Bildungspolitik

Abgewiesene Kinder sollen zur Realschule in Wesel

Die Konrad-Duden-Realschule soll die Kinder ohne Schulplatz im Sommer  aufnehmen, beantragen drei Fraktionen.

Foto: Markus Joosten

Die Konrad-Duden-Realschule soll die Kinder ohne Schulplatz im Sommer aufnehmen, beantragen drei Fraktionen. Foto: Markus Joosten

Wesel.   SPD, Grüne und Linke stellen einen Antrag. Sie wollen auch, dass die Vorarbeiten für die zweite Gesamtschule schnell auf den Weg gebracht werden.

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Vor der Sitzung des Schulausschusses sorgt ein gemeinsamer Antrag von SPD, Grünen und Linken für neuen Diskussionsstoff: Die drei Fraktionen beantragen, für die 23 Kinder, die derzeit noch keinen Schulplatz gefunden haben, an der Realschule eine Überhangklasse zu bilden – und die Vorbereitungen für eine schnellstmögliche Gründung einer zweiten Gesamtschule zu treffen. Die drei Fraktionen haben im Schulausschuss eine knappe Mehrheit von einer Stimme. Der Vorschlag der Verwaltung lautet dagegen, an der Gesamtschule einen neunten Zug zu bilden. Dem wollen die drei Fraktionen aber nicht folgen. SPD-Fraktionschef Ludger Hovest argumentiert, eine neunte Eingangsklasse sei der Gesamtschule nicht mehr zuzumuten.

Für die SPD, Grünen und Linken ist die Aufnahme der von der Gesamtschule abgewiesen Kinder an der Konrad-Duden-Realschule die bessere Option. Die Schule hatte im Vorfeld bereits öffentlich erklärt, dass die Kinder, von denen ein Großteil eine Hauptschulempfehlung mitbringt, an der Realschule überfordert wären und die Gefahr des Scheiterns groß sei. SPD-Fraktions-Chef Ludger Hovest ist von dem Argument nicht überzeugt: „An der Realschule sind doch auch Hauptschüler. Die Gesamtschule ist voll“. Sie sei aufgrund der vielen Inklusionskinder schon jetzt hohen Belastungen ausgesetzt, das Raumproblem ist aus seiner Sicht im Schulzentrum Nord leichter zu bewältigen als am Standort der Gesamtschule.

Facebook-Eintrag sorgt für Verärgerung

Für Verärgerung sorgte am Mittwoch ein Eintrag des SPD-Ratsherren Hilmar Schulz auf seiner persönlichen Facebook-Seite. Er verkündete: „SPD, Linke und Grüne beauftragen die Verwaltung, die nötigen Schritte zur Gründung einer zweiten Gesamtschule einzuleiten. Zusätzlich wird die Realschule Nord die noch nicht mit einem Schulplatz versorgten Kinder in einer weiteren Klasse aufnehmen.“ Der Lehrerrat der Realschule kritisierte die Meldung vor der Abstimmung: „Dieses Vorgehen untergräbt jegliche demokratische Prozesse unserer Gesellschaft. Wir hätten uns eine ergebnisoffene und konstruktive Debatte mit der Abwägung aller Argumente für eine Entscheidung gewünscht. Dies führt die Sitzung des Schulausschusses ad absurdum.“ Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Linz zeigt sich „fassungslos“: „So etwas macht man nicht. Dann brauchen wir uns ja gar nicht mehr treffen“. Selbst bei einer rechnerischen Mehrheit gebe es die Möglichkeit, dass eine Fraktion sich aufgrund neuer Fakten anders entscheide. Hilmar Schulz kann die Aufregung um seinen Eintrag nicht verstehen: „Wir diskutieren das Ganze natürlich morgen und werden das dort beschließen“, meinte er am Mittwoch.

CDU: „Der absolut falsche Weg“

Die abgewiesenen Kinder an der Realschule zu unterrichten, hält Jürgen Linz für den „absolut falschen Weg“. Auch wenn ein neunter Zug an der Gesamtschule nicht optimal sei: „Der Bildungsgang ist für die Kinder der Richtige.“ Im Falle einer Aufnahme der Kinder würde die CDU sich nicht gegen alle notwendige Unterstützung für die Gesamtschule sperren.

Laut Antrag von SPD, Grünen und Linken soll die neue Gesamtschule schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden. Die Verwaltung wird aufgefordert, alle organisatorischen Vorbereitungen zu treffen und einen anlassbezogenen Schulentwicklungsplan zu erstellen, damit der Rat noch vor dem 1. Dezember entscheiden kann. Bis zu diesem Termin muss die neue Schule beantragt werden. Viel Diskussionsstoff also für die Sitzung des Schulausschusses am Donnerstag ab 16.30 Uhr, zu der sich bereits viele Eltern angesagt haben.

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