Handwerk

Weseler erhält Einladung für Fliesenleger-Nationalmannschaft

Der Weseler Sascha Cuppenbender vor seinem Werk

Der Weseler Sascha Cuppenbender vor seinem Werk

Foto: Müller

Wesel.  Ein Weseler belegt bei der Deutschen Meisterschaft im Fliesenlegen den dritten Rang. Er darf zum Nationalteam – hat aber eigentlich andere Pläne.

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Nein, so richtig Zeit zum Feiern hatte Sascha Cuppenbender noch nicht. Am Montagabend kletterte der Weseler bei den Deutschen Meisterschaften der Fliesenleger in Bad Zwischenahn als Dritter auf das Siegertreppchen, am nächsten Morgen schon stand der 21-Jährige wieder im elterlichen Betrieb an der Esplanade parat.

Mittwoch dann ging’s nach Köln zum Interview beim Radiosender 1Live, danach gab es natürlich auch vor Ort in Wesel noch Pressetermine. „Ich wäre eigentlich mit einem Platz unter den Top 7 zufrieden gewesen“, schmunzelt Sascha Cuppenbender.

„Dass es dann sogar der dritte Platz geworden ist, hätte ich nicht gedacht.“ Eine Windmühle, ein Segelschiff und die Zahl 19 für das aktuelle Jahr – diese drei Symbole musste Sascha Cuppenbender bei der Deutschen Meisterschaft „fliesen“. In zwei Tagen, bei einer Arbeitszeit von insgesamt 16 Stunden, Mittagspause inklusive. „Das war eine große Herausforderung, körperlich anstrengend, aber auch vom Kopf her“, erinnert sich Sascha Cuppenbender. „Da ist man richtig kaputt.“

Zeit zum Luftholen blieb kaum, eine genaue Zeiteinteilung war nötig. Für den Rundschnitt auf der 15 mal 15 Zentimeter kleinen Fliese. Was mache ich zuerst? Zeichne ich erst alle Symbole vor, schneide ich erst alle Fliesen zurecht? Und klebe am Ende alle zusammen? Oder zwischendurch schon? Und wann verfuge ich?

Sascha Cuppenbender wählte offenbar genau die richtige Taktik mit Zirkel und Glasschneider, lag am Ende im neunköpfigen Teilnehmerfeld nur knapp hinter den beiden Erstplatzierten. Eine besondere Schwierigkeit gab’s noch obendrein: Im Ausbildungszentrum Bau-ABC Rostrup lief am Wochenende zeitgleich ein Tag der offenen Tür mit mehreren Tausend Besuchern.

Die Geräuschkulisse war also dementsprechend. „Wir hatten deshalb alle Ohrenstöpsel drin, sonst hätte man sich nicht konzentrieren können“, berichtet der 21-Jährige. Es störe ihn nicht, wenn die Leute zuschauen. „Aber wenn sie über einen sprechen, kann das schon irritieren.“

Die Unterstützung des Cuppenbender-Fanclubs mit Vater Guido und Mutter Daniela Cuppenbender, Opa Paul, seinem Berufsschullehrer Karl-Heinz Müller und seinem Ausbilder Andreas Keweloh, der eigens aus Köln angereist war, schien Sascha Cuppenbender dagegen zu beflügeln.

Bester der Gesellenprüfung

„Ich habe sie immer mal wieder kurz unter den Zuschauern entdeckt“, erinnert sich der frühere Abiturient des Andreas-Vesalius-Gymnasiums. Als Bester der Gesellenprüfung der Handwerkskammer Düsseldorf und dann Gewinner der Landesmeisterschaft im Oktober in Dortmund hatte sich der 21-Jährige für die DM qualifiziert.

Während sich der spätere Deutsche Meister in einem zweiwöchigen Schnittkurs eigens auf den Wettbewerb vorbereitet hatte, blieb Sascha Cuppenbender wegen der täglichen Arbeit dafür nur wenig Zeit.

Umso höher ist der dritte Platz zu bewerten, der mit einer Bronzemedaille, einer Urkunde und 200 Euro belohnt wurde. Kurz nach dem nervenaufreibenden Wettbewerb kam auch noch der Bundestrainer auf Sascha Cuppenbender zu. Ob er Interesse habe, für die Nationalmannschaft anzutreten und sich möglicherweise für die Europameisterschaf in Graz zu qualifizieren.

Meisterschule ist gebucht

Bis Ende des Monats muss sich der Weseler nun entscheiden. Doch die Meisterschule in Köln ist längst gebucht, die Fördergelder bereits zugesagt, ein Zimmer ebenfalls schon angemietet. „Dann müsste ich dort absagen, meine Meisterschule verlegen“, sagt Sascha Cuppenbender.

„Ich glaube nicht, dass ich das machen werde.“ Schließlich möchte er den Familienbetrieb weiterführen, der im kommenden Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiert. Vielleicht gibt’s in diesem Rahmen dann doch noch Zeit, nachträglich auf den dritten Platz bei der DM anzustoßen...

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