso versehen wie Gesundungsbekken für Pferde. Chemische Reinigungsprozesse könnten entfallen. „Seit zwei Monaten haben wir als einzige ein Zertifikat”, sagt Wildenhain zum in Lackhausen entstandenen Nanosilber-Produkt. In Zusammenarbeit mit einer Beschichtungsfirma gehen die ersten 100 Liter in der kommenden Woche zu Versuchszwecken in die Schweiz.

Ein Korrosionsschutzmittel, das unter Nutzung von Luftfeuchtigkeit Restrost verkapselt, ist eine weitere Neuentwicklung. Und auch auf dem Zukunftssektor Energie tummelt sich das Zwölf-Personen-Unternehmen: Ein Anstrich mit besonders elastischen Eigenschaften dient der Überholung von Windkraftanlagen, an denen sich im Laufe der Zeit kleine Risse bilden.

Oben in den alten Fabrikräumen hat sich Peter Wildenhain ein größeres Labor eingerichtet, um noch forscher forschen zu können. Zugleich aber bleibt das alte Standbein erhalten, gibt es weiterhin Lacke und Dispersionsfarben für innen und außen, werden Produkte nicht nur fässerweise, sondern auch in kleinen Gebinden verkauft und nun auch computergesteuert gemischt.

Auf dem Weg nach vorn braucht die Lackhauser Farben GmbH Glück. Das wünschten ihr gestern 42 ehemalige Mitarbeiter, die mit der aktuellen Belegschaft im Haus Duden zusammenkam. Darunter die Heinen-Familie aus Marbella und Wildenhain-Vorgänger Dr. Detlev Eich, der die Festrede hielt. Mit dabei auch das viel bewunderte Firmen-Maskottchen: einer der Weseler Esel, der durch eine Speziallackierung mal grün mal lila schillert. So bunt wie die Firmengeschichte.

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