Neujahrsempfang der FDP

300 Gäste sind der Einladung der FDP Wesel gefolgt

Beim traditionellen Grünkohlessen der Weseler FDP im Saal Schepers beeindruckte Gastrednerin Linda Teuteberg, MdB und Mitglied des Bundesvorstandes.

Beim traditionellen Grünkohlessen der Weseler FDP im Saal Schepers beeindruckte Gastrednerin Linda Teuteberg, MdB und Mitglied des Bundesvorstandes.

Foto: Gerd Hermann

Wesel.  Im Saal Schepers sprach die FDP Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg über Bundespolitik, insbesondere ihr Spezialthema Migration.

Schlange stehen bei der FDP – damit begann der Neujahrsempfang mit traditionellem Grünkohlessen der Weseler FDP im Saal Schepers.War es Gastrednerin Linda Teuteberg, MdB aus Brandenburg, der man eine noch steilere Karriere in der Bundespartei voraussagt, oder der große Bekanntheitsgrad des FDP Bundestagsabgeordneten Bernd Reuther und dem Ortsvorsitzenden Dirk Giesen, die diese Veranstaltung auf 300 Personen anwachsen ließ? Selbst die Politikerin aus Potsdam war mehr als überrascht, auf so ein großes Plenum zu stoßen.

Lokale Themen und Landespolitik

Dirk Giesen konnte viel Politik-Prominenz begrüßen, insbesondere Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. FDP-Fraktionschef Peter Bernds umriss einleitend die Weseler Kommunalpolitik mit Themen wie zweite Gesamtschule, Auskiesungsflächen und Rekommunalisierung. Sein Vorgänger im Amt und heutiger FDP-Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther lobte die FDP-Landespolitik wie „die vielen Entfesselungspakete für Unternehmen“, für die sich Andreas Pinkwart stark gemacht habe, ebenso die Einführung des Azubitickets und die Zielsetzung einer Netzstärke „von 5G an jeder Milchkanne“. Zum Thema Diesel prangerte er den „deutschen Messwahnsinn“ an, der beendet werden müsse und in dieser Form in Europa seinesgleichen suche. Reuther hat mit der Einladung von Linda Teutenberg zum Neujahrsempfang wohl die richtige Wahl getroffen.

Denn die 37-jährige Brandenburgerin verstand es, in freier Rede ihre politischen Positionen prägnant zu bündeln. Sie ist migrationspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. „Und mit einem Mann aus NRW verheiratet“, wie sie betonte.

Klare Regeln für ein Einwanderungsgesetz

Als Fachfrau in Sachen Migration ist sie eine gefragte Politikerin, die eine klare Position vertritt. Die Einwanderung nach Deutschland müsse endlich besser geordnet und gesteuert werden. „Deutschland braucht ein Einwanderungsgesetz, wir brauchen klare rechtsstaatliche Regeln dafür, wenn Menschen, ohne verfolgt zu sein, bei uns leben und arbeiten möchten.“ Dass Fachkräfte dringend benötigt werden, habe sie aktuell am Nachmittag beim Besuch des Unternehmens Lase in Wesel erfahren. Wolle man diese aus Asylbewerbern rekrutieren, seien klare Regeln, möglichst verbunden mit einem Punktesystem nötig, damit nicht kleine mittelständische Unternehmen Fachanwälte beauftragen müssten. Sie plädierte für die Einstufung der Maghreb-Staaten als sichere Herkunftsländer. „Das hat bei den Westbalkanstaaten ja auch funktioniert.“ Aber es müsse auch eine Ausreisepflicht erfolgen, wenn kein Asylgrund vorliege.

Rente und bezahlbarer Wohnraum

Ein weiterer Kritikpunkt der Politikerin: Zum Thema Rente sei viel versprochen, aber keine verlässliche Rentenpolitik geliefert worden. Rente müsse sich immer auch an der Zahl an Arbeitsjahren orientieren, allerdings sollten auch flexible Möglichkeiten geschaffen werden.

Der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum werde durch die Mietpreisbremse behindert, denn sie schaffe eher Ruinen als Wohnungen. So sei auch die Neuberechnung der Grundsteuer kontraproduktiv. Sie erschwere den Wunsch des modernen Bürgers nach einem eigenen Haus.

Das letzte Opfer starb vor

genau 30 Jahren an der Grenze

Abschließend warb sie um Verständnis für die Menschen in Ostdeutschland, „sie haben ganz andere Umbrüche bewältigt. Und sie haben ein tiefes Gespür für Dinge, die sich ändern können.“ An diesem Abend erinnerte Teuteberg an den 5./6. Februar vor 30 Jahren, an dem Chris Gueffroy als letztes Opfer des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze seine Sehnsucht nach Freiheit mit seinem Leben bezahlte.

Schließlich war auch ihr das Thema Heimatliebe wichtig, das man nicht den Rechten überlassen solle, aber – wie die Brexit-Diskussion zeige – bedeute Heimat eben auch „Zusammengehörigkeit und Identität“.

Mit diesem Schlusswort erntete sie langanhaltenden Beifall, bevor der Grünkohl aufgetischt wurde.

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