Archäologie

Alte Karrenspuren vom Bau der Weseler Zitadelle entdeckt

Die Archäologen bei der Arbeit. Unter dem ehemaligen Parkplatz am Kreiswehrersatzamt stecken alte Mauern, unter anderem von der Zitadelle.

Die Archäologen bei der Arbeit. Unter dem ehemaligen Parkplatz am Kreiswehrersatzamt stecken alte Mauern, unter anderem von der Zitadelle.

Foto: Arnulf Stoffel

Wesel.   Seit kurz vor Weihnachten sind Archäologen auf der Baustelle an der Kreuzstraße Wesel aktiv. Dabei entdecken sie unter anderem auch Stützpfähle.

Dass das Zitadellenviertel zurecht seinen Namen trägt, ist jetzt einmal mehr untermauert worden. Und das im wahren Sinne des Wortes. Nicht nur, dass die Mehrfamilienhäuser zwischen Weimarer und Leipziger Straße unmittelbar in der Nähe der Zitadelle liegen: Die bei Bauarbeiten an der Kreuzstraße entdeckten massiven Mauern (die NRZ berichtete) waren einst auch Teil des mächtigen Festungsbauwerks.

Schaulustige am Bauzaun

Immer wieder bleiben Interessierte am Bauzaun stehen und werfen einen Blick auf die Ausgrabungen, die seit kurz vor Weihnachten archäologisch mit Fotos, Zeichnungen und in schriftlicher Form dokumentiert werden. Denn es ist schon beachtlich, was die Bagger nach und nach hervorgebracht haben.

Spätestens im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts war die Befestigungsanlage komplett, erläutert Archäologe Thorsten Quenders von der Firma LQ Archäologie Linnemann, Quenders und Partner mit Sitz in Waltrop. Von oben hat man einen besonders guten Blick. So ist nicht nur ein Graben anhand der hellen Verfärbung zu erkennen, sondern im hinteren Bereich gibt es auch diverse Fahrspuren von Karren, die von Tieren oder Menschen gezogen wurden - und das sowohl in West-Ost- als auch in Nord-Südrichtung. Sie erinnern an den Bau der Zitadelle.

Archäologen und Archäologie-Studenten

Die von den Fachleuten angelegten schnurgeraden Schnitte sind dazu da, die Spuren im Profil genauer zu untersuchen. Ein halbes Dutzend Archäologen und Archäologie-Studenten ist hier beschäftigt, wobei die zurückliegenden beiden Wochen wegen des Schnees und der Kälte die Arbeiten etwas langsamer voran kommen ließen. Wie lange man hier überhaupt noch in der Historie unterwegs ist, vermag Quenders nicht zu sagen. Nur soviel: „Wir sind auf dem besten Wege, so schnell es geht, das Gelände zu verlassen.“

Den restlichen Februar werde man vor allem den hinteren Bereich erkunden, wo offenbar ein Militärgebäude freigelegt wurde, das im frühen 20. Jahrhundert entstand und im Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist. Hier wird von der Weimarer Straße aus auch die Zufahrt zur Tiefgarage des künftigen Bauverein-Gebäudes entstehen.

Ein Teil der alten Mauern wird abgetragen

Bevor mit dem Bau endgültig begonnen wird, werden die alten Mauern bis auf die jetzige Ebene abgetragen. Was nun noch im Boden in zwei bis drei Metern Tiefe steckt, soll dort auch bleiben. Der Neubau versiegelt quasi das Bodendenkmal, der Bauverein kündigt eine so genannte Pfahlgründung an.

Dass sich hier Derartiges im Untergrund verbirgt, war so nicht vorhersehbar. Im Gegenteil: In einem Atlas aus dem Stadtarchiv, der auch die Weseler Festung präsentiert, ist von den nun gefundenen Mauerresten nichts zu sehen.

>>>EINE BRÜCKE UND ALTE HOLZPFOSTEN

Deutlich erkennbar ist von der Kreuzstraße aus ein ehemaliger Brückenbereich als Zugang zur Zitadelle. Dabei wird es sich vermutlich um eine Zugbrücke gepaart mit einer festen Konstruktion gehandelt haben. Noch heute sind dunkle Reste von Holzpfosten zu sehen, die ein Abrutschen von Sedimenten in den Graben verhinderten.

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