Wohnen

400 Menschen haben auf der Grav-Insel in Wesel ihr Zuhause

Ewald und Heidi Hegel mit Enkelin Johanna in ihrem Wohnzimmer auf dem Campingplatz Grav-Insel. Das Ehepaar möchte hier seinen Lebensabend verbringen.

Foto: Markus Weißenfels

Ewald und Heidi Hegel mit Enkelin Johanna in ihrem Wohnzimmer auf dem Campingplatz Grav-Insel. Das Ehepaar möchte hier seinen Lebensabend verbringen. Foto: Markus Weißenfels

Wesel.   Eine Zeitlang war es erlaubt, auf dem Campingplatz den ersten Wohnsitz zu haben, momentan aber nicht. Das will die SPD nun ändern.

Es ist eine Stadt am Rande der Stadt. Wenn es richtig brummt, leben 30 000 bis 35 000 Menschen auf der Grav-Insel zwischen Flüren und Bislich. Jetzt wird es langsam ruhiger, aber einige genießen noch die Herbsttage. Am Ende bleiben etwa 400 Menschen, die hier dauerhaft leben. Susanne Reichstein und ihr Mann Michael gehören dazu. Vor zwei Jahren haben sie ihre Eigentumswohnung in Bottrop gegen das 300 Quadratmeter große Grundstück mit einem Chalet am Kartäuserweg 2 getauscht und es nicht bereut.

Wohnen, wo andere Ferien machen

Im Gegenteil: Susanne Reichstein genießt jeden Tag mit ihren drei Hunden Alex (14), Finchen (14) und Joey (2). Die 49-Jährige fühlt sich hier sicher, traut sich auch nachts raus, denn es gibt einen Sicherheitsdienst. Während ihr Ehemann (49) jeden Tag nach Essen zur Arbeit fährt, hat sie jeden Tag Urlaub. Denn sie ist dort, wo andere tatsächlich ihre Ferien verbringen, drei Minuten vom Rhein, fünf Minuten vom Auesee entfernt. Das Einzige, was ihr nicht gefällt: Sie und ihr Mann sind hier nicht gemeldet, weil das nicht möglich ist. So geht die Post an die Adresse von Freunden und muss immer mühselig abgeholt werden.

Die Weseler SPD-Fraktion möchte diesen Zustand ändern, indem ein Bebauungsplan für die Grav-Insel aufgestellt wird. Er soll regeln, dass alle, die hier auf Dauer wohnen, auch ihren ersten Wohnsitz haben können. Seit Mai ist dies durch eine Änderung des Baugesetzbuches möglich, sagt Vorsitzender Ludger Hovest, der zusammen mit Ratsherr Wolfgang Hänel und dem zuständigen SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Patrick te Paß nach vielen Vorgesprächen den Vorstoß wagt.

„Wir können stolz auf den Campingplatz sein“

Gemeinsam mit Campingplatzbesitzer Frank Seibt erläutert er, was ihn dazu veranlasst, die bestehenden Wohnsitze zu legalisieren: Schließlich seien die Menschen in den 90er Jahren offensiv von der Stadt Wesel angeworben worden. „Wir können stolz darauf sein, dass wir so einen schönen und innovativen Campingplatz haben“, sagt er. „Nun möchten wir den Menschen eine Heimat geben, damit sie vollwertige Bürger der Stadt Wesel sind.“ Da sich Zuschüsse an die Stadt nach der Zahl der Einwohner richten, habe dies auch einen handfesten finanziellen Hintergrund, erinnert der Sozialdemokrat an die Zeit Anfang der 90er Jahre, als es 1000 D-Mark pro Kopf gab.

Auch Heidi Hegel (63), die mit Ehemann Ewald (65) am Sommerdeich wohnt, wünscht sich sehr, endlich hier ihren ersten Wohnsitz anmelden zu können. „Es gibt nichts, woran es hier mangelt“, sagt sie und fügt hinzu, dass sie sich bislang in der Sache aber ein bisschen allein gelassen fühlt.

SO GEHT’S WEITER

Keine Frage, es wird zwei, drei Jahre dauern, bis der angestrebte Bebauungsplan rechtskräftig ist. Schon in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung beantragt die SPD aber die Aufstellung, damit die Dauerbewohner demnächst die Grav-Insel in ihrer Adresse führen können.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik