Geschichte

Alte Festungsmauern an der Weseler Kreuzstraße freigelegt

Archäologen neben den historischen Festungsmauern auf der Baustelle an der Kreuzstraße in Wesel.

Archäologen neben den historischen Festungsmauern auf der Baustelle an der Kreuzstraße in Wesel.

Foto: Erwin Pottgießer

Wesel.   Archäologen graben, säubern, vermessen und dokumentieren die historischen Funde auf der Weseler Baustelle. Am 2. Januar geht es weiter.

Wer sich für Wesels Geschichte interessiert, sollte in den nächsten Tagen einfach mal an der Kreuzstraße vorbeischauen. In der Baugrube, die der Bauverein Wesel schon vor Wochen ausgehoben hat, sind nun nämlich nicht nur Steinfragmente zu sehen, sondern nahezu ganze Mauerwerke, die einst zur Festungsanlage gehörten und in der Kreisstadt bislang unbekannt waren.

Keramikscherben aus der Neuzeit

Mitarbeiter der Firma LQ Archäologie Linnemann, Quenders und Partner aus Waltrop arbeiten seit Mittwoch im Auftrag des Bauvereins in der Grube und legen unter anderem die Feldbrandsteine frei. Auch die eine oder andere Keramikscherbe der Neuzeit ist ihnen dabei in die Hände gefallen - wobei damit die Zeit nach 1492 gemeint ist. Sie werden erst einmal in Klarsichttüten gesteckt und demnächst näher unter die Lupe genommen.

Archäologe Thorsten Quenders und seine Kollegen dokumentieren das, was demnächst wieder unter der Erde verschwinden oder für den Bau der Tiefgarage unter dem Wohnhaus abgerissen werden muss. Es wird gegraben, gesäubert, vermessen und beschrieben - alles für die Nachwelt.

Bei den mächtigen, massiven Mauern, die teils sehr gut erhalten, teils abgebrochen sind, handelt es sich um den äußeren Bereich des Zitadellenvorwerks Richtung Esplanade. Gebaut wurde es zwischen dem Ende des 17. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, sagt Quenders. Die noch anstehenden Untersuchungen könnten nähere Aufschlüsse geben. Auch die einzelnen Schichten des gewachsenen Bodens werden näher beäugt. Verfärbungen und Strukturen lassen bestimmte Folgerungen zu. Da, wo es nahezu kreisrund etwas dunkler ist, standen einst Pfosten, da, wo eine gerade Linie sichtbar wird, war einst die Baugrube für die Festung.

Amt für Bodendenkmalpflege

Die Mauern reichen übrigens noch deutlich tiefer in die Erde, wie tief genau, das werden die weiteren archäologischen Arbeiten zeigen, die ab dem 2. Januar weitergehen.Wie lange die Fachleute noch auf der Großbaustelle an der Kreuzstraße zu tun haben, vermag noch niemand zu sagen. Auch wenn sie am Freitag während des Dauerregens die passende Kleidung trugen, wünschen sie sich natürlich besseres Wetter für ihre Tätigkeit. Begleitet werden sie dabei übrigens vom Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn.

Ob auch im Bereich der künftigen Radiologischen Praxis mit solchen Funden zu rechnen ist? Theoretisch schon, sagt Quenders. In einer Stadt wie Wesel, müsse man davon ausgehen.

>>>NEUE VERWENDUNG FÜR ALTE STEINE

Norbert Haeser, Vorstand beim Bauverein Wesel, kann sich vorstellen, einen Teil der abgetragenen historischen Steine aus dem Untergrund ans Tageslicht zu holen. Damit könnte vielleicht ein Teil der Außenanlagen gestaltet werden, so seine Idee.

Und auch die Untere Denkmalbehörde, die bei der Stadt angesiedelt ist, soll Interesse an den roten Feldbrandsteinen - der Urform des Ziegelsteins - haben, von denen damals nahe der Baustellen Millionen mit einfachen Mitteln hergestellt wurden.

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