Kultur

50 Jahre Musikschule Hamminkeln – ein Grund zum Feiern

Beim Musikschulfest am Schloss Ringenberg spielte auch das Akkordeonorchester unter Leitung von Helmi Sieg.

Beim Musikschulfest am Schloss Ringenberg spielte auch das Akkordeonorchester unter Leitung von Helmi Sieg.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Hamminkeln.  Leicht hat es die Musikschule Hamminkeln nicht, doch die Unterstützung der Stadt hilft bislang, zu überleben. Jetzt feierte sie 50 Jahre Bestehen.

Vor rund 50 Jahren, als die „Schwarze Null“ noch ein Fremdwort war, schossen allerorten Musikschulen wie Pilze aus dem Boden. Als wesentlicher Bestandteil der Bildung, die damals noch nicht als bloße Ausbildung zu einer möglichst schnellen ökonomischen Verfügbarkeit verstanden wurde, nahmen Politik und private Träger die musikalische Ausbildung ins Visier.

Anfangs putzte der Vorstand

So auch in Ringenberg, wo Tambourkorps und Blasorchester sich Gedanken über die Nachwuchsgewinnung machen mussten: Kurzerhand wurde ein Musikverein gegründet, der die Ausbildung der jungen Leute übernahm.

Zunächst in Privaträumen, ab den 80er Jahren dann in einem eigenen Gebäude (das von den Vorstandsmitgliedern persönlich geputzt wurde) wurde musiziert. Und ein goldenes Jubiläum ist natürlich ein Grund zum Feiern - so traf sich allerlei Prominenz im Schloss Ringenberg, um mit einem Festakt die runde Zahl zu begehen.

Vielfalt der Instrumente und Stile

Musik darf auf einer derartigen Veranstaltung natürlich nicht fehlen: Und von Vivaldi bis zu einem Experiment mit einem Tablet bildete das musikalische Programm die Vielfältigkeit der Musikschule Hamminkeln ab.

Zahlreiche Gäste begrüßte Musikschulleiter Ulrich Ingenbold im Schloss: Die Landtagsabgeordnete Charlotte Quik hatte sich ebenso die Ehre gegeben wie Vertreter der Kommune – und natürlich waren auch Schüler der ersten Stunde gekommen, um den Anlass gebührend zu feiern.

Kritik am aktuellen Umgang mit Kultur

Vielfältig ist das Angebot der Musikschule über die Jahre geworden: An 16 Instrumenten wird mittlerweile durch ausgebildete Musikpädagogen unterrichtet – und in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen in Hamminkeln konnten schon viele Projekte umgesetzt werden.

Für einen Festvortrag hatte die Musikschule den Hausherrn Wolfgang Kostujak gewinnen können. Und Kostujak hielt sich mit Kritik an bestehenden Verhältnissen nicht zurück: Er spannte einen ideengeschichtlichen Bogen vom Puritanismus des 17. Jahrhunderts bis zur aktuellen Austeritätspolitik und nahm den aktuellen Umgang mit Kultur durch die Entscheidungsträger ins Visier: „Aus Schülerinnen und Schülern werden Kundinnen und Kunden, ‘Neugier’ und ‘Engagement’ werden durch ‘Unterhaltungswert’ ersetzt“, beklagte Wolfgang Kostujak.

Aber es geht auch anders: Im Gegensatz zu vielen privat betriebenen Musikschulen kann sich die Musikschule Hamminkeln auf die Kommune verlassen. Und das ermöglicht zum Beispiel, dass die Musikpädagogen nach Tarif bezahlt werden können – mittlerweile eine Seltenheit in der Musikschulszene.

Lob für die Stadt Hamminkeln

„Der eigentliche Grund zum Feiern besteht darin, dass die politischen Mandatsträger über ein halbes Jahrhundert verstanden zu haben scheinen, dass kulturell-erzieherische Inhalte keine Sparpotenziale haben“, lobte Kostujak das Engagement der Stadt Hamminkeln für „ihre“ Musikschule. Die 100.000 Euro, die die Kommune jährlich für ihre Musikschule aufbringt, sind, das wurde an diesem Vormittag klar, eine echte Investition in die Zukunft Hamminkelns.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben